
V.li.: Matthias Wolf, Seven Teuber, Katrin Rehak-Nitsche, Claudia Schwadorf, Giao Lee.
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Wörth – Digitalisierung, individuelle Förderung und die Zukunft der Schule: Darüber diskutierte der rheinlandpfälzische Bildungsminister Sven Teuber (SPD) am Dienstagabend in Wörth.
Eingeladen hatte die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Katrin Rehak-Nitsche zu der öffentlichen Veranstaltung „Digital und individuell. Was brauchen unsere Schulen?“. Auf dem Podium nahmen neben Teuber Matthias Wolf, Schulleiter des Gymnasiums Rheinzabern, Schülervertreter Giao Lee vom Europa-Gymnasium Wörth und Claudia Schwadorf, Schulelternbeirätin der Carl-Benz-Gesamtschule, Platz.
Teuber traf mit leichter Verspätung ein, begrüßte dafür aber jeden Anwesenden persönlich per Handschlag. Nach einer kurzen Einführung durch Dr. Rehak-Nitsche ging es direkt in die inhaltliche Diskussion.
Schule trägt gesellschaftliche Themen mit
Als erster Redner machte Teuber deutlich, dass Schulen heute stärker als früher gesellschaftliche Entwicklungen widerspiegelten. Probleme, die früher außerhalb der Schule geblieben seien, kämen heute immer häufiger im Klassenzimmer an. Die Auswirkungen der vergangenen Krisen, insbesondere der Corona-Pandemie, seien weiterhin spürbar. Gerade deshalb rücke die mentale Gesundheit von Kindern und Jugendlichen stärker in den Fokus.

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Schule könne zwar nicht alle gesellschaftlichen Probleme lösen, betonte der Bildungsminister. Sie könne aber ein Ort sein, an dem Kinder und Jugendliche Halt finden, gestärkt werden und Orientierung bekommen.
Drei Leitlinien für eine zukunftsfähige Schule
Teuber skizzierte anschließend drei zentrale Punkte, die aus seiner Sicht für die Weiterentwicklung der Schulen entscheidend sind.
Das Kind steht im Mittelpunkt
Unterricht und Schulalltag müssten sich konsequent an den Bedürfnissen der Kinder und Jugendlichen orientieren. Rheinland-Pfalz stehe im Vergleich der Bundesländer zwar gut da, was Chancengerechtigkeit angehe, dennoch gebe es weiterhin Verbesserungsbedarf. Frühzeitige Förderung und verlässliche Strukturen seien dabei besonders wichtig.
Migration bezeichnete Teuber als festen und positiven Bestandteil der Gesellschaft. Eine zentrale Rolle spiele dabei die Sprachförderung. Das Land setze unter anderem auf ein Sprachenbeauftragten-Netzwerk und den Ausbau von Sprach-Kitas. Entscheidend sei weniger die genaue Erfassung von Zahlen als die konkrete Unterstützung der Kinder, die gefördert werden müssten. Aber: Sein griechischer Schwiegervater habe sich noch mühsam selbst Deutsch beibringen müssen und das wäre heute nicht mehr zeitgemäß.
Schule als gesunder Lern- und Lebensort
Schule solle ein Ort sein, an dem sich Kinder und Jugendliche sicher fühlen. Sie dürfe kein Angstraum sein. Mehr Beziehungsarbeit könne helfen, Probleme frühzeitig zu erkennen und aufzufangen. Dafür brauche es Zeit, Stabilität und verlässliche Rahmenbedingungen.

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Gute Führung durch Schulleitungen
Der dritte Punkt bezog sich auf die Organisation von Schule. Gute Führung, insbesondere durch Schulleitungen, sei eine wichtige Voraussetzung für funktionierende Schulen. Aufgaben müssten klarer verteilt und Ziele eindeutiger formuliert werden. Die Schulaufsicht ADD werde derzeit neu ausgerichtet, Beratung und Unterstützung sollten gestärkt werden. Gleichzeitig sollen Schulleitungen mehr Entscheidungsspielräume erhalten.
Digitalisierung zwischen Förderung und Überforderung
Matthias Wolf griff die Ausführungen auf und betonte, dass auch Familien stärker unterstützt werden müssten. Bildung bedeute mehr als reine Wissensvermittlung. Kinder sollten lernen, sich auszudrücken, etwa durch Kunst, Kultur und Natur. Seine Schule habe sich außerdem bewusst dazu entschieden, eine handyfreie Schule zu werden.

