Montag, 21. Oktober 2019

X2E Group äußert sich zu Wegzug von Kandel

21. Mai 2019 | 6 Kommentare | Kategorie: Kreis Germersheim, Wirtschaft in der Region

X2E-Geschäftsführer Karlheinz Weiss.
Foto: über X2E Group

Kandel – Die X2E Group zieht um nach Rohrbach und nimmt zuvor noch einmal Stellung zur Standortdiskussion.

Kandels Stadtbürgermeister Günther Tielebörger (SPD) hatte dem Pfalz-Express am 9. Mai mitgeteilt, dass man mehrmals versucht habe, das Unternehmen in Kandel zu halten (mehr dazu hier). Zuvor hatte die örtliche CDU nach einem Firmenbesuch bei X2E der Verwaltung Untätigkeit vorgeworfen.

Ein Unternehmenssprecher hat nun Tielebörgers Aussagen „vollumfänglich“ zurückgewiesen und im Namen von Geschäftsführer Dr. Karlheinz Weiss eine Stellungnahme abgegeben.

Wegen der Sensibilität des Themas bearbeitet die PEX-Redaktion die detailreiche Stellungnahme nicht, sondern druckt sie im Wortlaut ab.

Zu den Ansiedlungsgesprächen im Gewerbegebiet „Östlich der Lauterburger Straße“ in Kandel im Jahr 2015:

Im Jahr 2015 gab es Ansiedlungsgespräche und ein Angebot der Stadt Kandel zum Kauf von Gewerbeflächen im Gewerbegebiet „Östlich der Lauterburger Straße“.

Das Angebot der Stadt wurde von der X2E Group in Zusammenarbeit mit externen Experten (Architekten, Statikern und Bodengutachtern) bewertet und aus technischen, baurechtlichen und wirtschaftlichen Gründen abgelehnt.

Die wesentlichen Gründe waren: keine vorhandene Glasfaseranbindung für hochleistungsfähiges Internet, was eine Grundvoraussetzung für eine High-Tech-Ansiedlung wäre, keine ausreichende Entwässerung des Geländes, was eine Bebauung mit einem schweren Industriegebäude unverhältnismäßig teuer gemacht hätte, sowie der hohe Kaufpreis von damals 91 Euro pro m², insbesondere im Vergleich zu anderen Standorten in der näheren Umgebung, welche über eine wesentlich bessere Infrastruktur für eine High-Tech-Ansiedlung verfügen.

Diese Faktoren für die Ablehnung wurden der Stadt am 19.02.2015 ausführlich schriftlich dargelegt. Außerdem wurden zusätzlich Vorschläge gemacht, wie ein Kompromiss aussehen könnte, um die Ansiedlungsgespräche dennoch weiterführen zu können. Diese wurden von der Stadt Kandel nicht beantwortet.

Die Aussagen von Hr. Tielebörger (SPD) bezüglich der Ansiedlungsgespräche in Steinweiler im Jahr 2018:

Die Aussage „… auch hier hatten Gemeinde und Verbandsgemeinde nach den Wünschen des Geschäftsführers Grundstücke zusammengelegt …“ müssen wir zurückweisen. Tatsache ist, dass die Gemeinde Steinweiler zwei Grundstücke zum Kauf angeboten hatte, welche allerdings durch ein dazwischenliegendes, drittes Grundstück getrennt waren. Dieses Grundstück war bereits an einen anderen Investor verkauft worden. Eine Zusammenlegung der zwei voneinander getrennten Grundstücke war nicht möglich.

Abgelehntes Produktionszentrum in Steinweiler.
Plan: über X2E Group

Herr Dr. Weiss, Geschäftsführer der X2E Unternehmensgruppe, stellte das geplante Projekt, verteilt auf zwei separate Grundstücke, persönlich dem Gemeinderat Steinweiler in der Sitzung vom 31.01.2018 vor. Der Gemeinderat stimmte nach einer ausführlichen internen Debatte mit Beschluss vom 01.03.2018 einem möglichen Verkauf der beiden Grundstücke an die X2E zu.

Daraufhin wurde von der X2E Group ein Architektenbüro eingeschaltet, um eine offizielle Bauvoranfrage bei der Verbandsgemeindeverwaltung Kandel für das Projekt durchzuführen. Diese Bauvoranfrage wurde mit dem Beschluss vom 20.06.2018 abgelehnt.

Die Kosten der Voranfrage und eines von X2E in Auftrag gegebenen Lärmschutzgutachtens in Höhe von knapp 8.000 Euro sowie den angefallenen Gebühren mussten vollständig zu Lasten der X2E Group abgeschrieben werden. Die Schlussfolgerung von Hr. Tielebörger (SPD) „… es gab auch hier nicht den gemeinsamen Gang zum Notar …“ kann deshalb so nicht stehen gelassen werden.

Zu der Aussage bezüglich der Ansiedlung im Bahnhofsgebäude in Winden zum Bau eines Schulungszentrums im Jahr 2008:

Im Jahr 2008 hat es mit der Bahn und der Gemeinde Winden Gespräche über den Ankauf und die Renovierung des Bahnhofsgebäudes zur Errichtung eines Schulungszentrums gegeben. Dazu gab es ein Informationsgespräch am 07.05.2008 in Mainz mit Vertretern der Landesregierung.

