
Foto: Mario Amé / Pexels
Der freie Gebrauchtwagenhandel hat sich in Deutschland grundlegend verändert. Viele Händler beziehen ihre Fahrzeuge aus Auktionen, Leasingrückläufen oder anderen Handelskanälen und bieten sie anschließend markenübergreifend an. Was längst zum Alltag gehört, lässt sich seit Januar 2026, als der DAT Report für das Vorjahr erschien, auch mit Zahlen belegen.
Der freie Handel hat 2025 erstmals den Markenhandel überholt. 38 Prozent aller Besitzumschreibungen liefen über freie Händler, 36 Prozent über Markenhäuser und 26 Prozent über Privatverkäufe. Zusammen kommt der Handel damit auf einen Anteil von 74 Prozent. Drei von vier Gebrauchtwagen wechseln also über einen Händler den Besitzer und nicht über eine Kleinanzeige zwischen Privatleuten.
Wer vor zehn Jahren vorausgesagt hätte, dass der freie Handel den Markenhandel überholen würde, wäre wohl auf Skepsis gestoßen. Die Markenhäuser hatten lange ihren festen Platz im Gebrauchtwagengeschäft. Inzwischen haben sich die Gewichte verschoben.
Gebrauchtwagen bleiben teuer
Mehr als sechs Millionen Besitzumschreibungen hat das KBA für 2025 registriert. Dem stehen ungefähr 960.000 private Neuzulassungen gegenüber. Der durchschnittliche Gebrauchtwagen kostete 18.310 Euro, ein leichter Rückgang gegenüber 18.600 Euro im Vorjahr.
Seit 2022 bewegen sich die Preise damit auf einem hohen Plateau: zunächst 18.800 Euro, danach 18.620 Euro, 18.600 Euro und zuletzt 18.310 Euro. Der Markt ist nicht billig, und eine schnelle Rückkehr zu deutlich niedrigeren Preisen zeichnet sich nicht ab.
Mehr als 80 Prozent der privaten Pkw-Halter sind laut DAT auf ihr Auto angewiesen, etwa für den Arbeitsweg, den Einkauf oder die Fahrt der Kinder zur Schule. Fast die Hälfte gab 2025 an, Sorge zu haben, sich das eigene Auto bald nicht mehr leisten zu können. Gerade in Pendlerregionen, in denen öffentliche Verkehrsmittel zwar vorhanden sind, das Auto für viele Haushalte aber dennoch unverzichtbar bleibt, ist diese Entwicklung unmittelbar spürbar.
Die monatlichen Umschreibungszahlen für 2026 zeigen einen Markt, der weiterläuft, ohne wirklich zu wachsen. Im ersten Quartal wurden 1.609.667 Umschreibungen registriert, ein leichter Rückgang gegenüber dem Vorjahresquartal. Der März 2026 allein brachte 605.378 Besitzwechsel, ein Plus von 9,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. Im April fiel die Zahl mit 555.152 wieder um 2,8 Prozent. Im Februar waren es 500.119 Umschreibungen.
Kumuliert wurden von Januar bis April 2.164.819 Besitzwechsel gezählt, insgesamt ein Minus von 1,9 Prozent. Die Branchenprognose für das Gesamtjahr liegt bei ungefähr 6,55 Millionen und damit 1,2 Prozent über dem Vorjahreswert.
Kein Boom und kein Einbruch also, sondern ein weitgehend stabiler Markt, der sich strukturell verschoben hat, weil Käufer ihre Fahrzeuge heute häufiger über andere Vertriebswege beziehen als früher.
Die Fahrzeughistorie wird zur entscheidenden Frage
Was diese Verschiebung für den einzelnen Käufer bedeutet, hat weniger mit den Gesamtzahlen zu tun als mit einer Lücke, die in keiner Zulassungsstatistik auftaucht. Ein Markenhaus hat in der Regel Zugriff auf die Herstellerdatenbank und kennt die Wartungshistorie eines Fahrzeugs zumindest innerhalb der eigenen Marke. Zudem besteht ein gewisses Interesse daran, den eigenen Ruf nicht durch auffällige Rückläufer zu beschädigen.
Ein freier Händler kauft dagegen quer durch die Marken. Die Fahrzeuge stammen aus unterschiedlichen Kanälen, teilweise auch aus dem Ausland. Eine vergleichbare Datenbasis steht deshalb nicht immer zur Verfügung.
