Samstag, 25. Mai 2024

Endlich viele Geschäfte wieder offen – Aufatmen bei Geschäftswelt und Kunden

20. April 2020 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional, Wirtschaft in der Region

Bei schönem Wetter und wieder geöffneten Geschäften zog es etliche Bürger zum Shoppen.
Fotos: Pfalz-Express/Licht

Kandel – Ein tiefes Aufatmen ging am Montag durch die Kandeler Geschäftswelt – und nicht nur dort.

Nach wochenlangem Lockdown, in denen die nicht „systemrelevanten“ Geschäfte geschlossen bleiben mussten, durfte heute wieder geöffnet werden – natürlich mit entsprechenden Hygiene- und Abstandsvorschriften. Am Beispiel von Kandel zeigt sich, wie dringend notwendig eine – wenn auch  vorsichtige – Ankurbelung der Wirtschaft war.

Die Resonanz der Geschäftsinhaber war an diesem ersten Tag durchweg positiv, obwohl der Montag grundsätzlich nicht der umsatzstärkste Tag ist.

Schuhhaus Grahn

Ralf Behrendt

Frustrierend sei die Zeit der Schließung gewesen, sagte Ralf Behrendt, Inhaber von „Schuhhaus Grahn“. Der erste Verkaufstag habe sich aber gut angelassen. Bei einer Verkaufsfläche von 600 Quadratmetern dürfen 50 Personen in den Laden, bei großem Andrang hat Behrendt sogar einen elektrischen Zähler. Die Kunden seien sehr diszipliniert und würden bei den einzelnen Abteilung auch gerne einmal warten, berichtete er dem Pfalz-Express.

Mitarbeiter musste er nicht entlassen. Die Vollzeitkräfte arbeiten bereits wieder, die Teilzeitkräfte sollen folgen, wenn absehbar ist, wie es in der nächsten Zeit läuft. Kurzarbeit musste Behrendt allerdings auch anmelden in den letzten Wochen. Masken empfiehlt er seinen Mitarbeitern und stellt sie auch zur Verfügung.

Mode Meier

Dirk Kunstmann

Ähnlich sieht es bei „Mode Meier“ direkt nebenan aus. Inhaber Dirk Kunstmann ist zufrieden mit ersten Verkaufstag. Schon am Morgen seien viele Kunden gekommen. 75 Personen dürfen sich bei Mode Meier aufhalten, bei 750 Quadratmetern Verkaufsfläche. „Allerdings schauen wir darauf, dass es nur bis zu 35 Personen sind“, sagt Kunstmann. Alle Mitarbeiter und der Chef selbst tragen Masken. Aus Sicherheitsgründen wird das Geschäft von der Hauptstraße aus betreten und durch den Hinterausgang (Richtung Verwaltung) verlassen. Auch Kunstmann musste Kurzarbeit anmelden, konnte aber alle Mitarbeiter halten. Anfang März wurde sogar eine neue Mitarbeiterin eingestellt, eine zweite soll bald folgen.

Langweilig wurde es der Geschäftsleitung und den Bürokräften nicht in den letzten vier Wochen – es gab jede Menge behördliche Formulare zu bearbeiten. Kunstmann kritisierte zudem die Landesregierung für ihr langsames Agieren. So seien die Auflagen für die Öffnung erst am Wochenende klar gewesen – wenig Zeit für Vorbereitungen also. Deshalb habe man sich vorab Tipps in Baden-Württemberg geholt, berichtete Kunstmann, und sich selbst strenge Auflagen verpasst.

Das Hemd

Freddy Schwarz

Froh über ein bisschen wieder erlangte Normalität ist Freddy Schwarz, Inhaber von „Das Hemd“. Ein wenig aufgeregt sei er gewesen, auch angespannt: „Man weiß ja nicht, wie es weitergeht.“ Aber am Morgen hatte schon er zahlreiche Kunden – schicke Hemden wurden offenbar vermisst.

