
Spiegel-Titel mit Ulrich Siegmund in einem Kiosk am 16.08.2026. Foto: dts Nachrichtenagentur
Hamburg – Heißer Diskussionsstoff am Kiosk: Das Hamburger Nachrichtenmagazin sorgt mit seiner neuesten Ausgabe für mächtig Wirbel. Auf dem Titelbild prangt Sachsen-Anhalts AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund. Die Headline dazu: „Der gefährlichste Mann Deutschlands“.
„Relevanz ist unser oberstes Kriterium, nicht die Frage, wem eine Titelgeschichte nützt oder schadet“, heißt es in einer am Sonntag veröffentlichten Stellungnahme von Chefredakteur Dirk Kurbjuweit. „Ohnehin leiden wir nicht an der Hybris, zu glauben, dass wir mit unserem Journalismus Wahlergebnisse beeinflussen können.“
Die AfD sei da, stark und damit relevant. „Deshalb ist sie Gegenstand unserer aufklärenden Berichterstattung, in jeder Form“. Siegmund sei im Moment eine „hochrelevante Figur“, weil ein Ministerpräsident der AfD in Sachsen-Anhalt das Land verändern würde, nicht nur das Bundesland, auch die Bundesrepublik, so Kurbjuweit.
Grundsätzlich behandele man in den Titelgeschichten ausführlich die „relevanten Themen und Figuren der jeweiligen Zeit“. Diese seien auch „oft Verderber“, weshalb man auch Donald Trump und Wladimir Putin häufig auf dem Titel habe, ohne dass man die beiden gleichsetzen würde.
Kurbjuweit schreibt, dass der AfD-Politiker sich freundlich gebe und gewinnend wirke – auch auf Bürger, die nicht rechtsextremer Gesinnung seien, sich aber große Veränderungen in der Politik wünschten. Im Hintergrund lasse er sich aber „von einem Netzwerk rechter Extremisten unterstützen“. Seine Pläne für Sachsen-Anhalt seien „ein Anschlag auf die liberale Demokratie“, behauptet der Chefredakteur. „Das zusammen, das Umgängliche und das Extreme, machen Siegmund zu einem gefährlichen Mann.“
Spott über Titelbild
Das Cover hatte breite Kritik selbst von AfD-Gegnern ausgelöst. Unter anderem hatte der Linken-Abgeordnete und ehemalige Fraktionschef der Linken, Dietmar Bartsch, hat den „Spiegel“ dafür scharf kritisiert.
Dem Nachrichtensender „Welt“ sagte Bartsch am Freitag: „Letztlich ist das Wahlkampfhilfe für die AfD. Ich verstehe auch nicht, wie man in Hamburg, weit weg von Sachsen-Anhalt, ahnungslos was Sachsen-Anhalt betrifft, ein derartiges Cover entscheiden kann. Das geht auch an den Chefredakteur. Ich finde das unverantwortlich. Und ehrlich gesagt: `Der gefährlichste Mann` – das sind die Leute, die Autos in den CSD fahren lassen. Das sind gefährliche Menschen, weil sie Leben riskieren.“
CDU-Urgestein Wolfgang Bosbach bezeichnet die „Spiegel“-Story bei der „Welt“ als unfreiwillige Wahlhilfe für die AfD: „Ich habe einen Vorschlag für die nächste Ausgabe: Die dümmste Redaktion Deutschlands.“
Siegmund selbst machte sich über das Cover lustig und veröffentlichte Bilder von sich, wie er das Titelbild mehrerer „Spiegel“-Ausgaben signiert.
An einem Wahlkampfstand sagte Siegmund auf Nachfrage: „Das muss man sich mal überlegen. Also ein Terrorist ist nicht gefährlich, ein Straftäter ist nicht gefährlich, irgendwelche Attentäter sind nicht gefährlich, aber jemand, der sein Land liebt, der für eine bessere Zukunft kämpft und der die Demokratie wirklich zum Leben erwecken möchte, der ist der Gefährlichste bei uns in Deutschland?“(red/dts Nachrichtenagentur)

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