Das ist kein Vorwurf an den freien Handel. Die meisten freien Händler arbeiten seriös und leben von ihrem Ruf und zufriedenen Kunden. Dennoch fehlt dort häufiger eine vollständig dokumentierte Fahrzeughistorie, weil die entsprechenden Daten nicht automatisch mitgeliefert werden, wenn ein Auto über zwei oder drei Zwischenstationen auf den Hof gelangt.
Ein Kombi beispielsweise, der aus den Niederlanden über eine Auktion in Norddeutschland nach Süddeutschland gelangt, kann seine Wartungseinträge in einer niederländischen Werkstattdatenbank haben. Das Serviceheft ist womöglich nicht mehr vorhanden. Beim Händler kommen am Ende möglicherweise nur die Fahrzeugpapiere, das Auto und der angezeigte Kilometerstand an.
Manipulierte Kilometerstände bleiben ein Risiko
Wie viel Manipulation tatsächlich im Markt steckt, lässt sich in zwei Ebenen betrachten. Die sichtbare Ebene, das sogenannte Hellfeld, liegt in Deutschland bei rund zwei Prozent der überprüften Fahrzeuge. Dabei handelt es sich um Fälle, in denen eine Historienprüfung Abweichungen zwischen dokumentierten und angezeigten Kilometerständen feststellt.
Deutschland gehört damit zu den fünf transparentesten Gebrauchtwagenmärkten Europas. In Rumänien liegt die Quote bei ungefähr elf Prozent, in Polen bei rund sieben Prozent und in Italien bei 2,9 Prozent. Das ist auch für deutsche Käufer relevant, weil ein Teil solcher Fahrzeuge als Reimport nach Deutschland gelangt und anschließend in den regulären Handel einfließt.
Die EU-Kommission schätzt seit mehr als einem Jahrzehnt, dass zwischen fünf und zwölf Prozent aller in der EU verkauften Gebrauchtwagen mit manipuliertem Kilometerstand den Besitzer wechseln. Die Schätzung ist alt, wird aber weiterhin zitiert, weil bislang keine aktuellere umfassende Erhebung vorliegt.
Eine Auswertung von Historienberichten aus dem Zeitraum April 2025 bis März 2026 kommt für Deutschland auf 1,7 Prozent betroffene Fahrzeuge. Im Durchschnitt fehlten 34.400 Kilometer. Der manipulierte Kilometerstand erhöhte den Fahrzeugwert laut dieser Auswertung im Schnitt um 49,3 Prozent.
ADAC-Schätzungen beziffern die durchschnittliche Überzahlung auf rund 3.000 Euro. Bei Premiummodellen können 5.000 bis 10.000 Euro realistisch sein.
Manche Käufer prüfen deshalb bereits vor einer Besichtigung die Fahrzeughistorie über die Fahrzeug-Identifizierungsnummer. Dafür besorgen sie sich beispielsweise online einen carVertical Rabattcode und rufen anschließend einen Historienbericht ab, um Zulassungsdaten, Kilometerstände und Schadensmeldungen miteinander abzugleichen.
Eine solche Abfrage ersetzt weder die persönliche Besichtigung noch die Untersuchung durch einen Sachverständigen, kann aber einen ersten Anhaltspunkt liefern.
Tachomanipulation ist strafbar
Rechtlich ist die Manipulation des Kilometerstands klar geregelt. Bei einem entsprechenden Verkauf kann § 263 StGB, also Betrug, einschlägig sein. Darauf stehen bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe.
Der Bundesgerichtshof stellte 2017 mit dem Urteil 4 StR 142/17 fest, dass die Betrugsstrafbarkeit den § 22b StVG verdrängt. Das gilt für gewerbliche und private Verkäufer gleichermaßen.
Eine arglistige Täuschung lässt sich nach § 444 BGB auch nicht durch einen Gewährleistungsausschluss im Kaufvertrag umgehen. Das Gesetz schützt den Käufer damit grundsätzlich.
Das praktische Problem liegt häufig an anderer Stelle: Der Betrug wird oftmals erst Monate nach dem Kauf entdeckt, beispielsweise wenn ein Wartungsintervall nicht zum Kilometerstand passt oder beim TÜV eine Laufleistung dokumentiert ist, die sich mit der bekannten Fahrzeughistorie nicht vereinbaren lässt.
