
Stadtrat Landau (öffentliche Sitzung).
Foto (Archiv): Rolf H. Epple/Pfalz-Express
Landau. Die Fraktion der Freien Wähler (FWG) im Landauer Stadtrat hat sich erneut zum Thema Fernwärme geäußert. Fraktionsvorsitzende Dr. Gisela Kalvoda betonte, dass Landau die Fernwärme brauche und wolle.
Entscheidend seien jedoch die Bedingungen, unter denen sie ausgebaut und betrieben werde. Landau treibt den Ausbau der Fernwärme voran, um die Wärmeversorgung klimafreundlicher zu gestalten und langfristig unabhängiger von Gas zu werden. Das Gasnetz muss nach europäischen Vorgaben spätestens bis 2045 stillgelegt werden. Die Stadt setzt dabei stark auf Tiefengeothermie.
Wesentlicher Partner ist Vulcan Energy (über die Tochter Natürlich Südpfalz). Seit April 2025 liefert das Unternehmen wieder geothermische Wärme aus dem Heizwerk an der Eutzinger Straße an die lokale EnergieSüdwest AG (ESW). Im Juni 2025 wurde ein langfristiger Wärmeliefervertrag über 35 Jahre abgeschlossen.
Die Wärme stammt zunächst aus bestehenden Anlagen und soll durch weitere Bohrungen sowie das größere Lionheart-/HEAT4LANDAU-Projekt (mit Bundesförderung von bis zu 100 Millionen Euro) deutlich ausgeweitet werden.
Ziel ist unter anderem, das Netz in Landau-Süd weitgehend klimaneutral zu betreiben und später auch innere Stadtteile einzubinden. Der Netzausbau liegt bei der ESW; erste Ausbauschritte laufen bereits.
Bisher sind nur wenige hundert Haushalte angeschlossen, vor allem in bestehenden Quartieren wie Vauban und dem Wohnpark am Ebenberg. Für weitere Gebiete war eine Anschluss- und Benutzungspflicht geplant.
Eine entsprechende Satzung besteht noch nicht; der Stadtrat soll voraussichtlich im Dezember 2026 darüber entscheiden. Die Stadt argumentiert, dass eine höhere Anschlussdichte bessere Konditionen beim Wärmeeinkauf von Vulcan ermöglicht und die Preise stabiler hält.
Aktuelle Arbeitspreise liegen bei rund 13 Cent pro Kilowattstunde. Nach Angaben der FWG ist der ursprüngliche Plan einer Wärmegesellschaft zwischen Stadt und ESW in Verbindung mit einer Anschlusspflicht aufgrund kommunalrechtlicher Vorgaben jedoch nicht mehr umsetzbar. Die Fraktion begrüßt dies ausdrücklich.
Eine solche Konstruktion hätte eine Monopolstellung der Lieferanten (Stadt und ESW) mit weitreichenden Befugnissen und gleichzeitig Einschränkungen sowie einer Anschlusspflicht für die Bürger bedeutet.
Eine faire Preisgestaltung bei gleichzeitiger Gewinnabsicht und Monopolstellung sei für Verbraucher schwer zu erwarten. Bereits im März hatte die FWG im Stadtrat einen Prüfauftrag zu den Auswirkungen des neuen Gebäudemodernisierungsgesetzes und einer möglichen Anschlusspflicht gestellt. Sie forderte, alternative Heizungsformen zu prüfen und zu bewerten. Dies sei bisher nicht oder nur zögerlich erfolgt.
Die Entwicklungen im Fernwärmebereich schritten nun rasch voran; wertvolle Zeit für transparente Bewertung und Aufklärung von Rat und Bevölkerung sei verloren gegangen. Informationen seien nur scheibchenweise und dann gebündelt gekommen.
Die FWG [1] lehnt eine Anschluss- oder Benutzungspflicht weiterhin ab. Eine Wärmegesellschaft von Stadt und ESW könne auch ohne Anschlusspflicht gegründet werden. Eine vollständige Übernahme durch die Stadt Landau bedeute nicht automatisch eine Anschlusspflicht.
Der Ausbau erstrecke sich über viele Jahre, die Investitionen verteilten sich zeitlich. Bürger könnten durch gute Praxisbeispiele oder hohe Gaspreise überzeugt werden. Spätere Anschlüsse könnten teurer werden. Sollte die ESW ganz aussteigen, müssten andere Optionen geprüft werden.
Die Fraktion fordert nun, rasch zu handeln. Die späte Kenntnisnahme juristischer Einschätzungen schaffe kein Vertrauen und wirke unprofessionell. Vertrauen entstehe nicht durch Zwang oder Vorwürfe an die Bevölkerung, sondern durch sorgfältige Information, Transparenz und Einbeziehung von Rat und Bürgern.
Unverändert bevorzugt die FWG eine Wärmegesellschaft von Stadt und ESW ohne Monopolcharakter und ohne Anschlusspflicht. So könne sich im Wettbewerb die langfristig wirtschaftlichste und nachhaltigste Heizungsform durchsetzen.