
Bei der Preisverleihung (v.l.): Wirtschaftsministerin Eveline Lemke, Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld, Stadtbürgermeister Deidesheim Manfred Dörr, Tourismusreferentin des Landkreises Regina Schmitt, Oberbürgermeister Neustadt Hans Georg Löffler.
Foto: kv-düw
Kreis DÜW/Neustadt. Der Landkreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt – eine Urlaubsregion für alle, egal ob Rollstuhlfahrer, Familie mit Kinderwagen oder Sehbehinderter: Kreis und Stadt haben beim landesweiten Wettbewerb des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums „Tourismus für alle“ gewonnen.
Das eingereichte Konzept für die Deutsche Weinstraße als „Wein- und Naturerlebnisregion für Alle“, das zeigt, wie ein barrierefreier Tourismus auf allen Ebenen entwickelt wird, wurde von der Jury ausgewählt: Ab sofort erhalten Kreis und die Stadt Neustadt mit ihren Leistungsträgern exklusiven Zugriff auf Fördermittel, um entsprechende Projekte zu realisieren. Am 29. Juni zeichnete Wirtschaftsministerin Eveline Lemke in Mainz die Siegerregionen aus.
Ausgeschrieben war der Wettbewerb für Städte und Gemeinden, die sich zur Modellregion zusammenschließen und barrierefreien Tourismus in ihrer Region ausbauen möchten.
Der Landkreis Bad Dürkheim nahm mit der Gemeinde Haßloch, den Verbandsgemeinden Deidesheim, Wachenheim und Lambrecht sowie der Stadt Bad Dürkheim gemeinsam mit der kreisfreien Stadt Neustadt als eine Modellregion am Wettbewerb teil.
Von 14 eingereichten Vorschlägen wurden fünf Regionen als Sieger ausgewählt. Die erste Runde, bei der der Kreis und Neustadt den Zuschlag bekamen, richtete sich speziell an Gebiete, die schon erste Erfahrungen im barrierefreien Tourismus haben, und diesen weiter ausbauen möchten. Eine zweite Runde für weitere Regionen startet im Herbst.
„Deidesheim ist für uns ein Kristallisationspunkt des barrierefreien Tourismus, von wo ausgehend wir diesen Gedanken in die weitere Region tragen möchten“, erklärte Landrat Hans-Ulrich Ihlenfeld im Nachgang der Preisverleihung. „Deidesheim hat im Bereich Barrierefreiheit schon viele Jahre Erfahrung.
Als cittaslow, mit dem Erlebnisgarten für alle, der Bewusstseinswerkstatt im Hotel Ritter von Böhl sowie weiteren Angeboten. Die Stadt ist sensibilisiert für barrierefreien Tourismus und wir wünschen uns, dass sich diese Idee überträgt.“ Schrittweise solle das Konzept auf den gesamten Landkreis und Neustadt ausgeweitet werden.
Daher sei es naheliegend gewesen, am Wettbewerb teilzunehmen und besonders erfreulich, einer der ausgewählten Gewinner zu sein: „Das ist für uns ein Türöffner, um mit den möglichen Fördergeldern unsere Ideen und Projekte verwirklichen zu können.“ Es sei aber nur ein Puzzleteil auf dem Weg, die Angebote weiter auszubauen.
„Der demographische Wandel geht uns alle was an. Wir werden uns alle irgendwann weniger gut bewegen können und froh sein über jede Erleichterung.“ Mit kleinen Mitteln könne viel erreicht werden: Rampen, Fahrstühle, leichter Zugang für mobilitätseingeschränkte Personen – das sei für jeden bequemer und nütze nicht nur Rollstuhlfahrern, sondern auch Menschen mit Rollatoren und Kinderwagen.
„Als Vorreiter in der Wein- und Erlebnisregion Pfalz wollen wir insbesondere das Angebot für Mobilitätseingeschränkte weiter ausbauen. Hier sehen wir für die Region das größte Potential. Aber Angebote für weitere Handicaps wie Seheinschränkungen oder Lernbehinderungen sollen einbezogen werden.
So gibt es bereits Führungen durch ausgebildete Wanderführer für Sehbehinderte oder Spezialführungen auf dem Hambacher Schloss für Lernbehinderte.“ Auch dieses Angebot könnte weiter ausgebaut werden, zunächst möchte man sich aber auf den Aspekt der Mobilität konzentrieren.
Ein wichtiger Punkt in dieser Strategie sei ein Wein-Natur-Erlebnistrail: Von Bad Dürkheim über Wachenheim, Haßloch und Neustadt sollen auf einem Rundweg oder auf einer Etappen-Strecke verschiedene barrierefreie Angebote vernetzt werden. So könnte eine (Blind-)Weinprobe, Verleihstationen für Handbikes, barrierefreie Weingüter, Behindertentoiletten, spezielle Führungen und Geocaching-Touren eingebunden werden.
„Aktive Barrierefreiheit“, nennt Ihlenfeld das Konzept. „Die Strecke mit ihren Angeboten soll alle ansprechen. Wir planen zunächst für die Gruppe der mobilitätseingeschränkten Personen, damit wir feststellen, welche Punkte wir noch ausbauen müssen. Ob jung oder alt, ob mobil oder mit Handicap, ob mit Kinderwagen oder Rollator – wir wollen Vielfalt für die individuelle Familiensituation.“
Der Wein-Natur-Erlebnistrail ist nur ein Punkt von vielen in dem Ideenpapier, das den Gewinn des Wettbewerbs sicherte. Aufbauend auf dem vorhanden Angebot von barrierefreien Touristinfos und Weinerlebnissen, den Campingplätzen mit ihren PfalzAktiv-Freizeitanlagen oder den beiden großen Freizeitparks, die ebenfalls auf Behinderte eingehen, möchte der Landkreis einen durchgängig barrierefreien Tourismus etablieren.
„Ziel ist es, eine komplett barrierefreie Servicekette zu bieten. Angefangen von der Buchung einer Unterkunft, über die Anreise, den öffentlichen Nahverkehr vor Ort, die Gastronomie und so weiter.“ Um dies möglich zu machen, übernehmen der Landkreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt die Koordination, damit bestehende Angebote besser vernetzt und neue etabliert werden können. Und, um diese dann einheitlich als Gesamtangebot bekannt zu machen.
„Wir wissen, dass Touristen ein Baukastensystem wollen. Sie wollen sich ihren Urlaub individuell zusammenstellen. Diese Bausteine, welche barrierefreien Angebote es gibt, wollen wir ihnen aufzeigen.“ Das Spezialwissen für diese Beratung sei in den Touristinfos auszuweiten. Unterstützung finden der Kreis Bad Dürkheim und die Stadt Neustadt beim Tourismusverein Deutsche Weinstrasse-Mittelhaardt e.V.
Projekte und Ideen, die durch künftige Fördergelder dank des gewonnen Wettbewerbs finanziert werden könnten, sind etwa ein komplett barrierefreier Ausbau des Nahverkehrs, Rampen an verschiedenen Sehenswürdigkeiten, besser zugängliche Rundwege, ausgebaute Radwege und der Verleih von behindertengerechten Fahrrädern, Schulungen für Winzer und Wanderführer für spezielle Weinbergführungen und Weinproben. „Es sind viele kleine Schritte, die einen Gedanken immer tiefer verankern werden: Ist das, was ich mache, auch gut für alle Anderen? Das Ziel ist es, einen rundum barrierefreien Urlaub bei uns möglich zu machen.“ (kv-düw)

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