
Vor-Ort-Termin im Billigheimer Bruch.
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Billigheim-Ingenheim – Der Billigheimer Bruch, eine Fläche, die früher vor allem landwirtschaftlich genutzt und dafür entwässert wurde, soll heute wieder stärker als Lebensraum für Tiere und Pflanzen entwickelt werden.
In Kürze:
- Die Fläche war früher ein torfreiches Niedermoor und wurde für die Landwirtschaft entwässert.
- Die NVS NaturStiftung hat die Fläche seit 2020 für 30 Jahre von der Gemeinde Billigheim-Ingenheim gepachtet.
- Bei einem Ortstermin wurde vorgestellt, wie das Gebiet ökologisch weiterentwickelt werden soll.
- Die verschiedenen Lebensräume sollen erhalten, miteinander vernetzt und ökologisch weiterentwickelt werden.
Politik und Naturschutz vor Ort
Beim Billigheimer Bruch handelt es sich um ein rund 54 Hektar großes, heute von Feuchtwiesen, Schilfflächen, Gewässern, Äckern und Weiden geprägtes Gebiet. Ursprünglich war die Fläche ein torfreiches Niedermoor, das später entwässert und landwirtschaftlich genutzt wurde.
Bei einem Ortstermin stellte die NVS NaturStiftung Südpfalz gemeinsam mit dem Naturschutzverband Südpfalz (NVS) vor, wie das Gebiet ökologisch weiterentwickelt werden soll. Eingeladen hatte der CDU-Bundestagsabgeordnete Dr. Thomas Gebhart. Anwesend war auch der Bundestagsabgeordnete Christian Moser (CSU), zuständig in der Bundestagsfraktion für das Thema Naturschutz.

Die Bundestagsabgeordneten Dr. Thomas Gebhart (li.) und Christian Moser.
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
An dem Termin nahmen außerdem Vertreter aus Kommunalpolitik und Naturschutz teil. Dabei waren unter anderem Torsten Blank, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Landau-Land. Für den NVS war dessen Vorsitzender Kurt Garrecht dabei. Die NVS NaturStiftung war durch ihre Vorstandsmitglieder Dieter Zeiß, Kurt von Nida und Dr. Fritz Brechtel sowie ihren Geschäftsführer Bastian Bayer vertreten.
Brechtel ist Biologe und ehemaliger Landrat des Kreises Germersheim [1]. Nach der Besichtigung des Gebiets wurde das Gespräch im Rathaus fortgesetzt.
Vom „Langen Bruch“ zum Naturschutzprojekt
Das Gebiet hat eine lange Geschichte. Bereits 1877 wurde im „Landauer Anzeiger“ über den sogenannten „Langen Bruch“ berichtet. Das Gebiet wurde damals als wenig ertragreich beschrieben. Das dort wachsende Sauergras galt als problematisch, der Ertrag stand aus damaliger Sicht kaum im Verhältnis zum Aufwand.
Schon damals wurde über eine Entwässerung des Gebiets diskutiert. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte wurde die landwirtschaftliche Nutzung durch Entwässerungsmaßnahmen verstärkt. Auch der Reichsarbeitsdienst war im 20. Jahrhundert an entsprechenden Arbeiten beteiligt. Ziel war unter anderem, die Flächen besser landwirtschaftlich nutzen zu können.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet weiterhin bewirtschaftet. Mit dem Rückgang der traditionellen Viehwirtschaft änderte sich die Nutzung erneut. Verbuschung und intensive Beweidung beeinträchtigten nach Angaben der NVS NaturStiftung zunehmend den ökologischen Wert des Gebiets.
Heute wird der Billigheimer Bruch aus einem anderen Blickwinkel betrachtet. Die NVS NaturStiftung hat die rund 54 Hektar große Fläche seit 2020 für 30 Jahre von der Gemeinde Billigheim-Ingenheim gepachtet. Gemeinsam mit dem NVS übernimmt sie dort das Biotopmanagement. Ziel ist es, den Charakter des alten Moor- und Feuchtgebiets zu erhalten und ökologisch weiterzuentwickeln.
Das Gebiet weist wechselfeuchte Wiesen und Schilfflächen, Fließ- und Stillgewässer sowie weitere unterschiedliche Lebensräume auf. Nach Angaben der Stiftung wurden dort bislang knapp 90 Vogelarten beobachtet, darunter auch seltene Arten wie Bekassine, Kiebitz, Rohrweihe und Wendehals. Auch Wasserbüffel gibt es dort.