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Damit rückte das Thema Digitalisierung noch stärker in den Mittelpunkt des Abends. Dr. Rehak-Nitsche stellte fest, dass digitale Bildung heute deutlich kritischer betrachtet werde als noch vor einigen Jahren.
Claudia Schwadorf schilderte ihre Erfahrungen als Mutter und Lehrerin. Ihre Tochter habe eine Tablet-Klasse besucht, was bei ihr zunächst Sorgen ausgelöst habe. Kinder würden dazu neigen, sich zu stark auf digitale Medien zu fokussieren und dabei alles andere aus dem Blick zu verlieren. Sie würden regelrecht in den digitalen Raum hineingezogen. Grundsätzlich stehe sie der Digitalisierung dennoch offen gegenüber.

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Der Schülervertreter Giao Lee brachte anschließend die Perspektive der Jugendlichen ein. Kulturelle und geistige Bildung kämen seiner Meinung nach häufig zu kurz. Ethik- und Philosophieunterricht sollten mehr Raum erhalten. Beim Umgang mit Handys sprach er sich dafür aus, weniger mit Verboten zu arbeiten. Schüler sollten vielmehr durch eigene Erfahrungen lernen, wie ein verantwortungsvoller Umgang mit digitalen Medien aussieht.

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Teuber zeigte Verständnis für die unterschiedlichen Positionen. Pauschale Handyverbote sehe auch er kritisch. Schule dürfe nicht lebensfern werden. Sein Ansatz sei altersabhängig: Je jünger die Kinder, desto restriktiver müssten die Regeln sein. Später müsse gezielt Medienkompetenz vermittelt werden. Auch deshalb gebe es in Rheinland-Pfalz Informatikunterricht ab der siebten Klasse.
Schwadorf ergänzte, dass auch Eltern ihren eigenen Umgang mit digitalen Medien reflektieren müssten. Viele wären keine guten Vorbilder.
Demokratiebildung beginnt früh
In der offenen Fragerunde meldete sich Dr. Holger Hauptmann, Schulleiter des Europa-Gymnasiums Wörth, zu Wort. Er betonte, dass eine handyfreie Schule nicht mit einer digitalfreien Schule gleichzusetzen sei. Digitalisierung bedeute nicht automatisch uneingeschränkte Handynutzung.
Ein Schüler aus dem Publikum fragte, wie Demokratiebildung frühzeitig gestärkt werden könne, um Extremismus vorzubeugen. Matthias Wolf sprach sich dafür aus, Politik im Schulalltag erlebbar zu machen. Teuber ergänzte, dass demokratische Bildung bereits in der Kita beginnen könne, etwa durch einfache Abstimmungen, zum Beispiel darüber, was es zum Mittagessen gibt.
Weitere Wortmeldungen drehten sich um Beschlüsse der Landesschülerkonferenz und wie sie in der Politik tatsächlich umgesetzt werden und auch um das Wahlalter ab 16 Jahren. Teuber erklärte, er stehe im regelmäßigen Austausch mit Schülervertretungen. Eine Absenkung des Wahlalters befürworten sowohl er als auch die SPD generell, sie scheitere derzeit jedoch an der erforderlichen zweidrittel Mehrheit im Parlament.
Auf die Fragen von zwei Schülerinnen nach der politischen Reife bei Jugendlichen, die ihrer Ansicht nach häufiger mal zum Extremismus neigen, betonte Claudia Schwadorf die Bedeutung von kritischem Denken und dem Hinterfragen von Informationen.
Katrin Rehak-Nitsche ergänzte, politische Bildung sei keine Frage des Alters allein. Auch unter Erwachsenen gebe es sehr unterschiedliche Wissensstände, was im Saal für Schmunzeln sorgte.

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Als keine weiteren Fragen mehr kamen, klang der Abend nach rund eineinhalb Stunden aus. Zurück blieb der Eindruck einer offenen Diskussion, in der deutlich wurde, wie groß der Gesprächsbedarf rund um Digitalisierung, Bildung und Schule immer noch ist. (ls)

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