
Foto: dts Nachrichtenagentur
Bonn – Der Bonner Virologe Hendrik Streeck warnt davor, die reinen Infektionszahlen zum Maßstab des Kampfes gegen Corona zu machen.
„4.000 Neuinfektionen pro Tag zur Zeit bedeuten nicht mehr das Gleiche, was sie im März und April bedeutet haben“, schreibt er in einem Gastbeitrag für das „Handelsblatt“.
Die reinen Zahlen seien nur „bedingt aussagekräftig“. Bei Corona handle es sich zwar um „ein ernstzunehmendes Virus, aber es bedeutet gleichwohl nicht unseren Untergang“.
Corona lasse sich weder „wegdemonstrieren“, noch seien Lockdowns ein Allheilmittel, so Streeck, der seine Forderung nach einem Ampel-Meldesystem bekräftigt. „Anstatt eindimensional müssen wir mehrdimensional denken lernen“, schlägt Streeck vor: „Abhilfe kann hier ein Ampelsystem schaffen, das auf dem Zusammenspiel von Infektionszahlen, Anzahl der Tests, stationärer und intensivmedizinischer Belegung basiert.“
Es müsse darum gehen, mit der Vielzahl der mittlerweile vorhandenen Daten „ein intelligenteres und vorausschauendes System zu entwickeln“. Wir müssten uns zudem daran gewöhnen, mit Corona zu leben. Das bedeute „auch zu akzeptieren, dass Sars-CoV-2 bei uns heimisch wird“.
Und auch Todesopfer ließen sich vielleicht minimieren, aber nicht vermeiden. Wann wirklich ein Impfstoff zur Verfügung stehen werde, sei „ungewiss. Daher wäre es sinnvoller, über Plan B nachzudenken.
Nämlich darüber, wie wir ein Leben mit dem Virus ermöglichen. Ein Leben mit bewusster Achtsamkeit uns und unseren Mitmenschen gegenüber.“ Streecks Fazit: „Zwischen all der berechtigten Debatte, den Rufen nach ausreichend Schutz und den Bestrebungen, unsere medizinische Versorgung nicht in einen fatalen Kollaps zu führen, stehen wir als Mediziner, aber auch alle Politiker in der Verantwortung, eine faktenbasierte Ruhe bewahren.“
Am Mittwoch waren die Corona-Neuinfektionszahlen sprunghaft von täglich knapp über 2.000 auf rund 4.000 angestiegen, am Donnerstag waren rund 4.500 Meldungen über positive Tests eingegangen. (dts Nachrichtenagentur)

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