
V.li.: Kreisfeuerwehrinspekteur Mike Schönlaub, Dr. Matthias Wölfel, Landrat Dr. Fritz Brechtel, Ortsbürgermeister Bodo Lutzke und Lingenfelds Bürgermeister Frank Leibeck.
Fotos: Pfalz-Express/Licht
Schwegenheim/Lingenfeld – Im Zusammenhang mit dem gehäuften Auftreten von Corona-Fällen in Schwegenheim werden nun auch in Lingenfeld die Realsschule plus und die Grundschule Schwegenheim ab Dienstag geschlossen.
Drei Schüler seien als Kontaktpersonen von Corona-Infizieren ermittelt worden, teilte Landrat Dr. Fritz Brechtel auf einer Pressekonferenz am Montagnachmittag in Germersheim mit.
Über den aktuellen Sachstand informieren außerdem Dr. Matthias Wölfel, Kreisfeuerwehrinspekteur Mike Schönlaub, Frank Leibeck (SPD), Bürgermeister der Verbandsgemeinde Lingenfeld und Schwegenheims Ortsbürgermeister Bodo Lutzke (FWG).
Die Zahl der mit dem Coronavirus Infizierten im Landkreis Germersheim war am Sonntag auf 18 Personen gestiegen, nachdem dreieinhalb Wochen kein neuer Fall im Kreis aufgetreten war. 17 der Fälle hängen mit dem Ausbruch in der Freien Evangeliumschristen-Gemeinde in Schwegenheim zusammen. Der 18. ist ein Einzelfall, ein Mann im Rentenalter, der zu Besuch in der Türkei war. Er sei mittlerweile in einem sehr kritischen Zustand, sagte Brechtel.
Auch im Daimler LKW-Werk in Wörth gibt es einen Infizierten, der aber außerhalb des Landkreises Germersheim wohnt und somit nicht in die Zählung des Landkreises fällt. Auch er musste zwischenzeitlich ins Krankenhaus eingeliefert werden.
Am Montagabend teilte die Kreisverwaltung dann mit, dass es bereits 28 Infizierte gibt.
Virus möglicherweise im Gottesdienst ausgebreitet
In Schwegenheim gebe es Anhaltspunkte, dass sich das Virus bei einem Gottesdienst verbreitet hatte, sagte Dr. Wölfel. Man werbe auch dafür, dass sich alle Mitglieder der Gemeinschaft, die ein großes Einzugsgebiet hätten, freiwillig testen ließen.
Auf die Spur des Virus kam man, als eine Person mit Krankheitssymptomen positiv getestet wurde, die der Glaubensgemeinschaft angehört. Danach folgte die ganze Kette mittlerweile schon routinierter Abläufe: Kontaktpersonen identifizieren, Testen, Quarantäne. In den letzten Monaten wurde die Kreisverwaltung für die Bekämpfung der Pandemie umstrukturiert. Es gibt Krisenstabteams, Abstrichteams, Ermittlerteams und viele mehr. Immer in hervorragender Zusammenarbeit mit den ehrenamtlichen Organisationen, wie Brechtel betonte.
„Hochzeit war Corona-conform“
Eine Hochzeit am Samstag habe stattfinden können, weil die Feier streng Corona-konform abgehalten wurde, die rund 100 Gäste alle negativ getestet worden waren und sich auch keine Kontaktpersonen darunter befunden hätten, erklärte Landrat Brechtel.

Verflechtung in Firma
In der Glaubensgemeinschaft sind drei Familien – also 17 Personen – betroffen, die sich alle in Quarantäne befinden. Aber auch zu einer größeren Firma im Landkreis gebe es „Verflechtungen“, weil einer der Infizierten dort arbeite. Ca. 30 Kontaktpersonen werden am Montag noch abgestrichen, das Unternehmen habe sich sehr kooperativ gezeigt, sagte Brechtel.
Zwei Kita-Kinder positiv
In der Kita Sonnenschein in Schwegenheim wurden zwei Kinder positiv getestet. Sie hatten erst wenige Tage die Kita besucht. Am Montag wurden dann bis 11.30 Uhr schon 185 Kinder der Kita getestet – plus einige Erwachsene. Die Ergebnisse werden Ende der Woche erwartet. Die Eltern haben einen ärztlichen Fragebogen bekommen, die Kita ist vorerst geschlossen.
Schulschließungen reine Vorsichtsmaßnahme
Zwei Kinder, die in die Grundschule Schwegenheim gehen, sind Kontaktpersonen, ebenso ein Schüler der Realschule plus in Lingenfeld. Deshalb werden die beiden Schulen vorsorglich geschlossen, erklärte der Landrat. Es seien reine Vorsichtsmaßnahmen. Die Kinder haben indes sowieso nur noch diese Woche Unterricht, nächste Woche beginnen die Sommerferien in Rheinland-Pfalz.
Mitarbeiter getestet
Ortsbürgermeister Lutzke hatte am Freitagabend vom Corona-Ausbruch in Schwegenheim erfahren und alle Mitarbeiter der Kita und einen Mitarbeiter des Bauhofs gebeten, sich in der Corona-Ambulanz in Jockgrim testen zu lassen. Die Ergebnisse sind bislang negativ. Am Sonntagabend gab es einen Informationsabend im Bürgerhaus.
Die Eltern machten sich natürlich große Sorgen, so Lutzke. Es habe auch einige kritische Stimmen bezüglich der Glaubensgemeinschaft gegeben, dem habe man sofort entgegengewirkt. Lutzke und Brechtel sagten beide mehrmals nachdrücklich, dass ein Ausbruch überall passieren könne – in einem Verein, einem Restaurant oder bei der Arbeit. Niemand dürfe deswegen stigmatisiert werden.
Mit solch kleinen Lockdowns wie Schulschließungen etc. versuche man, eine weitere Ausbreitung zu verhindern, so der Landrat. Die kritische Zahl liegt im Kreis Germersheim bei 67 Infizierten. (50 Personen pro 100.000 Einwohner). Wird die erreicht, müssten laut Corona-Verordnung drastischere Maßnahmen zur Eindämmung ergriffen werden. Das werde man aber erst dann entscheiden, wenn es tatsächlich so weit kommen sollte, sagte Brechtel.
Gerüstet ist man jedenfalls. Die Zusammenarbeit aller Behörden und Organisationen funktioniere ganz hervorragend, erklärten auch Bürgermeister Leibeck und Kreisfeuerwehrinspekteur Schönlaub explizit. (cli)

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