- Pfalz-Express - https://www.pfalz-express.de -

CDU-Südpfalztreffen in Herxheim: Weißer Ring erhält Auszeichnung – Festrede von Gordon Schnieder

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Herxheim /Südpfalz –  Beim diesjährigen Südpfalztreffen der CDU in der Elmar-Weiller-Festhalle stand am Freitagabend, 21. November 2025, erneut das Ehrenamt im Mittelpunkt. Im Rahmen der Aktion Menschlichkeit würdigt die CDU Südpfalz jedes Jahr Gruppen oder Initiativen, die sich in besonderer Weise für andere einsetzen. 2025 ging die Auszeichnung an den Weißen Ring Südpfalz.

Die Organisation unterstützt seit vielen Jahren Menschen, die Opfer von Kriminalität geworden sind. Heinz Pollini, ehrenamtlicher Leiter der Außenstelle Südpfalz, nahm die Ehrung entgegen.

Zu Beginn des Abends begrüßten der südpfälzische Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart die Gäste. „Hausherr“ Sven Koch (Ortsbürgermeister und Landtagsabgeordneter) moderierte durch den Abend. 

Bundeskanzler und nun Bundespräsident?

Gebhart erinnerte an das vergangene Jahr: Damals war Friedrich Merz wenige Monate vor der Bundestagswahl als Gastredner beim Südpfalztreffen [1] aufgetreten und wurde später Bundeskanzler. Mit einem Augenzwinkern schlug Gebhart den Bogen zur aktuellen Veranstaltung: Unter den Gästen sei erneut jemand, der in vier Monaten vor einer wichtigen Wahl stehe, sagte er – „welch ein Zufall“. Sein Willkommen galt dem CDU-Landesvorsitzenden Gordon Schnieder.

Dr. Thomas Gebhart
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Auch für 2026 zeigte Gebhart Humor: Da stehe die Wahl des Bundespräsidenten an. „Wer Bundespräsident werden will, kann sich gerne als Gastredner bewerben“, meinte er schmunzelnd.

„Nicht mit dem Finger aufeinander zeigen“

Im inhaltlichen Teil seiner Ansprache wurde der Ton ernster. Der Handlungsbedarf sei enorm, sagte Gebhart. Viele Menschen spürten, dass es so in zentralen Bereichen nicht weitergehen könne. Vor der Bundestagswahl sei ein Politikwechsel zurecht versprochen worden. Erste Schritte seien unternommen, „doch die reichen bei weitem nicht“.

Entscheidend sei nun, in Berlin aufeinander zuzugehen, statt mit dem Finger auf andere zu zeigen. Es brauche Ehrlichkeit im Blick auf die Realität und den Mut zu klaren Entscheidungen. Vertrauen müsse zurückgewonnen werden.

Gerade die CDU trage dabei eine besondere Verantwortung, betonte er. Das Fundament der Partei – christliches Menschenbild, Werte und klare Grundsätze – sei stark. „Lassen Sie uns die Ärmel hochkrempeln“, so Gebhart.

Schnieder: Kinder müssen deutsch sprechen können“

Gordon Schnieder
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

In seiner Festrede ging Gordon Schnieder [2], CDU-Landesvorsitzender und Kandidat für das Amt des Ministerpräsidenten, auf zentrale politische Herausforderungen in Rheinland-Pfalz ein. Besonders betonte er die Bedeutung früher Sprachförderung. Kinder müssten Deutsch sprechen können, bevor sie in die Schule kommen, forderte er. Die Landesregierung plane entsprechende Maßnahmen erst bis 2028 – „zu spät“, so Schnieder. Vorschläge der CDU lägen seit Langem vor, seien aber bisher abgelehnt worden.

Auch bei der Bildungspolitik sieht er Änderungsbedarf. Zwar entschieden sich rund 60 Prozent eines Jahrgangs für das Gymnasium, dennoch müsse die berufliche Ausbildung stärker in den Fokus rücken. Schnieder sprach sich für verpflichtende Praktika am Gymnasium aus, um Jugendlichen früh Einblicke in Ausbildungsberufe zu ermöglichen.

„Turbo-Investitionen“ nötig

Mit Blick auf die wirtschaftliche Entwicklung im Land warnte der CDU-Politiker vor schwierigen Zeiten. Rheinland-Pfalz rangiere bundesweit auf den hinteren Plätzen, wirtschaftliche Risiken nähmen zu. Es brauche „Turbo-Investitionen“ und verbesserte Abschreibungsbedingungen. Politik müsse bereit sein, Entscheidungen zu korrigieren, wenn sie sich als falsch erwiesen.

