
Standing Ovations für den „Noch“-Oberbürgermeister: Schlimmer hat eben verkündet, dass er nicht mehr kandidieren wird.
Foto: Pfalz-Express/Ahme
Landau. Mit einem Paukenschlag beendete Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer gestern seine Neujahrsansprache in der voll besetzten Jugendstil-Festhalle.
„Dies ist meine letzte Neujahrsansprache als Oberbürgermeister meiner Heimatstadt , meiner Elternstadt“, erklärte Schlimmer bewegt. Diese Entscheidung sei ihm nicht leicht gefallen. „So sehr verbindet mich mit meiner Heimatstadt Liebe, Leidenschaft und auch Herzblut.“ Schlimmer beschrieb 45 aktive politische Jahre als Jungsozialist, der so manche Bürgerinitiative organisiert habe, 25 Jahre als Stadtrat, 1986 Fraktionsvorsitzender, dann 1998 Bürgermeister, 2008 OB.
„Dass ich nächstes Jahr hier nicht mehr stehen werde, kann ich selbst noch nicht richtig glauben. Aber es wird so sein. Aufrichtigkeit war stets einer der wesentlichen Maßstäbe an mich selbst“, so Schlimmer.
Die Landauer hätten nun dieses Mal die Wahl zwischen „zwei Landauer Buben“. Schlimmer will nicht mit halber Leistung fahren: „Ich bin Oberbürgermeister bis zum 31. Dezember. Vorruhestand wird es nicht geben, sondern volles Tempo bis zum Schluss.“
Lang anhaltender Applaus und standing ovations begleiteten Schlimmer von der Bühne zu seinem Platz, von wo er direkt auch noch ein paar Worte an die Zuhörer richtete. „Es macht Spaß mit Ihnen aktiv weiterzu arbeiten, vielen Dank dafür!“
Dieser überraschenden Nachricht vorangegangen war eine emotionale Rede, die Bezug nahm auf den Terror in Paris und die aktuellen Geschehnisse dort: Eine Million Menschen, die in Paris für Freiheit und Menschenrechte auf die Straße gegangen waren. Eine Schweigeminute schloss sich den Ausführungen an.
„Es scheint, als ob noch nie so viel los gewesen wäre, wie 2014“, sagte Schlimmer und beschrieb Brennpunkte in der Welt wie Ukraine, Syrien, aber auch Dinge, die Landau „und sein Gesicht“ verändert haben.
Landau als prosperierende Universitätsstadt, als Stadt der Wirtschaftsansiedlungen- Landau als sich verändernde, im Umbruch stehende Stadt, die auch Menschen aus 100 Nationen Heimat sei. Wohnraumnotstand und steigende Preise sind „ein Problem, das wir noch nicht gelöst haben“, gibt Schlimmer zu. Eine Wohnraumanalyse in diesem Jahr soll bei der Problembewältigung helfen.
Geothermie, Bombenfunde – darauf ging Schlimmer nur kurz ein. Die meisten der Anwesenden sind über diese Plagegeister des OB eh bestens informiert. Auch das Flüchtlingsproblem schnitt Schlimmer an: „200 Flüchtlinge sind 2014 gekommen, 100 werden 2015 noch zu uns kommen. Das sollten wir schaffen“. Das beste Mittel gegen Terrorismus sei es, den Menschen einen „festen Platz“ zu geben.
Das große Thema Landesgartenschau: „Sie wird die Stadt ein großes Stück weiter bringen“, freut sich Schlimmer auf eine „phantastische Gastgeberschaft“. Sein Dank galt auch der guten Arbeit des Freundeskreises der LGS, dem Vorsitzenden und Ex-OB Dr. Wolff, hinter dem im Freundeskreis 800 Mitglieder stehen.
Neben der Neujahrsrede des Oberbürgermeisters stand auch der Bürgerpreis der Stadt Landau im Mittelpunkt.
Preisträger ist das THW Landau. „Sie tun viel für unsere Gemeinschaft und sind immer da, wenn man sie braucht“, so Schlimmer. 125 aktive THWler, davon 24 Frauen haben Einsätze im In-und Ausland. 6000 Einsatzstunden leistete das THW 2014: „Sie sind vorbildliche Bürger unserer Stadt“, so Schlimmer. Vorsitzender Florian Feierabend nahm die Ehrenurkunde entgegen. „Unsere Arbeit ist oft nicht sichtbar“, so Feierabend. Und beschrieb die vielfältigen Einsätze seiner Gruppe. „Ich lade Sie heute dazu ein, sich über unsere Arbeit zu informieren.“
Für den musikalischen Rahmen sorgte das von Thomas Winter neu formierte „PalatinaBenefizOrchester“ mit hervorragenden Solisten, das seine Gage von 1.000 Euro dem Freundeskreis des Landauer Zoos für ein Vogelschutzprojekt spendete.
Anschließend traf man sich im Foyer, wo sich der Freundeskreis Ruhango-Kigoma, der Freundeskreis Landesgartenschau, der Elwetrittche Verein mit der Initiative des Landauer Blumenkorsos und das THW präsentierten. Ebenfalls mit von der Partie waren wieder fünf Landauer Winzerbetriebe und die Landauer Weinprinzessin Juliana I.(desa)
CDU: Respekt vor Entscheidung des OB
„Die Entscheidung von Oberbürgermeister Hans-Dieter Schlimmer, nicht mehr zur Wahl anzutreten und seine Amtszeit zum 31.12. diesen Jahres auslaufen zu lassen, nehmen wir mit großem Respekt und der Anerkennung seiner Leistungen in den vergangenen 7 Jahren zur Kenntnis“ so CDU-Fraktionschef Peter Lerch und die CDU-Kreisvorsitzende Dorothea Müller in einer ersten Reaktion auf Schlimmers öffentliche Ankündigung beim Neujahrsempfang vom Sonntag.
Beide erkennen an, dass Hans-Dieter Schlimmer in seiner Amtszeit viele zukunftsorientierte Projekte in Landau realisiert hat, welche dazu beigetragen haben, dass Landau eine gute Entwicklung genommen habe. Auch die angenehme und verlässliche Zusammenarbeit mit Schlimmer wird von beiden positiv hervorgehoben. Seine persönliche Entscheidung für eine Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen, wird von den CDU-Vertretern uneingeschränkt akzeptiert. (red)

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