
Die Dampfnudel in Rülzheim. Dort findet die Kreistagssitzung am 28. September 2026 statt.
Foto: Pfalz-Express / Rolf H. Epple
Kreis Germersheim – Rund sieben Millionen Euro für den Umbau des ehemaligen Sparkassengebäudes in Kandel, weitere Ausgleichsmaßnahmen für das neue Gymnasium in Rheinzabern und ein politischer Vorstoß für ein kreisweites digitales Kita-Anmeldeportal: Der Kreistag Germersheim hat bei seiner Sitzung am Montag, 28. September, einiges auf dem Tisch. Die Sitzung beginnt um 15.30 Uhr in der Dampfnudel in Rülzheim.
Auch Hitze- und Waldbrandschutz stehen auf der Tagesordnung. Die Grünen haben hierzu zwei Initiativen eingebracht.
Rund 150 Mitarbeiter der Kreisverwaltung sollen nach Kandel
Ein besonders großes Projekt betrifft die Gartenstraße 3 in Kandel. Der Landkreis hat das frühere Sparkassengebäude inzwischen gekauft. Die Sparkasse selbst bezog zum 1. Juli die Räume im Anbau beziehungsweise Neubau [1], das Hauptgebäude wurde weitgehend geräumt.
Künftig sollen dort mehrere Fachbereiche der Kreisverwaltung [2] mit rund 150 Mitarbeitern untergebracht werden. Im Erdgeschoss ist ein neuer Eingangsbereich mit Infotheke geplant. Auch das Sicherheitskonzept soll an die anderen Standorte der Kreisverwaltung angepasst werden.
Größere Veränderungen sind im Untergeschoss vorgesehen. Die bisherigen Garagen sollen zu Räumen für das Gesundheitsamt umgebaut werden. Geplant sind unter anderem Untersuchungszimmer und ein Wartebereich.
Die Kosten haben es in sich: Nach dem derzeitigen Planungsstand rechnet die Kreisverwaltung mit rund sieben Millionen Euro einschließlich Nebenkosten. Eine vollständige Kostenberechnung liegt allerdings noch nicht vor. Für den Auszug des Gesundheitsamts aus dem bisherigen Gebäude des Landesbetriebs Liegenschafts- und Baubetreuung erwartet der Kreis eine Kompensationszahlung im mittleren sechsstelligen Bereich.
Der Kreistag soll die Planung zur Kenntnis nehmen und die Verwaltung mit der weiteren Umsetzung beauftragen.
Gymnasium Rheinzabern: Ausgleich kostet zunächst rund 261.000 Euro
Auch beim geplanten Gymnasium in Rheinzabern [3] steht eine weitere Entscheidung an. Durch den Bau werden umfangreiche naturschutz- und artenschutzrechtliche Ausgleichsmaßnahmen notwendig.
Für einen Teil des naturschutzfachlichen Ausgleichs sollen knapp 14.000 Quadratmeter bislang intensiv genutzte Ackerfläche bei Barbelroth ökologisch aufgewertet werden. Vorgesehen sind unter anderem Glatthaferwiesen und Feuchtwiesen beziehungsweise -weiden. Die NVS NaturStiftung Südpfalz soll die Flächen bereitstellen, entwickeln und zunächst 25 Jahre lang pflegen.
Dafür werden netto 260.790,20 Euro fällig.
Weitere Ausgleichsmaßnahmen sind in den Pfälzischen Rheinauen vorgesehen. Zusätzlich muss der Kreis Ersatzlebensräume für Vogelarten schaffen, weil für den Neubau bestehende Gehölze beseitigt werden sollen. Auf einem Grundstück der Ortsgemeinde Rheinzabern soll deshalb auf rund 2.700 Quadratmetern ein Feldgehölz aus heimischen Bäumen und Sträuchern entstehen.
Damit ist die Rechnung allerdings noch nicht komplett. Im Zusammenhang mit einer bereits bestehenden Ausgleichsfläche für die Römerbadsporthalle entstehen weitere Verpflichtungen. Die zusätzlichen Kosten können derzeit noch nicht beziffert werden.
SPD will digitales Kita-Anmeldeportal, Verwaltung rät davon ab
Für Diskussionen könnte ein Antrag der SPD-Kreistagsfraktion sorgen. Sie möchte ein kreisweites digitales Kita-Anmeldeportal [4] einführen.
Die Kreisverwaltung hält davon derzeit wenig. Das Kreisjugendamt empfiehlt, die bestehende dezentrale Anmeldung beizubehalten. Ein kreisweites System würde nach einer vorliegenden Beispielrechnung über fünf Jahre rund 210.000 Euro kosten.
Die Verwaltung sieht derzeit keinen entsprechend großen Nutzen. Der Landkreis betreibt selbst keine Kindertagesstätten und ist auch nicht für die Vergabe einzelner Plätze zuständig. Diese liegt bei den jeweiligen kommunalen, kirchlichen oder freien Trägern.
Hinzu kämen nach Einschätzung der Verwaltung erheblicher Abstimmungsaufwand, unterschiedliche Vergabeverfahren, Datenschutz- und IT-Sicherheitsfragen sowie mögliche Probleme mit Schnittstellen. In Germersheim, Wörth und der Verbandsgemeinde Rülzheim wird bereits das System NOLIS eingesetzt. Dabei gebe es immer wieder Schwierigkeiten bei der Datenübertragung in das landesweite System KiDz.
Ganz vom Tisch soll die Digitalisierung der Anmeldung dennoch nicht sein. Die Verwaltung schlägt vor, das Thema künftig regelmäßig bei den halbjährlichen Bedarfsplanungsgesprächen mit Kommunen und Trägern zu behandeln.
Der Jugendhilfeausschuss ist dieser Linie bereits gefolgt und empfiehlt dem Kreistag, die derzeitige dezentrale Anmeldepraxis beizubehalten.
Grüne wollen Hitzeaktionsplan
Ebenfalls beraten wird ein Antrag der Grünen für einen landkreisweiten Hitzeaktionsplan. Unter Federführung des Gesundheitsamts sollen unter anderem Hitzewarnungen des Deutschen Wetterdienstes eingebunden und Schutzkonzepte für besonders gefährdete Menschen entwickelt werden.
Die Fraktion fordert außerdem Maßnahmen an Schulen und anderen kreiseigenen Gebäuden. Begrünung und Entsiegelung sollen dabei helfen, die Belastung an heißen Tagen zu reduzieren.
Daneben haben die Grünen eine Anfrage zur Waldbrandvorsorge gestellt. Dabei geht es unter anderem um technische Ausstattung, Löschwasserversorgung, Waldumbau und die Information der Bevölkerung bei erhöhter Waldbrandgefahr. Brand- und Katastrophenschutzinspektor Christian Betzel soll dazu im Kreistag Auskunft geben.
Die öffentliche Sitzung beginnt am Montag um 15.30 Uhr in der Dampfnudel in Rülzheim.
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