Berlin – Das mutmaßliche Kartoffel-Kartell, gegen das Ermittlungen laufen, soll die Verbraucher und Bauern um mehr als 100 Millionen Euro geschädigt haben.
Neun verdächtige Unternehmen sollen sich über zehn Jahre hinweg rund eine Milliarde Euro Verdienst zu Unrecht verschafft haben. Ein Branchen-Insider schätzt, dass das Kartell seit der Gründung vor etwa zehn Jahren einen Gewinn in dreistelliger Millionenhöhe gemacht habe. 80 bis 90 Prozent der großen und größeren Verarbeitungsbetriebe in der Kartoffel- und Zwiebel-Branche sollen regelmäßig die Preise abgesprochen haben, zu denen die Supermarkt-Ketten beliefert wurden. Zeitweise sei die Gewinnmarge rasant in die Höhe gestiegen sein und habe sich mitunter verzehnfacht, vor allem auf Kosten der Verbraucher. Diese sollen in den Supermärkten weit mehr gezahlt haben als notwendig.
Auch für die Pflanzkartoffeln, die an die Bauern verkauft werden, sollen weit überhöhte Preise verlangt worden sein. Die mutmaßlichen Kartellbrüder haben angeblich sogar festgelegt, welcher Landwirt an welche Abnehmer liefern darf.
Das Bundeskartellamt hatte in den vergangenen Wochen in aller Stille ein Verfahren gegen die wichtigsten Unternehmen des Kartoffelmarkts vorbereitet. Mehrere Unternehmen wurden am Dienstag an insgesamt neun Standorten von Kriminalbeamten und Mitarbeitern der Kartellbehörde durchsucht, gegen fünf weitere Firmen wurden Bußgeldverfahren eingeleitet.
Das Kartell, berichtet ein Branchenkenner, habe ganz einfach funktioniert. Es soll eine Art Anführer gegeben haben, der beispielsweise vor den Bestellungen der großen Discounter-Ketten die Kollegen angerufen und den Wochen-Preis ausgemacht habe. Die Angebote sollen sich dann nur um einen oder ein paar Cent unterschieden haben.
Der Geschäftsführer einer der durchsuchten Firmen bestreitet die Vorwürfe: „Wir haben kein schlechtes Gewissen, wir sind da relativ gelassen.“ Dass ein solches Kartell existiert habe, könne er sich nicht vorstellen. (red/dts Nachrichtenagentur)

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