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Warum Kandel eine Friedenslinde pflanzte

Die neue Friedenslinde am Kandeler Plätzel.
Foto: Pfalz-Express

Auf dem „Plätzel“ wurde am 1. März 2025 eine neue Friedenslinde gepflanzt. Die ursprüngliche Linde war nach einem Brand 2013 und einem Sturm 2022 so geschädigt, dass sie gefällt werden musste.

[Lesen Sie dazu: Spektakuläre Einweihung: Kandel hat wieder eine Friedenslinde – Von Bäumen, Symbolik und einem Hauch Pfälzer Schorle [1]]

Die steht in der Tradition der Friedenslinden, die nach dem Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 in vielen deutschen Städten – darunter auch Kandel – gesetzt wurden.

Warum diese Pflanzung historisch von Bedeutung ist, erläutert Stadthistoriker Dr. Werner Esser (ehemaliger Beigeordneter). Sein Vortrag bei der Zeremonie wurde wiederholt durch Glockengeläut unterbrochen, sodass er ihn schließlich abbrechen musste. Hier erklärt er die historischen Hintergründe nochmals im Detail.

Dr. Werner Esser am Rednerpult bei der Einweihung der Friedenslinde.
Foto: Pfalz-Express / Licht

Die politische Lage in Europa war 1870 in vielerlei Hinsicht der heutigen ähnlich. Nationale Interessen dominierten gegenüber gemeinsamen Lösungen. Ein geeintes Deutschland existierte noch nicht – stattdessen konkurrierten die deutschen Einzelstaaten Preußen, Bayern, Hessen, Baden und Württemberg um Einfluss. Frankreich, das unter Napoleon III. zur Monarchie zurückgekehrt war, sah seine Vormachtstellung in Europa bedroht und wollte seine Ostgrenze bis an den Rhein ausdehnen.

Besonders betroffen war die Pfalz, die bis 1816 zu Frankreich gehört hatte. Napoleon III. strebte eine Wiederherstellung dieses Zustands an. Gleichzeitig stand er in einem kolonialen Wettstreit mit Großbritannien und fürchtete eine Vereinigung der deutschen Staaten unter preußischer Führung.

Ein unmittelbarer Auslöser für den Krieg war die Nachfolge auf dem spanischen Thron. Nachdem der spanische König abdankte, sollte Erbprinz Leopold von Hohenzollern-Sigmaringen, ein Verwandter des preußischen Königs Wilhelm I., als neuer Monarch eingesetzt werden. Frankreich fürchtete eine Einkreisung durch Preußen im Norden und Spanien im Süden.

Napoleon III. forderte von Wilhelm I. eine Garantie, dass nie wieder ein Hohenzollern für den spanischen Thron kandidieren würde. Wilhelm I. verweigerte diese Zusicherung und schickte eine diplomatische Mitteilung – die sogenannte „Emser Depesche“ – an seinen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck. Dieser kürzte den Wortlaut bewusst so, dass sich Napoleon III. provoziert fühlte. Frankreich erklärte daraufhin am 19. Juli 1870 Preußen den Krieg.

Die deutschen Staaten stellten sich geschlossen gegen Frankreich. Bereits am ersten Kriegstag überquerten französische Truppen den Rhein bei Breisach. Doch die deutschen Armeen – bestehend aus preußischen, bayerischen, hessischen und baden-württembergischen Soldaten – setzten zum Gegenangriff an.

Die Eisenbahn, erst fünf Jahre zuvor fertiggestellt, spielte eine entscheidende Rolle: Sie ermöglichte den schnellen Transport von Truppen und Material an die Grenze. Am 6. August 1870 tobten in Weißenburg, Fröschwiller und Reichshoffen – der heutigen Partnerstadt Kandels – schwere Kämpfe mit über 19.000 Toten. In diesem Krieg sah man ja noch den Feind, auf den man schoss.

Der Krieg verlief nicht zugunsten Frankreichs. Nach mehreren deutschen Offensiven wurde Napoleon III. am 2. September 1870 in der Schlacht von Sedan gefangen genommen. Die französische Monarchie wurde gestürzt, und am 4. September rief Frankreich die Dritte Republik aus. Paris leistete noch mehrere Monate Widerstand, kapitulierte aber schließlich im Januar 1871.

Am 18. Januar 1871 wurde Wilhelm I. im prunkvollen Spiegelsaal von Schloss Versailles zum Deutschen Kaiser gekrönt – die offizielle Geburtsstunde des Deutschen Reiches. Der Friedensvertrag wurde am 10. Mai 1871 in Frankfurt unterzeichnet.

Dieser Friedensschluss war der Anlass für zahlreiche Pflanzungen von Friedenslinden in den deutschen Ländern – auch in Kandel. Die nun neu gepflanzte Linde soll an diese Tradition erinnern und gleichzeitig den Wunsch nach Frieden in Europa zum Ausdruck bringen.

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