Mittwoch 19.August 2026

Rheinland-Pfälzische Sparkassen im ersten Halbjahr 2026: Hirsch sieht Reformsignale aus aus Mainz und Berlin

23. Juli 2026 | Kategorie: Rheinland-Pfalz, Wirtschaft in der Region

Thomas Hirsch, Präsident des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz.
Foto: (c) SVRP/Andrea Enderlein

Rheinland-Pfalz – Der Sparkassenverband Rheinland-Pfalz sieht erste Signale für mehr Bewegung bei wichtigen Zukunftsthemen wie Wohnungsbau, Kommunalfinanzen und Bürokratieabbau.

Gleichzeitig bleibt die wirtschaftliche Lage angespannt: Die Nachfrage nach Krediten ist im ersten Halbjahr 2026 deutlich zurückgegangen.

Sparkassen-Präsident Thomas Hirsch sieht im neuen Koalitionsvertrag von CDU und SPD in Rheinland-Pfalz sowie im Reformpaket der Bundesregierung Ansätze, die aus Sicht des Verbands in die richtige Richtung gehen. Gleichzeitig warnt er davor, die wirtschaftlichen Probleme zu unterschätzen.

Weniger neue Kredite für Unternehmen und Privatkunden

Das Darlehensneugeschäft der 20 rheinland-pfälzischen Sparkassen lag zum 30. Juni 2026 bei 3,9 Milliarden Euro. Das sind 546 Millionen Euro weniger als im Vorjahreszeitraum, ein Rückgang von 12,3 Prozent. Der gesamte Kreditbestand blieb dagegen stabil und stieg seit Jahresbeginn leicht um 231 Millionen Euro.

Besonders betroffen ist das Geschäft mit Unternehmen. Hier gingen die neuen Kreditzusagen um 12 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro zurück. Auch Privatkunden fragten weniger neue Kredite nach. Das Volumen lag bei knapp 1,8 Milliarden Euro und damit 8,6 Prozent unter dem Vorjahreswert. Die private Wohnungsbaufinanzierung als größter Bereich erreichte 1,5 Milliarden Euro.

Als Gründe nennt der Sparkassenverband die unsichere wirtschaftliche Lage, geopolitische Risiken, steigende Unternehmensinsolvenzen und weiterhin hohe Belastungen durch Energiepreise und Lieferengpässe.

Thomas Hirsch ordnet die Entwicklung ein: „Wir erleben gerade einen möglichen politischen Aufbruch – in Mainz und in Berlin.“ Der Koalitionsvertrag in Rheinland-Pfalz greife wichtige Themen wie Wohnungsbau, Kommunalfinanzen und Fördervereinfachung auf. Auch Bürokratieabbau und Steuerentlastungen auf Bundesebene seien aus seiner Sicht Schritte in die richtige Richtung.

Gleichzeitig sieht Hirsch weiteren Handlungsbedarf: „Die schwachen Konjunkturzahlen sind kein Sparkassenthema, sie sind ein Konjunkturbild.“ Wer nicht investiere oder sich um die wirtschaftliche Perspektive sorge, verschiebe größere Vorhaben – vom Unternehmensinvestment bis zum Hausbau. Die Sparkassen begleiteten ihre Kunden mit Beratungsangeboten durch die schwierige Situation.

Einlagen wachsen – Wertpapiergeschäft bleibt gefragt

Die Einlagen der Sparkassenkunden lagen Ende Juni 2026 bei 57,5 Milliarden Euro. Im Vergleich zum Vorjahr entspricht das einem Plus von 1,9 Prozent. Seit Jahresbeginn gingen die Bestände zwar leicht zurück, vor allem durch saisonale Effekte und Umschichtungen in Wertpapiere.

„Das Einlagenvolumen zeigt: Das Vertrauen der Menschen in ihre Sparkasse ist ungebrochen“, sagt Alexander Schaubeck, stellvertretender Geschäftsführer des Sparkassenverbands Rheinland-Pfalz. Gleichzeitig beobachte man eine stärkere Nachfrage nach langfristigen Anlageformen.

Das Wertpapiergeschäft erreichte im ersten Halbjahr ein Umsatzvolumen von 6,0 Milliarden Euro. Besonders positiv entwickelte sich der Bereich Investmentfonds mit einem Nettoabsatz von 273 Millionen Euro. Einzelaktien, Optionsscheine sowie Anleihen wurden dagegen weniger nachgefragt.

Mit dem digitalen Angebot S-Neo will die Sparkassen-Finanzgruppe den Zugang zu Fonds, ETFs und weiteren Anlageformen über die S-App vereinfachen. Alle Sparkassen in Rheinland-Pfalz beteiligen sich daran.

„S-Neo verbindet zwei Stärken der Sparkassen: digitale Einfachheit und persönliche Nähe“, sagt Hirsch. Gerade in unsicheren Zeiten bleibe Vertrauen ein entscheidender Faktor.

Ausblick: Reformen sollen Impulse geben

Für das zweite Halbjahr 2026 erwartet der Sparkassenverband eine schrittweise Stabilisierung. Steuerliche Entlastungen ab 2027 und Erleichterungen bei der Finanzierung von Immobilien könnten Impulse für Kaufkraft und Wohnungsbau geben. Entscheidend sei aber, strukturelle Probleme wie hohe Baukosten, lange Genehmigungsverfahren und regulatorische Anforderungen weiter abzubauen.

Auch die Reform der privaten Altersvorsorge bewertet der Verband positiv. Mit dem Altersvorsorgestärkungsgesetz, das zum 1. Januar 2027 in Kraft treten soll, werde die staatlich geförderte private Altersvorsorge neu ausgerichtet. Vorgesehen sind unter anderem flexiblere Vorsorgeprodukte, Altersvorsorgedepots und die sogenannte Frühstart-Rente für Kinder und Jugendliche.

Die Sparkassen bereiten dafür unterschiedliche Angebote vor – von Wertpapierprodukten über Versicherungen bis zum Bausparen.

Zum Abschluss fordert Hirsch verlässliche Rahmenbedingungen von der Politik: „Damit Wirtschaft und Gesellschaft wieder mehr Zukunftsmut fassen, braucht es von der Politik jetzt verlässliche Rahmenbedingungen und Reformen, die ihren Namen verdienen – die ersten Ansätze gehen in die richtige Richtung.“

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