
Symbolbild: dts Nachrichtenagentur
Berlin – Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) hat gefordert, dass in Corona-Hotspots alle verschiebbaren medizinischen Eingriffe in Krankenhäusern abgesagt werden.
„Es ist allerhöchste Zeit, die Kliniken vom Regelbetrieb zu nehmen, damit wir uns voll auf die Intensivstationen konzentrieren können – und zwar nicht nur auf Covid-19-Patienten, sondern auf alle Schwerkranken“, sagte DIVI-Präsident Uwe Janssens der „Bild am Sonntag“. Dafür seien die Kliniken aber wie im Frühjahr auf Ausgleichszahlungen durch die Politik angewiesen. „Sonst arbeiten viele Kliniken weiter unter Volllast, weil sie schlicht Geld verdienen müssen und andernfalls in finanzielle Schwierigkeiten geraten“, so Janssens.
Unterstützung bekommt Janssens von der Vorsitzenden des Marburger Bundes, Susanne Johna. „Es geht ausschließlich um planbare Eingriffe, die aus medizinischer Sicht derzeit keine Dringlichkeit haben und guten Gewissens auf einen sp äteren Zeitpunkt verschoben werden können“, sagte Johna. Es müsse immer der Einzelfall bewertet werden. So seien viele, aber nicht alle endoprothetischen Operationen, etwa Hüft- und Kniegelenkersatz, verschiebbar. „Akute Eingriffe und Behandlungen haben stets Vorrang.“
Auch SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach sieht die Kliniken zunehmend unter Druck, weil der „Wellenbrecher“-Shutdown schwächer als erwartet wirke. „In den Kliniken laufen wir mit großen Schritten auf die Überlastungsgrenze zu. Vier Wochen haben wir noch, wenn die Zahlen nicht runtergehen.“ Es dürfe auf keinen Fall eine Frage des Geldes sein, ob man schwerkranke Covid-Patienten behandeln kann oder nicht, so der Mediziner. (dts Nachrichtenagentur)

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