
Cirka 170 Personen hatten sich im Seminarraum St. Elisabeth zu einem wichtigen Termin eingefunden. Foto: Ahme
Landau- „Wir erkennen noch nicht, an welch entscheidendem Punkt wir uns befinden. Das Jahr 2013 wird entscheidend für die nächsten Jahrzehnte sein“, hat Katharina Seelinger erkannt. Die Pflegedirektorin des Vinzentius Krankenhauses freute sich, dass gestern so viele Interessierte aller Pflegeberuf-Sparten zu einer wichtigen Infoveranstaltung ins Vinzentius Krankenhaus gekommen waren.
Es geht um die Gründung einer Pflege-Kammer in Rheinland-Pfalz. Das rheinland-pfälzische Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Demografie nahm die Idee inzwischen auf. Katharina Seelinger begrüßt dies ausdrücklich: „Für uns ist das ein Meilenstein in der Pflege“.
Alle Mitarbeiter in Pflegeberufen haben nun die Möglichkeit, über die Installation einer solchen Kammer, vergleichbar mit Kammern wie der Handwerkskammer, landesweit abzustimmen.
Ziel der Pflege-Kammer ist, neben dem Vertreten der beruflichen Belange und Interessen der Pflegenden auch die Qualitätssicherung und Sicherstellung einer professionellen Pflege für Menschen in Pflegesituationen.
Renate Herzer, im Vorstand des DPO Rheinland-Pfalz, referierte über das Für und Wider einer solchen Kammer. Bei ihrer Ausbildung zur Krankenschwester erfuhr sie, wie andere Pflegeschülerinnen, eine extrem schlechte Behandlung. „Mir war klar, dass ich unter diesen Umständen nicht im Beruf bleiben wollte“, so Herzer. „Unser Beruf wird und wurde durch Patienten, Angehörigen und der Gesellschaft abgewertet, aber auch durch uns selbst“. In den letzten 30 Jahren seien die Zustände immer schlimmer geworden. „Wir mussten für Gottes Lohn arbeiten“. Die Frage stellte sich Herzer und vielen anderen Pflegenden: „Wäre es nicht Zeit für eine Änderung der Umstände auf die Barrikaden zu gehen?“
Eine Kammer für die Pflege, eine Art Interessensvertretung gibt es bislang in Deutschland noch nicht. Sie soll, nachdem das Ministerium Grünes Licht gegeben hat, zunächst auf Landesebene installiert werden. Man möchte damit das Ansehen der Pflegeberufe steigern. Die Kammer definiert aber auch Pflichten des Berufsbildes, setzt sich für Weiterbildung ein und umfasst letztlich auch Gutachtertätigkeiten, Schlichtungen, Standesvertretung und Beratertätigkeit. „Wir möchten eine aktive Stimme im Gesundheitswesen sein“, sagt Herzer.
Mittels Schaubild dokumentiert sie den Aufbau einer solchen Kammer mit Delegiertenversammlung, Vorstand und Geschäftsführung, mit Ausschüssen und Beirat.
Deutschland hat noch keine Kammer, dafür aber Großbritannien, Italien, Frankreich, ja sogar in Taiwan gibt es eine Pflegekammer. Sie spricht auch über den Stand der Dinge in anderen Bundesländern. In Schleswig-Holstein gibt es sogar eine Initiative der Regierungspartei, in Bayern wird die Installation durch die FDP blockiert, in anderen Bundesländern ist man noch weiter davon entfernt. Die rheinland-pfälzische Regierung war aufgrund schlechter Erfahrungen mit der Installierung der Psychotherapeuten-Kammer vorsichtig und verlangt deshalb, dass „die Basis sprechen soll“. „Die Kammer soll eine Ergänzung zu Gewerkschaft und Berufsverbänden sein“, erklärt Renate Herzer. Sie wird Pflicht sein, der Mitgliedsbeitrag beträgt zwischen 5 und 10 Euro.
Nach langjähriger Vorbereitungszeit steht man nun kurz vor der Erfüllung des lang gehegten Wunsches, was auch eine Änderung des Heilberufsgesetzes mit sich bringen wird.
Die nächsten Schritte: Alle Angehörigen von Pflegeberufen können sich registrieren lassen. Die Registrierung läuft bis zum 18. März, die Abstimmung bis zum 25. März. Dazu muss man sich bei einer zentralen Befragungs- und Registrierungsstelle anmelden. Diese verschickt die Fragebögen an die registrierten Personen und wertet die zurückgesandten Bögen aus. Von dem Ergebnis der Umfrage hängt ab, ob die Einrichtung einer Landespflegekammer weiter verfolgt wird. Infos unter www.pflegekammer-befragung-rlp.de
Wer die Infoveranstaltung in Landau verpasst hat, kann sich am 4. Februar 2013, 14 Uhr, in Neustadt an der Weinstraße, Altenhilfezentrum Paul-Gerhardt-Haus Neustadt/W., Erkenbrechtstraße 38, informieren lassen. (desa)

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