Sonntag, 25. Februar 2024

Germersheim: Parteienübergreifende Mahnwache und Stolpersteine-Rundgang – Erinnern an die Opfer des Nationalsozialismus und Protest gegen AfD

27. Januar 2024 | Kategorie: Kreis Germersheim, Regional

Die Redner (v.li.): Thorsten Rheude, Martin Brandl, Heidi Kokkinis-Brotz, Pascal Endres, Volker Hardardt, Ziya Yüksel.
Fotos: Pfalz-Express/Licht/Epple – Fotostrecke am Textende

Germersheim – Unter dem Motto „Nie wieder ist jetzt! – Mahnwache für die Demokratie“ haben am 27. Januar 2024, dem Holocaust-Gedenktag, die Kreisvorsitzenden von CDU, FWG, SPD, Grünen und FDP zu einer Kundgebung in Germersheim eingeladen. Rund 450 Menschen folgten dem Aufruf und setzten ein Zeichen gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus.

Die Versammlung fand auf der Rasenfläche hinter dem Einkaufszentrum statt, da der ursprünglich vorgesehene Luitpoldplatz zu klein war. Zuvor gab es einen Rundgang zu den Stolpersteinen der Stadt, die an die ermordeten jüdischen Bürger erinnern. 

„Drüber stolpern und sich verbeugen“ hatte der „Erfinder“ der Stolpersteine, der Künstler Gunter Demnig, die Absicht dahinter einmal erklärt. Nun wurde am Holocaust-Gedenktag mit dem Rundgang der deportierten jüdischen Germersheimer Bürger gedacht. Initiiert hatte den Rundgang FWG-Stadtrat Armin Lutzke; der Germersheimer FWG-Vorsitzende Andreas Müller hatte weiße Rosen besorgt, von denen jeweils zwei an den Stolpersteinen niedergelegt wurden. An dem Marsch nahmen etwa 250 Personen teil. 

„Um aus der Geschichte zu lernen, ist es entscheidend, die Ereignisse von damals nicht zu vergessen“, sagte Lutzke. „Erinnern bedeutet, aktiv Hass und Hetze zu verhindern, um sicherzustellen, dass sich die grausame Geschichte nicht in der Zukunft wiederholt.“

„Nie wieder“

Als die Gruppe wieder am Paradeplatz eintraf, wo etwa 200 Menschen schon auf die Rundgänger warteten, eröffnete der CDU-Kreisvorsitzende Thorsten Rheude die Mahnwache. Jeder Redner hatte etwa 5 Minuten Redezeit. Der gemeinsame Nenner: Nie wieder Faschismus, nie wieder Rechtsextremismus, nie wieder Verfolgung von Menschen – und die „Entlarvung“ der AfD. 

Ein Überblick über die gesagten Inhalt:

Martin Brandl (CDU): Von einem „unsinnigen Morden“ in Zeiten der Nazi-Diktatur sprach der CDU-Landtagsabgeordnete und Landratskandidat Martin Brandl. Die nachfolgenden Generationen seien zwar keine Täter, hätten jedoch eine Verpflichtung, die Erinnerung an die Opfer wachzuhalten. Deshalb freue er sich über den großen Zuspruch bei der heutigen parteiübergreifenden Veranstaltung, denn die Menschenwürde sei unantastbar, betonte er. Rechtsextremistische Ideen bedrohten die Demokratie und Freiheit. Daher sei nun auch aus der Mitte der Gesellschaft eine klare Antwort gekommen. „Nie wieder ist jetzt“, so Brandl. 

Ziya Yüksel (SPD): Millionen Menschen seien dem Rassenwahn der Nazis zum Opfer gefallen, erinnerte der SPD-Kreisvorsitzende und Landratskandidat Ziya Yüksel. Es gebe eine erschreckende Beständigkeit rechtsextremer Gewalt in Deutschland. Deshalb dürfe nie aufgehört werden, an die Opfer zu erinnern. Die AfD warf er unter anderem vor, mit Rechtsextremen einen Geheimplan ausgeheckt zu haben, um Mitbürger mit Migrationshintergrund zu vertreiben. Genug sei genug, sagte Yüksel, die Maske der spalterischen AfD sei längst gefallen. 

Pascal Endres (Grüne): Auch Pascal Endres, Grünen-Vorsitzender des Kreisverbands Germersheim, erinnerte an die Millionen von Menschen, die im Holocaust ermordet wurden, derweil die AfD ungeniert davon spreche, Menschen zu deportieren. Endres rief zur Verteidigung der Menschenrechte auf. Es brauche jetzt einen Aufstand der Anständigen. Er zitierte den Journalisten Heribert Prantl, der gesagt hatte, dass der beste Verfassungsschutz eine wache Zivilgesellschaft sei.

Volker Hardardt (Freie Wähler): Nein zu rechtem Gedankengut, das von Rechtsextremisten mit Parolen durch die Straßen getragen werde, dazu bekannte sich Volker Hardardt, Ortsbürgermeister von Lustadt und Landratskandidat. Deutschland habe seine Lektion gelernt, es dürfe nie wieder ein brauner Sumpf entstehen. Der jungen Generation müsse Demokratie und Gleichberechtigung nahegebracht, die Demokratie geschützt werden.

Heidi Kokkinis Brotz (FDP): Die FDP-Fraktionsvorsitzende im Germersheimer Stadtrat
gab einen persönlichen Rückblick auf ihre Familie, deren Mitglieder in beiden Weltkriegen und gegen Nazis gekämpft hatten.  Das gegenseitige Kennenlernen der Länder und Menschen untereinander sei wichtig, um Frieden und Freundschaft zu fördern, sagte sie. Grenzbäume, verschiedene Währungen und Länder, die man nicht betreten oder habe verlassen können – das wolle niemand mehr. Hier habe man Freiheit und das Grundgesetz und das solle auch so bleiben.

Schweigeminute und Namen der NS-Opfer verlesen

Nach den Redebeiträgen wurde eine Schweigeminuten abgehalten. Thorsten Rheude verlas in der zweiten Hälfte die Namen der jüdischen Familien, die von den Nazis deportiert wurden. Einigen wenigen gelang die Flucht, die meisten wurden in Konzentrationslagern ermordet. Von diesem Schicksal betroffen waren Mitglieder der Familien Töpfer, Rosenbaum, Rosenthal, Kahn, Ebert, Mohr und Dreyfuss. 

Die gesamte Veranstaltung verlief friedlich. Anwesend waren ausgesprochen viele Kommunal-, Landes- und Bundespolitiker, Bürgermeister und Bündnisse. (cli)

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