Die vier Wochen waren auch für ihn hart. Der verkaufsoffene Sonntag, Abi-Bälle, Konfirmation und Kommunion, das Oster-Geschäft – alles fiel weg, die Ware aber war da. „Da wird man schon nachdenklich und bangt um seine Existenz“, so Schwarz. Es wäre schön, wenn mehr Büroangestelle, Banker und Geschäftsleute den gesamten Einzelhandel mehr unterstützen würden, appelliert er. „Es gibt viel zu viele Leerstände und jede Menge Platz für Geschäfte.“

Auch Schwarz und seine Mitarbeiterin tragen Masken. Er hält auch einige auf Vorrat, denn gerade ältere Kunden hätten oft keine.

„Stephan Parfums & Kosmetik“ und „Stoll das Geschenkhaus“

Stephan Parfums & Kosmetik

Etwas ruhiger ging es bei „Stephan Parfums & Kosmetik“ und bei „Stoll das Geschenkhaus“ zu. Aber immerhin – die Kunden kommen wieder.

Während der Schließung habe man online-Bestellungen angenommen und die Ware ausgeliefert, erzählt Gertrud Jäger, Teamleiterin von Stephan Parfums & Kosmetik. Der Online-Shop stehe noch immer hoch im Kurs bei der Kundschaft.

Geschenkehaus Stoll

Bernd und Karin Keiber von Geschenke-Stoll freuen sich sehr über die Wiedereröffnung. „Damit geht es auch uns besser.“ Der Kundenverkehr sei zwar noch etwas verhalten, aber die Stammkunden kämen und seien froh, wieder einkaufen zu können. Es brauche wohl noch etwas Zeit, bis alles wieder „normal“ sein, sagt Karin Keiber. Das Ladengeschäft hat 250 Quadratmeter, bis zu 20 Personen können sich auf einmal darin aufhalten. Auch hier gilt die Abstandsregel von 1,50 Metern.

Die Keibers schauen optimistisch in die Zukunft: „Das muss man auch, denn Pessimismus bringt keinen weiter.“

Blumen-Roth

Michael Roth

Guten Zulauf verzeichnete auch Michael Roth, neben seinem Vater Karl-Heinz Mitinhaber von Blumen-Roth. „Die Kunden wollen raus, Blumen kaufen“, stellte er am Montag fest. Es sei eigentlich ein normaler Tag wie vor der Schließung.

Roth hatte natürlich auch Ware eingekauft, konnte aber einiges ausliefern, beispielsweise für Beerdigungen. Dass man wochenlang quasi eingeschlossen war, sei nicht so angenehm gewesen. „Wir haben doch gar nichts angestellt,“ scherzte der Chef des nun bald 120 Jahre alten Traditionshauses. Roth ist jedenfalls voller Elan. Man habe unter anderem zwei Weltkriege überstanden, da werden man die Coronakrise auch noch schaffen.

Schneiderei Venus

Mustafa Wannous

In der Schneiderei „Venus“ ist am ebenfalls fleißig bei der Arbeit. Zum ersten mal kommen wieder Kunden mit Änderungs- oder Reparaturwünschen von eigenen Kleidungsstücken. Das heißt aber nicht, dass man in den letzten vier Wochen die Hände in den Schoß gelegt hätte: Inhaber Mustafa Wannous hat schon mindestens 500 Gesichtsschutzmasken genäht für das Seniorenheim oder Kandeler Bürger. Stoffspenden würden dringend gebraucht, so Wannous, der die Masken kostenlos abgibt – eine Geldspende ist natürlich auch willkommen. Wer möchte, kann die Masken auch bezahlen.

Dampfwerk Kandel 

Ronny Kuntz

Die „Dampfer“ in der Bevölkerung sind ebenfalls glücklich: Aus dem „Dampfwerk“ dem dringen wieder wohlriechende Dampfschwaden. Mitarbeiter Ronny Kuntz stellte keinen Unterschied zu „vorher“ fest: Die Kunden dürften vermutlich schon sehnlichst auf Nachschub von „ihrem“ Dampferladen gewartet haben.

Eine lange Schlange von Wartenden bildetet sich vor „Eichis Laufladen“ in der Marktstraße – Sportschuhe sind augenscheinlich derzeit ebenfalls heiß begehrt. (cli)

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