Dann kann der Verkäufer möglicherweise nicht mehr erreichbar sein oder die praktische Durchsetzung eines Rücktritts vom Kaufvertrag schwierig werden.
Freier Handel wächst, Dokumentation hält nicht immer Schritt
In Baden-Württemberg meldete der GDV für 2024 insgesamt 635 kaskoversicherte Pkw als gestohlen, elf Prozent mehr als im Vorjahr. Der Rhein-Neckar-Kreis gehört dabei nicht zu den Hotspots.
Fahrzeuge, die später auf dem regionalen Markt auftauchen, können jedoch aus anderen Regionen oder Ländern stammen. Sie gelangen über Onlineangebote, Auktionen und Reimporte aus Ländern mit deutlich höheren Manipulationsquoten in den Handel.
Allein im März 2026 registrierte das KBA 605.378 Besitzumschreibungen, im April waren es 555.152. Monat für Monat wechseln damit eine halbe Million Autos oder mehr den Besitzer.
Gleichzeitig wächst der Anteil der Fahrzeuge, die über freie Händler verkauft werden. Gerade bei Autos, die zuvor mehrere Handelsstationen durchlaufen oder aus dem Ausland nach Deutschland gelangt sind, kann die lückenlose Dokumentation fehlen, die bei einem durchgehend im Markennetz betreuten Fahrzeug möglicherweise vorhanden wäre.
Für Käufer wird deshalb neben Preis, Ausstattung und technischem Zustand ein weiterer Punkt zunehmend wichtig: die Frage, ob sich die Geschichte des angebotenen Fahrzeugs nachvollziehbar belegen lässt.
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen
Diesen Artikel drucken



Ca. 3 Millionen Autofahrer in Deutschland kaufen jedes Jahr einen Neuwagen. Mehr als sieben Millionen entscheiden sich für einen Gebrauchtwagen. Dieser kann ...
Landau. Wer ein Auto kauft und später einen Mangel beanstandet, kann den Kauf nicht ohne Weiteres rückgängig machen. Der Verkäufer muss vorher ...
Bis zum Anfang der 80er-Jahre wurde die Fahrzeugidentifikationsnummer offiziell Fahrgestellnummer genannt. Dieser Begriff wird heute nur noch umgangssprachlich genutzt. Dennoch gibt es ...
Verluste sind im Krypto-Handel ein vertrautes Schicksal und könnten jedem Anleger passieren. Finden Sie heraus, warum die meisten Bitcoin-Händler Geld verlieren. Bitcoin ...
VG Weilerbach – Im November 2017 hatte ein Gebrauchtwagenhändler aus der Verbandsgemeinde Weilerbach bei der Polizei den Diebstahl von 41 Gebrauchtwagen gemeldet. ...
Immer noch gibt es viele Geschäfte und lokale Händler, die sich weigern ihren Vertrieb auf dem Online-Markt auszuweiten. Dabei lässt sich der ...
Bonn – Die deutschen Autohändler rechnen mit deutlich mehr Verkäufen wegen der angekündigten Kaufprämie für Elektroautos. Dadurch werde der Verkauf von Batterie-Autos ...
Wolfsburg- Volkswagen gerät im Dieselskandal erneut unter Druck, diesmal von den eigenen Händlern: Der Verbandschef der VW- und Audi-Händler, Dirk Weddigen von ...
Die Pfalz gehört zu den wärmsten Regionen Deutschlands. Entlang der Deutschen Weinstraße blühen bereits im März die Mandelbäume, und selbst Feigen gedeihen ...
Ein iPhone kostet 1.200 Euro. Das Display geht kaputt. Reparatur? 400 Euro. Doch wer weiß, ob das Gerät noch unter Garantie steht, ...
Als beliebte Ferienregion ist die Pfalz für ihre gemütlichen Städte und Dörfer, kulturelle Sehenswürdigkeiten sowie umfangreiche Sport- und Unterhaltungsmöglichkeiten bekannt. Die Freizeit ...
Wer sein Wohnmobil verkaufen möchte, steht oft vor der Frage, ob es sich lohnt, einen erfahrenen Händler zu kontaktieren oder den Verkauf ...