Die dabei in Aussicht gestellten Fördermittel standen leider in keimen Verhältnis zu den notwendigen Investitionen für ein unter Denkmalschutz stehendes Gebäude, welches vor der Nutzung vollständig saniert werden müsste. „Lange Verhandlungen“, wie Herr Tielebörger (SPD) schreibt, „… bei denen die Bereitschaft des Landes, finanziell zu helfen, sehr weit gediehen war …“ hat es so nicht gegeben. Aufgrund unkalkulierbarer wirtschaftlicher und baurechtlicher Risiken wurde die Investition in das Bahnhofsgebäude in Winden von der X2E Group abgelehnt.

Das geplante Projekt konnte 2013 in Winden dennoch erfolgreich umgesetzt werden. In der Raiffeisenstraße der Gemeinde Winden hat die X2E Group im Jahr 2013 ein anderes Grundstück angekauft und in den Jahren bis 2016 das geplante Schulungszentrum, sogar um ein Jugendförderzentrum erweitert, mit einem Investitionsvolumen von 1,3 Mio. Euro erfolgreich umgesetzt. Fördermittel wurden keine herangezogen.

Für das Jahr 2019/20 sind am Standort Winden weitere Investitionen in Höhe von 250.000 Euro in die Infrastruktur des Gebäudes geplant.

Fazit:

Im Zeitraum Mai 2008 bis Juli 2018 hat die X2E Group ca. 15.000 Euro in Voranfragen und damit verbundene Gutachten investiert, mit dem Ziel, die X2E Group mit ihren aktuell 100 High-Tech-Arbeits- und -Ausbildungsplätzen in der Verbandsgemeinde Kandel anzusiedeln.

Alle Anfragen (mit Ausnahme des realisierten Schulungs- und Jugendförderzentrums in der Raiffeisenstraße in Winden) wurden entweder von den politisch Verantwortlichen und/oder von den Bauverwaltungen in Kandel und Germersheim abgelehnt. Die Kosten dafür mussten zu Lasten der X2E Group jeweils vollständig abgeschrieben werden.

Das Hauptproblem für das Scheitern der Ansiedlungspläne war aus heutiger Sicht im Wesentlichen der nicht vorhandene wirtschaftspolitische Wille bei den Verantwortlichen in den Gemeinden Winden, Steinweiler und insbesondere der Stadt Kandel, um High-Tech-Firmen wie die der X2E Unternehmensgruppe an einem oder mehreren Standorten in der Verbandsgemeinde Kandel eine für alle Beteiligten gute und erfolgreiche Zukunft zu geben.

Unsere Beweggründe, Flächen außerhalb des Kreises Germersheim zur potentiellen Ansiedlung zu sichten und die Verbandsgemeinde Kandel bzw. den Kreis Germersheim gegebenenfalls zu verlassen, haben wir im Vorfeld schriftlich mitgeteilt. Eine Reaktion erfolgte nicht.

Die jüngsten Äußerungen von Herrn Tielebörger (SPD), man habe sich in den letzten Jahren mehrfach intensiv um das Produktionszentrum bemüht und sei von der Standortaufgabe überrascht, haben wenig mit der objektiven Sachlage der letzten zehn Jahre, von 2008 bis heute, zu tun.“

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6 Kommentare auf "X2E Group äußert sich zu Wegzug von Kandel"

  1. Schutti sagt:

    10 Jahre Planungszeit, 10 Änderungen des Bebauungsplanes, hohe Grundstückspreise und die höchsten Steuersätze der Region, sowie Wirtschaftspolitik als „Chefsache“ im Kandeler Rathaus sind keine guten Bedingungen für Arbeitgeber. Über Abwanderungen (DBK, Eichenauer, X2E, usw.) braucht man sich in Kandel nicht zu wundern. Weitere Beispiele sind dann auch noch Paltina, Riba, Drehleiter, Beck Gaudier, Getto, Hotelerie usw., bei denen die Verärgerung zum Teil bis ins private reicht. (Kammlott) Aber Schuld sind ja eh immer die „Anderen“!! Eine Bilanz des Bürgermeisteres Tielebörger die sich NICHT sehen lassen kann.

  2. Tatsachen sagt:

    Kandel wird immer mehr zur Wohn- und Schlafstadt;
    Arbeiten, Gewerbe, bitte nicht hier in der Idylle.
    Die Idylle wird dann touristisch vermarktet.

    • Schutti sagt:

      Touristisch vermarktet ?? Setzt Aktivität, Marketing voraus. Wo soll das herkommen?

      • Danny G. sagt:

        Marco Kurz wollte die Stadt aktiv touristisch vermarkten, was aber auf wenig Gegenliebe der Geschäfts und Politikwelt stiess. Scheint wohl an dem Hang nach Idylle gelegen zu haben, oder dass alle geschlafen haben….

        • Magnetmensch sagt:

          Außer Fäkalien (ich erinnere an die toleranter Weise von einem der verhassten Geschäftsleute überlassene Toilette) und Müll haben die von Herrn Kurz geworbenen „Touristen“ bislang nichts hinterlassen. Eine Aufwertung der Stadt Kandel durch die Tätigkeit eines Herrn Kurz kann ich nicht erkennen. Im Gegenteil! Wir bitten von weiteren Besuchen abzusehen!

  3. Jorge sagt:

    Hauptsache Kandel ist bunt. Der Kampf gegen Rechts kostet einigen Aufwand in der Verwaltung. Die Sozen haben halt andere Schwerpunkte (das schließt die Grünen mit ein).

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