
Hat den Kampfgeist nicht verloren: Ellen Zirker, Chefin des gleichnamigen Obsthofs.
Fotos: Rolf H. Epple
Herxheim – Die Corona-Krise hat Deutschland und viele andere Länder fest im Griff. Überall steigen die Fallzahlen exponentiell an.
Neben den Problemen für die Gesundheit und das Gesundheitssystem treffen die von der Bundesregierung verhängten Maßnahmen auch die Wirtschaft hart – im Großen wie im Kleinen. Viele Selbstständige sind in ihrer Existenz gefährdet.
Auch die Landwirtschaft steht vor großen Problemen. Bald stehen die ersten Ernten für Obst und Gemüse an, auch der Spargel ist bald soweit – Erntehelfer allerdings fehlen. Die meist aus Osteuropa stammenden Helfer kommen nicht ins Land, sitzen an den Grenzen der Transitländer wie beispielsweise Ungarn fest.
Ein Beispiel und stellvertretend für die Klemme, in der in Kürze viele Betriebe aus der Landwirtschaft stehen, ist der Obsthof Zirker in Herxheim. Ellen Zirker (41) hat den Betrieb von ihren Eltern übernommen und führt ihn mit Leidenschaft. Auf dem Obsthof werden verschiedene Sorten Äpfel, Beerenobst und Steinobst angebaut. Pro Saison benötigt Ellen Zirker zwischen 60 und 140 Erntehelfer, die meisten sind Stammpersonal und kommen schon viele Jahre. Man kennt und schätzt sich gegenseitig.
Nun hat Ungarn die Grenzen für den Personenverkehr komplett geschlossen. Warentransporte sind zwar weiterhin möglich, aber Erntehelfer können momentan nur mit dem Flugzeug anreisen. Wie lange noch, ist offen. „Aktuell gibt es keine Informationen, ob unsere Mitarbeiter überhaupt noch ein Flugticket bekommen. Die Flughäfen in Baden-Württemberg werden aber in absehbarer Zeit ihren Flugbetrieb einstellen“, berichtet Ellen Zirker im Gespräch mit dem Pfalz-Express.

Unterstützer gesucht
Deshalb sei man mehr denn je darauf angewiesen, dass auch Deutsche bei der Ernte unterstützen. „Gerade Erdbeeren mit ihrem hohen Gehalt an Vitamin C, Mangan und Folsäure sind wichtig für eine gesunde Ernährung. Wir hoffen deshalb, dass viele Leute bereit wären, hier Vormittags bei er Ernte zu helfen.“
Im „worst case“ müsse man eine große Selbstpflück-Aktion organisieren – kein leichtes Unterfangen, denn allein bei den Erdbeeren sind rund zehn Hektar zu bearbeiten. Die Erntemenge betrage in guten Jahren bei Erdbeeren bis zu 250 Tonnen, sagt Zirker, die Erntezeit erstreckt sich über etwa acht Wochen.
„Schützen unsere Leute“
Gut ausgerüstet für die Corona-Krise ist man jedenfalls auf dem Obsthof. Desinfektionsmittel, Handschuhe, Mundschutz und Haarnetze hat der Betrieb sowieso immer vorrätig. Alle Helfer – ob hiesige oder die aus Rumänien – sollen nun zusätzlich mit Desinfektionsmittel ausgestattet werden. Auch zwei Unterkünfte stehen bereit, falls einer der Erntehelfer in Quarantäne müsste.
Interessant dabei ist, dass die Erntehelfer aus Osteuropa Angst hätten, sich hier in Deutschland mit dem Coronavirus zu infizieren, sagt Ellen Zirker. „Sie haben Angst vor uns. Wir tun jedoch alles, um unsere Leute zu schützen.“
Für die nächsten Wochen stellt man sich auf dem Obsthof auf noch härtere Maßnahmen der Regierung ein. In Panik will Ellen Zirker dennoch nicht verfallen: „Das wäre kontraprodiktiv und nicht hilfreich. Aber ich bin froh, wenn wir mit einem blauen Auge davonkommen.“ (cli)
Kontakt
Mail: obsthof-zirker@web.de, Tel. 07276 -502440, Fax: 07276/502441
Webseite: http://www.fruitfarmer.de/


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