Dienstag 3.November 2026

„Pälzer Poesie“ auf dem Dürkheimer Wurstmarkt: Geht das?

Interview mit dem Moderator 2025 Michael Landgraf

24. September 2025 | Kategorie: Kreis Bad Dürkheim, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer

Michael Landgraf – ein profunder Kenner des Pfälzischen.
Foto: privat

Bad Dürkheim/Neustadt. Der Schriftsteller und Theologe Michael Landgraf aus Neustadt an der Weinstraße hat zum ersten Mal die Veranstaltung „Pälzer Posie“ auf dem Dürkheimer Wurstmarkt moderiert, vor rund 700 Gästen im Festzelt Hamel.

Poesie im Festzelt – geht das? Und wie moderiert man da ein Festzelt, wenn eher leise Töne auf der Bühne stehen? Ein Interview.

Michael Landgraf, seit fast 30 Jahren sind Sie mit Pfälzisch-Programmen unterwegs und haben über 20 Bücher über die Pfalz und das Pfälzische geschrieben. Wie war die erste Moderation auf dem Wurstmarkt?

Großveranstaltungen zu moderieren ist für mich nicht neu. Nach einem Workshop beim ZDF in den 1990ern durfte ich riesige Messehallen beim Kirchentag moderieren und mache das viele Jahre beim Mundartwettbewerb Dannstadter Höh sowie beim Babbel doch!-Festival.

Doch die Atmosphäre bei dieser Traditionsveranstaltung war ganz besonders. Wenn morgens um 8:00 Uhr die ersten Fans bereits da sitzen und fast alle Bänke eines Festzelts, in das rund tausend Leute reingehen, gegen 11:00 Uhr besetzt sind, hat das was. Das Programm war eng getaktet, das war gut, denn so wurde den Leuten viel Abwechslung geboten und man konnte viele gute Künstler kennenlernen. Für mich war das aber vier Stunden höchste Konzentration, was gut geklappt hat.

Dass überhaupt so etwas stattfinden kann, haben wir den Gründern des Literarischen Frühschoppen zu verdanken. Das waren 1954 Kurt Dehn, Helmut Metzger und Karl Räder, die Liedgut und Poesie auf den Worschtmarkt etabliert haben. Als vor einigen Jahren der „Literarische“ immer mehr in Richtung Musik ging, hat Reinhard Brenzinger am letzten Tag des Wurstmarkts die „Pälzer Poesie“ geschaffen. Ich habe großen Respekt vor dieser Leistung, das Poetische auf einem riesigen Volksfest etabliert zu haben.

Ein gut gefülltes Festzelt…

Wie lief die Veranstaltung und wer war dabei?

Es war ein Wiedersehen mit vielen alten Bekannten, die ich aus der Szene kenne. Viele von ihnen wurden bereits bei Mundartwettbewerben ausgezeichnet. Gleich der erste war Dr. Markus Weber aus Weinheim, der, als Fastnachter bekannt, schon gleich für einen Höhepunkt sorgte.

Er geht, wie auch ich seit rund 30 Jahren, der Suche nach einer Pfälzischen Grammatik nach, wundervoll humorvoll präsentiert. Yo Allerdann ist ein Neueinsteiger in der Szene, der wie bereits beim Babbel doch-Festival zu überzeugen wusste.

Stürmisch wurde des Dergemer Mädche mit Hietl Gisela Gall empfangen, die verschmitzt Alltagsthemen auf den Punkt bringt. Texte mit Tiefgang, diesmal eine Langgeschichte, präsentierte wie gewohnt Matthias Zech. Edith Brünnler setzte Lebenssituationen so humorvoll in Szene, dass das Publikum tosenden Beifall gab. Der Musiker Charly Weibel von „iwwer de Brick“ wusste mit seinen Mundartliedern zu überzeugen.

Dann kam mit dem Dürkheimer Hans-Jürgen Schweizer ein „Urgestein“ des Wurstmarkts auf die Bühne, der das Publikum auch mit seinem Sprich: „Woruff ma änner drinke kann, ei wann net jetzt, ei wann dann dann“ auf seiner Seite hatte. Willi Brausch verzauberte das Publikum mit wunderbar einfühlsamen Liedern wie „Mein Oba, Fritz Walther un ich“. Mit unfassbaren 96 Jahren trug Paul Tremmel wieder vor, getragen von der Sympathie des Publikums.

Hervorragend war der Auftritt von Alexis Bug, der als „Gemüsepfälzer“ die Mission hat, die Woisträßler von den Vorzügen seiner Region zu überzeugen. Schließlich präsentierte Kurt Dehns Tochter Gaby Dehn-Knight die neue Autobiographie ihres Vaters, gemeinsam mit dem wunderbaren „Duo Radikal“ und ihrer schrägen Interpretation der altbekannten Dehn-Lieder.

Michael Landgraf mit Mundartpoetin Edith Brünnler
Foto: privat

Was war für Sie besonders eindrucksvoll?

Dass viele Künstler da waren, die keinen Auftritt hatten und so den Kollegen Respekt zollten. Dazu gehören Größen wie Thomas „Edsel“ Merz von „Die Anonyme Giddarischde“ und Woifeschdkänisch Monji El Beji, aber auch das Hoffmann-Hammer-Trio, Heinz Illner und Renate Demuth.

Zum Abschluss holte ich alle, die da waren, auf die Bühne, und Edsel stimmte sein Pfalzlied an. Dabei bekannte er, dass Willi Brausch bei der Entstehung mitgewirkt hatte. Nachdem die Leute lange andächtig den Poeten gelauscht hatten, brach es beim Singen der neuen Pfalz-Hymne aus ihnen heraus und das Festzelt tobte zum Schluss.

Ganz viele sind im Anschluss zu mir gekommen und haben sich für die abwechslungsreiche und zu Herzen gehende Veranstaltung bedankt. Den Dank gebe ich gerne auch weiter an das Wurstmarkt-Orga-Team rund um Yvonne Petrina, die mir die Gelegenheit gab, diese Traditionsveranstaltung moderieren zu dürfen.

Abschluss mit allen Teilnehmern der Veranstaltung
Foto: privat

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