
Zuviel Stoff in zu kurzer Zeit? Lehrpläne entrümpeln – bislang Fehlanzeige. Foto dts Nachrichtenagentur
Düsseldorf – Die nordrhein-westfälische Schulministerin Sylvia Löhrmann (Bündnis 90/Die Grünen) hat in der Diskussion über die Leistungsfähigkeit deutscher Schulen für mehr Gelassenheit plädiert und davor gewarnt, Kinder und Jugendliche mit immer mehr Wissensstoff zu belasten.
„Wir nehmen uns regelmäßig in den Schulen zu viel vor. Man sollte nicht wie bei einem Trichter in Kinder immer mehr Wissen hineinstopfen, sondern Feuer entfachen. Da ist weniger oft mehr. Für Schüler kommt es darauf an, gezielt mit den Werkzeugen des Lernens umgehen zu können – das ist die Schlüsselfrage“, erklärte Löhrmann im Sender Phoenix. Dies werde inzwischen in vielen Schulen ähnlich gesehen.
Wichtig sei, dass die Politik den Schulen so viel Gestaltungsspielraum wie möglich gebe. „Natürlich muss es etwa bei Prüfungen Vergleichsmaßstäbe geben, aber wir brauchen auch differenzierte Lösungen, denn die Verhältnisse in ländlichen Regionen sind oft ganz andere als in einer Millionenstadt“, so die Grünen-Politikerin weiter. Schulen benötigten generell Zeit für Entwicklungs- und Veränderungsprozesse.
Das von der schwarz-gelben Vorgängerregierung in NRW in kurzer Zeit umgesetzte Abitur nach zwölf Jahren habe zunächst zu Frustrationen auf allen Seiten geführt. „Es ist mir eine Lehre gewesen und hat mir gezeigt, dass man Veränderungen sorgfältig vorbereiten muss.“ Jugendforscher Klaus Hurrelmann wies in der Sendung darauf hin, dass „der Weg zum Abitur für viele Schüler, der stärkste vorstellbare Stress ist“. Oft werde der Druck vom Elternhaus ausgeübt und beginne bereits in der Grundschule.
„Eltern sehen in Schulen zumeist einen Dienstleister, der ihren Kindern bestimmte Befähigungen vermittelt. Wenn dies nicht geschieht, ist die Kritik viel stärker als früher.“ Dies habe auch damit zu tun, dass Eltern bereits sehr früh die beruflichen Chancen ihrer Kinder im Blick hätten. Bei den Bildungschancen liege Deutschland immer noch hinter vergleichbaren Staaten.
„In unserem Land entscheidet sich der Schulerfolg immer noch viel stärker als in anderen Ländern am Geldbeutel der Eltern“, meinte Hurrelmann. Die Situation habe sich zwar verbessert, „aber da ist noch viel mehr möglich“. (dts Nachrichtenagentur)

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