Montag 12.Oktober 2026

Ein Kleinod an Pfälzer Gastlichkeit: 50 Jahre Restaurant „Am Dorfbrunnen“ in Hainfeld

2. August 2026 | Kategorie: Essen & Trinken, Kreis Südliche Weinstraße, Ratgeber

Foto: Heinz Lambert

Hainfeld.  Vor über fünf Jahrzehnten entschlossen sich Marliese und Helmut Bamesberger in die Gastronomie einzusteigen. Durchaus ungewöhnlich für eine damalige Fleischereifachverkäuferin und einen Elektriker, Parkettleger und Bauzeichner.

In der alten Schule im Hainfelder Dorfzentrum entstand dann in dem prägnanten rustikalen Sandsteingebäude eine urgemütliche Gastwirtschaft – ein wahres Kleinod Pfälzer Gastlichkeit. Am 23. Juli 1976 empfingen sie dort ihre ersten Gäste.

Grund genug, fast auf den Tag genau 50 Jahre später, dieses Ereignis mit einem Festabend im Hof mit Familie, Freunden. Lieferanten und Gästen zu begehen.
Johannes Zehfus, Landwirt aus Böhl, Mitglied des rheinland-pfälzischen Landtags und langjähriger Freund der Familie, sagte in seiner Festrede: „Was schon seit langem so groß gewachsen und in aller Munde ist, hat auch mal klein angefangen.“

Das Ganze begann nämlich im Herbst 1973 in der Edesheimer Straße, als Marliese und Helmut an der Kreuzung zur Weinstraße neuen Wein und Zwiebelkuchen verkauften. Sie war 27, er 30 Jahre alt.

„Wir haben dort von der Rolle, also vom Anhänger herab den Wein und den Zwiebelkuchen verkauft. Den Wein hatte unser Vater gemacht. Es kam dann der damalige Ortsbürgermeister Hermann Hundemer vorbei und er fragte uns, ob wir nicht in der Gastronomie tätig werden wollen. So fing alles an“, erinnert sich Marliese, die alle nur Marlies rufen, zurück.

1974 wurde ihnen von der Gemeinde das Schulhaus auf Pachtbasis zur Verfügung gestellt. 1991 kauften sie das Gebäude. Für den in Eigenregie durchgeführten Innenausbau, um aus Schulsälen Gasträume und Küche werden zu lassen, wurde jede freie Minute genutzt, was umso bemerkenswerter war, da Helmut Bamesberger auch mal bis vier Uhr morgens noch an der Bar ausschenkte.

Das Gebäude in dem viele Jahrzehnte lang die Hainfelder Kinder zur Schule gingen, wurde 1757 von der Gemeinde errichtet. Schon seit 1972 gehen die Kinder in die Schulen nach Edesheim und Edenkoben.

Vor dem Haus floss einst der Modenbach im offenen Bett durch das Dorf. Am Rand des Baches steht der aus dem Jahre 1561 stammende Röhrenbrunnen, der damals köstliches Nass vom „Kindsbrünnel“ hinter dem Rathaus spendete. Dieser Brunnen gab dem Restaurant seinen Namen: „Am Dorfbrunnen“. In den Folgejahren erwarben Bamesbergers noch das angrenzende „Hexenhäusl“ und den Hof mit Scheuer in der Weinstraße 28.

Die Familie Bamesberger hat sich in all den Jahren einen Namen gemacht. So gab es 40 Jahre lang Schlachtfeste, an der Kerwe wurden bis zu 1200 Essen pro Tag ausgegeben, dazu kamen die Weinstraßentage, der Gänsetag, die Ausrichtung von Hochzeiten, auch kamen zahlreiche Firmen zu ihren Betriebsausflügen hier her.

Wie heute, gab es vor 50 Jahren eine Hitzewelle. Es kam wegen der Dürre zu historisch schlechten Ernten und einer massiven Kartoffelknappheit. Die Preise schossen innerhalb weniger Monate um das Dreifache in die Höhe. Das kommt uns doch sehr bekannt vor.

Alle Bamesbergers packten im Lauf der Jahre mit an, so dann auch die Söhne Ralf und Frank, die ebenfalls zu Gastronomen wurden.