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Zusammenhängende Fläche als Chance
Die Größe und der zusammenhängende Charakter des Billigheimer Bruchs sind für den Naturschutz von besonderer Bedeutung. Statt vieler kleiner, voneinander getrennter Ausgleichs- und Schutzflächen bietet das Gebiet die Möglichkeit, als großräumig zusammenhängender Lebensraum unterschiedliche Biotoptypen miteinander zu verbinden und damit Lebensraum auch für anspruchsvollere gefährdete Arten zu sein.
Der Ansatz des NVS und der Stiftung geht deshalb über einzelne Ausgleichsmaßnahmen hinaus. Die verschiedenen Strukturen sollen miteinander vernetzt und langfristig gepflegt werden. Vorgesehen beziehungsweise Bestandteil des Biotopmanagements sind unter anderem Maßnahmen an den Wasserläufen und eine extensive Beweidung. Auch Wasserbüffel spielen bei der Bewirtschaftung des Gebiets eine Rolle.

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Eine solche Entwicklung braucht Zeit. Flächen müssen gesichert, gepflegt und an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Gerade deshalb setzt die NVS NaturStiftung auf langfristige Flächensicherung. Die Stiftung wurde 2014 vom Naturschutzverband Südpfalz als Ewigkeitsstiftung gegründet. Ihr Ziel ist es, Flächen und Kapital dauerhaft für den Naturschutz zu sichern.
Gespräch über Förderung und Bürokratie
Nach der Besichtigung des Billigheimer Bruchs wurde die Diskussion im Rathaus am runden Tisch fortgesetzt. Dabei ging es auch um die Frage, wie Naturschutzprojekte künftig finanziert und umgesetzt werden können.

Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Ein Schwerpunkt war der bürokratische Aufwand bei Fördermitteln. Gebhart sprach sich dafür aus, regionale Verbände, Stiftungen oder andere geeignete Partner stärker einzubinden. Denkbar wäre, Organisationen, die dauerhaft bestimmte Aufgaben im Naturschutz übernehmen, zunächst grundsätzlich zu prüfen und anschließend als verlässliche Partner anzuerkennen.
Am Beispiel der NVS NaturStiftung könnte ein solcher Ansatz bedeuten, dass die Stiftung nach einer entsprechenden Prüfung dauerhaft für Aufgaben beim Biotopverbund oder bei der Unterstützung von Kommunen eingesetzt wird. Statt für jedes einzelne Projekt erneut ein umfangreiches Förderverfahren durchlaufen zu müssen, könnten feste jährliche Beträge oder regionale Abrufkontingente zur Verfügung stehen.
Fördergelder unkompliziert an die richtigen Stellen bringen
Auch Landkreise oder andere regionale Einheiten könnten nach diesem Modell über Mittel verfügen, die für konkrete Naturschutzprojekte vor Ort eingesetzt werden. Dahinter steht die Überlegung, Fördergelder möglichst unkompliziert dorthin zu bringen, wo die örtlichen Akteure die Flächen und ihre Besonderheiten kennen und auch in der Lage sind, in den Kommunen vor Ort durch gute Kommunikation Akzeptanz für diese Projekte zu schaffen.
Gebhart sieht vor allem die Bürokratie nach der eigentlichen Antragstellung als Problem. Verwendungsnachweise und mehrfache Prüfungen können den Aufwand erheblich erhöhen. Gerade bei kleineren Förderbeträgen stehe dieser Aufwand teilweise nicht mehr im Verhältnis zum erzielten Nutzen.
Als Beispiel für einen regionalen Ansatz verwies Gebhart auch auf ein Natur-Großprojekt im Bienwald [2]. Dort waren die Landkreise Träger, während alle wesentlichen Nutzergruppen, unter anderem die Kommunen, Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus beteiligt waren. Ziel war das gute Zusammenspiel verschiedener Interessen. Neben dem Naturschutz sollten Landwirtschaft und Forstwirtschaft berücksichtigt und zugleich ein maßvoller Tourismus ermöglicht werden.
Naturschutz mit langem Atem
Die Diskussion im Anschluss an den Ortstermin ging damit über das konkrete Projekt hinaus. Die 54 Hektar im Billigheimer Bruch zeigen zugleich, welche Möglichkeiten größere zusammenhängende Flächen für den Naturschutz bieten.
Aus einer Landschaft, die früher vor allem unter dem Gesichtspunkt ihrer landwirtschaftlichen Nutzbarkeit betrachtet wurde, soll wieder ein möglichst vielfältiger Lebensraum werden. Wasserflächen, Feuchtwiesen, Schilfbereiche und weitere Strukturen sollen erhalten, miteinander verbunden und langfristig gepflegt werden.
Für die NVS NaturStiftung ist der Billigheimer Bruch dabei eines der größeren Projekte in der Region. Die Stiftung und der NVS setzen auf Flächensicherung, Biotopverbund und langfristige Pflege, um Lebensräume dauerhaft zu erhalten, weiterzuentwickeln und als zuverlässiger Partner der Kommunen diese Flächen „auf Ewigkeit“, also zumindest für die nächsten ca. 30 Jahre, zu pflegen. (cli/rhe)

Dr. Fritz Brechtel
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Dieter Zeiß
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

Kurt Garrecht
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

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Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple

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