
Bild von Samer Chidiac auf Pixabay
Der Demokratie-Pädagoge Kurt Edler sieht in dem islamistischen Anschlag auf einen französischen Lehrer eine neue Gefahr.
„Lehrer stellen sich in den Dienst der Bildung junger Menschen und sind dabei völlig schutzlos, weil sie gar nicht dafür ausgebildet sind, sich zur Wehr zu setzen“, sagte er der „Welt“ . In „dieser Form“ sei ihm das in Deutschland noch nicht begegnet. Allerdings stellt Edler zur Lage hierzulande fest: „Schon lange gibt es allerdings die Weigerung von Jugendlichen, sich mit bestimmtem Unterrichtsmaterial zu beschäftigen, das aus ihrer Sicht ihren religiösen Geboten zuwiderläuft.“
Auch beobachtet der frühere Lehrer und Lehrerbildner, dass viele konservativ-muslimische Familien Ausnahmen für die Teilnahme am Sport- und Sexualkundeunterricht forderten. „Es können keine Sonderkonditionen für bestimmte Gruppen eingeräumt werden. Dies würde den Zusammenhang der demokratischen Gesellschaft gefährden“, sagte er. Ein Kind müsse in der Schule lernen, von den Besonderheiten seiner Herkunft abzusehen, um zum Bürger werden zu können.
Zur Forderung nach der Möglichkeit für regelmäßiges Beten sagte Edler: „Die Schule ist ein öffentlicher Ort und kein unbegrenzter Raum für Religionspraxis. Angesichts der weltanschaulichen Vielfalt unserer Gesellschaft muss die Schule neutral bleiben.“
Der ehemalige Grünen-Politiker spricht sich zudem für konsequentes Handeln gegen religiösen Gruppendruck an Schulen aus. „Religiöses Mobbing ist eine klare Menschenrechtsverletzung, der die Schule unbedingt in die Parade fahren muss.“ Gerade Schüler in jüngerem Alter könnten traumatisiert werden, wenn sie von Mitschülern unter Druck gesetzt werden, sich religiös zu kleiden. „In der Tat haben wir es hier mit Erscheinungsformen eines Kulturkampfs um die jungen Köpfe zu tun.“
Edler, der 1981 an der Gründung der Hamburger Grünen beteiligt war, kritisierte zudem seine Partei. „Die Auseinandersetzung mit Islamismus ist bei manchen meiner Parteifreunde durch eine falsche Zurückhaltung gekennzeichnet“, sagte er. „Manche Grüne haben die Frauenrechte einem relativistischen Kulturalismus geopfert.“ (dts Nachrichtenagentur)

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