Johannes Zehfuß erinnerte an die vielen helfenden Hände im Haus, so an Frau Fuchs in der Küche, Brigitte und Fritz an der Bar sowie an Margit und Charly, um nur einige zu nennen.
Brigitte Hertel kam 1978 in den Dorfbrunnen. Auch 48 Jahre später ist die 74-jährige als emsige Servicekraft unverzichtbar. Sie gehört zum lebenden Inventar des Haues. Am 23. Dezember wird sie 75, sieht aber darin gar keinen Grund in den Ruhestand zu gehen.

Ehepaar Bamesberger mit Brigitte Hertel (r.) und Olaf Gouasé (l.).
Foto: Heinz Lambert

Seit 2008 bedient Robert Klüver im Dorfbrunnen. Gerne wird der stets gut gelaunte Mann, der auch immer mal einen lockeren Spruch auf den Lippen hat, ganz französisch like als „Robert le Charmeur“ tituliert.

Selbst viele Lieferanten halten dem Dorfbrunnen seit Jahrzehnten die Treue. Wer kann schon behaupten, dass er seine Kartoffeln seit 40 Jahren vom selben Bauern bekommt.

Von der Professionalität, von Qualität und Abläufen im Dorfbrunnen machten sich im Jahr 2007 sogar die Herren der Sendung „Die Kochprofis“ von RTL II ein Bild. Fernsehkoch Ralf Zacherl reiste mit seinen Kollegen an, und hatte kaum etwas zu beanstanden. „Die Ausstrahlung der Sendung hat uns damals schon sehr geholfen und unseren Bekanntheitsgrad gesteigert“, blickt Ralf Bamesberger zurück.

Er setzt in seiner Küche neben vielfältigen Köstlichkeiten wie Rumpsteak und Schnitzelvariationen, auch auf Pfälzer Spezialitäten. So kreiert er seine Leberknödel selbst und kredenzt einen leckeren Blutwurststrudel. „Ich sags mal so, ich mache Pfälzer Sachen auf modern!“

Viele Prominente kehrten hier schon ein, so Heiner Geißler, Marie-Luise Marjan, bekannt als Mutter Beimer aus der TV-Serie Lindenstraße, die Ministerpräsidenten Kurt Beck, Malu Dreyer und Alexander Schweitzer, Staatssekretär Thomas Hitschler, die aktuelle Landwirtschafts- und Weinbauministerin Christine Schneder, der ehemalige Landtagsabgeordnete und Hainfelder Ortsbürgermeister Wolfgang Schwarz und auch die Mainzer Hofsänger.

Ralf Bamesberger freute sich besonders, dass der frühere Bürgermeister der Verbandsgemeinde Edenkoben Olaf Goasé und dessen langjähriger Erster Beigeordneter Kurt Wagengührer seiner Einladung gefolgt waren. Leider konnte der der aktuelle Erste Beigeordnete der VG, Eberhard Frankmann nicht kommen, was der passionierte Feuerwehrmann Bamesberger bedauerte. Frankmann ist nämlich, wie einst auch Wagenführer, als Dezernent für die Feuerwehren in der VG zuständig, so auch für Hainfeld, wo Frank seit über 29 Jahren als Wehrleiter fungiert.

Er ist heute als Koch der Herr über Töpfe und Pfannen und wird in allen Bereichen von seiner Frau Christine unterstützt. Seine Eltern sind aber nach wie vor die Besitzer des Dorfbrunnens und halten ihre schützenden Hände über den „Bamesberger Clan“. Ralf und Christine haben die Federführung über die Ferienapartments im „Alten Rathaus“ und in der „Alten Post“, die wie das „Hexenhäusel“ im alten Dorfkern, gleich neben dem Restaurant liegen.

Frank Bamesberger betreibt gemeinsam mit seiner Gattin Andrea seit vielen Jahren das Waldhaus drei Buchen bei Ramberg.