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Als Beispiel nannte Schnieder das Landesklimaschutzgesetz: Schneller sein zu wollen als Bund und EU bringe dem Klima nichts, habe aber erhebliche Risiken für Arbeitsplätze. Zahlreiche Verbände, Unternehmen und Gewerkschaften hätten vor dem Gesetz gewarnt. Dennoch sei es beschlossen worden. Es gelte nun gegenzusteuern, um weitere Arbeitsplatzverluste zu verhindern.

Schnieder sprach sich außerdem für Bürokratieabbau und mehr Vertrauen in die Kommunen und Unternehmen aus. Seit Helmuts Kohls Zeiten werde darüber diskutiert, nun müsse wirklich gehandelt werden.

Viele Förderprogramme seien zu kompliziert, Entscheidungen gehörten näher an die Basis. „Unternehmer sollen im Weinberg arbeiten und nicht im Büro“, sagte er und plädierte für eine bessere Fehlerkultur sowie weniger Misstrauen. Als Beispiele nannte er überflüssige Vorgaben wie mehrfach notwendige Dokumente, obwohl etwa ein Personalausweis ausreichen würde.

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Ärztliche Versorgung: „Kostet Geld,aber unverzichtbar“

Ein weiteres zentrales Thema war die Gesundheitsversorgung. Krankenhausinsolvenzen und regionale Unterschiede seien alarmierend. „Gesundheitliche Versorgung darf keine Frage der Postleitzahl sein“, so Schnieder. Wer Ärztinnen und Ärzte im Land halten wolle, müsse auch genügend ausbilden und zwar wieder verstärkt in Rheinland-Pfalz. Die Grundversorgung koste Geld, sei aber unverzichtbar.

Zum Schluss seiner Rede schlug Schnieder auch persönliche Töne an: Als frisch ernannter Weinbotschafter verriet er, dass sein Favorit ein Riesling-Schorle sei. Politisch blickt er optimistisch auf die kommenden Monate. Er werde „kämpfen – frei nach Bernhard Vogel: erst das Land, dann die Partei“. Ziel sei es, die CDU wieder zur stärksten Kraft in Rheinland-Pfalz zu machen – mit der Unterstützung aller 33.000 Mitglieder.

Ehrung Weißer Ring: Niemand soll in schweren Situationen allen gelassen werden

Heinz Pollini (li.). nahm die Ehrung entgegen.
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Ein weiterer zentraler Moment des Abends war die Ehrung des Weißen Rings Südpfalz, der in diesem Jahr den Ehrenpreis der CDU Südpfalz erhielt. Die Auszeichnung wird traditionell von den CDU-Abgeordneten der Region gestiftet. Gewürdigt wurde damit das jahrzehntelange ehrenamtliche Engagement der Organisation, die Opfer von Kriminalität unterstützt und dafür vollständig auf Spenden, Mitgliedsbeiträge sowie Zuwendungen von Gerichten angewiesen ist.

In seiner Dankesrede hob Heinz Pollini [3], ehrenamtlicher Leiter der Außenstelle Südpfalz, die langjährige vertrauensvolle Zusammenarbeit mit Bundestagsabgeordnetem Dr. Thomas Gebhart und Landrat Martin Brandl hervor. Sein besonderer Dank galt aber auch seinem eigenen Team: Menschen, „die täglich dorthin gehen, wo andere nicht einmal hinsehen wollen“, wie Pollini sagte.

Die Außenstelle Südpfalz betreut jährlich rund 100 Fälle, darunter schwere Gewalt- und Vermisstenfälle, Entführungen und Fälle tödlicher Gewalt. Auch der Fall der entführten Schülerin aus Edenkoben [4] gehört dazu. Neben der konkreten Hilfe für Betroffene engagiert sich der Weiße Ring auch präventiv, etwa beim Schutz vor Betrugsversuchen wie Enkeltrick-Anrufen.

Niemand solle in einer solchen Situation allein gelassen werden, so Pollini. Der Weiße Ring setze sich seit Jahren dafür ein, dass Opfer Unterstützung, Orientierung und Mut erhalten. Dazu gehöre auch das hart erkämpfte Instrument der elektronischen Fußfessel, das die Organisation lange gefordert hatte.

Den musikalischen Rahmen des Abends gestaltete Noah Allmann am Flügel und sorgte damit für eine stimmungsvolle Begleitung der Veranstaltung. (rhe/cli)

Noah Allman
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

 

Sven Koch
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen [10]