Wie sehr Ralf Bamesberger seinen Beruf, aber noch mehr den Kontakt zu seinen Gästen liebt, verdeutlichte er. „Wenn ich hier im Dorfbrunnen mal mit dem Kochen aufhöre, würde mir sicher etwas fehlen. Kochen könnte ich ja dann auch noch zu Hause, aber die Gäste, die würden mir doch sehr fehlen!“

Olaf Gouasé erklärte: „Ralf ist nicht nur ein toller Koch und ein super Gastgeber, er ist auch ein begnadeter Feuerwehrmann. Ich freue mich, dass ich hier bei euch immer ein Plätzchen bekomme, auch wenn ich mal ohne Voranmeldung vorbei komme. Wir kommen hier nicht einfach in ein Lokal, mer kummen häm!“

Frank Grünagel, stellvertretender Wehrleiter der VG-Feuerwehr sagte deutlich: „Das neue Feuerwehrhaus in Hainfeld wäre ohne Ralf Bamesbergers Einsatz gar nicht denkbar gewesen. Für uns war uns ist auch immer die Einsatzbesprechung im `Lagezentrum Küche Dorfbrunnen´ sehr wichtig“.

„Sie können sich nicht aus dem Weg gehen“, sagte Alexander Schweitzer, SPD-Fraktionschef im Mainzer Landtag, eher scherzhaft und fügte an: „Sie sind ein Team! Machen sie so weiter, bleiben sie das was sie sind: Eine wunderbare Familie.“

Ortsbürgermeisterin Ute Schweig stellte fest: „50 Jahre eine Gaststätte zu betreiben, das ist heutzutage kaum mehr vorstellbar. Hier bei Familie Bamesberger wird man immer verwöhnt, nicht zuletzt mit dem selbstkreierten leckeren Eierlikör.“

Familie Bamesberger mit den Politikern Schweitzer, Zehfuß und Seefeldt sowie Dehoga-Präsident RLP, Gereon Haumann (vorne rechts).
Foto: Heinz Lambert

Gereon Haumann, Präsident des Hotel- und Gaststätten-Verbandes DEHOGA Rheinland-Pfalz, kam persönlich nach Hainfeld um die Ehrenurkunde für die 50-jährige Mitgliedschaft zu überreichen. Dafür ließ er sogar die Weinfesteröffnung in seiner Heimatgemeinde Nierstein am Rhein sausen. „Es ist keine Selbstverständlichkeit jeden Morgen aufzustehen und sich zu fragen, was ich denn heute meinen Gästen bieten kann. Helmut du bist seit 50 Jahren in der DEHOGA und warst damals einer der ersten die mit dabei waren“, dankte er dem Gastgeber für seine Treue.

Landrat Dietmar Sefeldt war extra am letzten Tag seines Urlaubs an der Ostsee morgens um sechs Uhr aufgebrochen, um rechtzeitig vor Ort zu sein und zu gratulieren. Er freute sich, dass der Kreistag im letzten Jahr beschlossen hatte die Schankerlaubnissteuer abzuschaffen, eine wichtige und gute Entscheidung für die Gastronomie.

Marlies Bamesberger stellte fest: „50 Jahre lang Gastronomin zu sein, wenn ich es heute so sehe, kann ich es kaum glauben. Danke an unsere Söhne und unsere Schwiegertöchter, an unsere Mitarbeiterinnen, Mitarbeiter und Lieferanten. Der Dorfbrunnen ist für uns mehr als ein Restaurant. Er ist stets Treffpunkt für alle!“

Abschließend bedankte sich Ralf Bamesberger bei Petra und Peter Steverding, ihres Zeichens selbst langjährig erprobte Gastronomen, die das tolle Essen zum Festabend gezaubert hatten, unter anderem Pollo Fino Maispoularde mit Fregola Sarda sowie Kalbsbäckchen mit Thymianjus und Oliven-Stampf sowie gebrannte katalanische Creme mit Vanilleeis und Süßwein-Melone.

Marlieses Schwester Margit Grass sprach das letzte Wort. „Über die Glocken von Rom wird ja nach heute gesprochen“. Da wussten allerdings nur echte Insider über die Bedeutung dieser Worte.

Die musikalische Umrahmung des Abends hatte Franz Dressing aus Olsbrücken im Kreis Kaiserslautern, ein ehemaliger Arbeitskollege von Chrstine Bamesberger übernommen. Das „Gemischte Dressing“ aus Songs der letzten Jahrzehnte war überaus „schmackhaft“. (Heinz Lambert, Burrweiler)

Info
Restaurant „Am Dorfbrunnen“, Helmut Bamesberger, Weinstraße 28, 76835 Hainfeld,
Telefon: 0 63 23 – 98 07 34, Telefax: 0 63 23 – 98 07 35
E-Mail: info@dorfbrunnen-hainfeld.de

 

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