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Wie Fußball Gesellschaft und Alltag beeinflusst

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„Fußball ist unser Leben“? Was die deutsche Nationalmannschaft 1974 zur Weltmeisterschaft auch singend zum Sieger machte, war vielleicht etwas übertrieben. Sicher ist, dass Fußball ein großer Bestandteil unseres Lebens ist.

Es gibt kaum einen Aspekt in der Gesellschaft, der nicht vom Volkssport Nummer eins berührt wurde und wird. Wenn die Nationalelf als Sieger in großen Turnieren vom Platz geht, steigt das Wohlbefinden der Nation. Verlieren die deutschen Kicker, trauern Millionen Leute mit ihnen mit, ob sie nun bei den Fußballwetten [1] richtig getippt haben oder nicht.

Wie sehr ganze Nationen vom Fußballfieber infiziert sind, hätte sich in den Anfangsjahren wohl kaum jemand träumen lassen. Importiert hatte der Braunschweiger Lehrer [2] Konrad Koch den Sport aus England. Er suchte vor 150 Jahren nach einer Möglichkeit, die ans Stubenhocken gewöhnten Stadtkindern zu gesunden Aktivitäten ins Freie zu bekommen.

Bis die Schüler und später auch Erwachsenen sich im turnbegeisterten Land an den rauen Sport mit Ball und Toren, dessen Regeln von Koch erst übersetzt werden mussten, gewöhnten, verging noch einige Zeit. Der endgültige Durchbruch kam im Jahr 1900, als 86 Erwachsenenvereine den Deutschen Fußball-Bund gründeten. Heute sind im DFB rund 24.000 Vereine mit zirka 2,3 Millionen Aktiven organisiert.

Dass Fußball und überhaupt Schulsport gesundheitsfördernd sind, ist nur einer der Aspekte, die das Kicken auf dem grünen Rasen dauerhaft zur beliebtesten Sportart im Land gemacht haben. Allerdings gehört auch ein gesundes Maßhalten dazu. Nicht nur die Athleten fordern ihrem Körper bei den Spielen Höchstleistungen ab. Auch bei den Fans kann es gerade bei wichtigen Begegnungen zum Herzrasen bis hin zum Infarkt kommen. Bei den deutschen Spielen bei der Weltmeisterschaft 2006 verzeichneten die Mediziner [3] an der Uni München einen Anstieg bei den Herzattacken auf das 2,7-Fache im Vergleich zum normalen Alltag.

So schlimm das auch klingt, Fußballspiele können so dadurch dazu beitragen, dass gefährliche Erkrankungen rechtzeitig erkannt und behandelt werden können. Das gilt auch für die Sportler selbst. Als der Däne Christian Eriksen bei der EM 2020 beim Vorrundenspiel gegen Finnland plötzlich einen Herzstillstand erlitt, retteten ihm die sofortigen Wiederbelebungsmaßnahmen das Leben. Der junge Fußballer litt an einer bis dahin nicht diagnostizierten Herzfehler.

Fälle wie seiner tragen dazu bei, Mediziner und vor allem etwaige Patienten zu sensibilisieren und leichter zum Arztbesuch zu bewegen. Fußballstars haben schließlich seit langem Vorbildfunktion.

Das reicht von Mode und Frisuren wie beim langjährigen englischen Mannschaftskapitän und Superstar David Beckham bis zu Engagement für soziales. Der deutsche Rekordkeeper [4] Manuel Neuer hat zum Beispiel eine Stiftung für Kinder ins Leben gerufen.

Die Liebe zum Fußball schafft aber auch soziale Bindungen. Gemeinsam im Stadion sitzen, die eigene Mannschaft bejubeln oder am Arbeitsplatz in der Mittagspause den vergangenen Spieltag diskutieren, lässt Freundschaften entstehen. Fanclubs und Sportbars, aber auch Chats auf Plattformen wie Twitch sind soziale Treffpunkte, die aus Fremden Kumpel werden lassen.

„11 Freunde müsst ihr sein“, hat Trainerlegende Sepp Herberger einst gesagt. Während er damit nur die Elf auf dem Rasen gemeint hat, ist der Freundschaftsaspekt im Zuschauerkreis genauso wichtig. Das Gefühl von Miteinander auf den Bänken überträgt sich auf die Spieler genauso wie auf die Sitznachbarn.

So mancher Fan nutzt die Bindung zum Verein sogar, um die wichtigsten Momente im eigenen Leben zu einem einmaligen Erlebnis werden zu lassen. Hochzeitsanträge im Stadion, die zum Teil mit begeisterter Unterstützung von Geschäftsstellenmitarbeitern und sogar Spielern möglich gemacht werden, sind in diversen Vereinen in die Clubgeschichte eingegangen.

Fernsehserien wie „Ted Lasso“, in der ein amerikanischer Footballtrainer ohne Ahnung von den Feinheiten des europäischen Fußballs einen britischen Club übernimmt und durch seine positive Lebenseinstellung alles umkrempelt, ist zum weltweiten Hit geworden. Im echten Leben ist Hollywoodstar Ryan Reynolds einer der Miteigentümer des britischen Clubs Wrexham geworden. Die daraus entstandene Reality-Serie ist ebenfalls ein Volltreffer, die das Interesse am Fußball weltweit steigert.

Fanartikel gehören seit den 1960er Jahren zu den Dingen, die die Wirtschaft ankurbeln und zugleich Zeichen der Zugehörigkeit geworden sind. Schals und Mützen in den Vereinsfarben gehören in den kalten Monaten zum Straßenbild. Trikots mit Spielernamen und Nummern sind das ganze Jahr über ein Hit bei Kindern wie Erwachsenen.

Dass sich die Namen auf den Trikots geändert haben, zeigt, wie multikulturell die Vereine geworden sind. Auch hier haben sie Vorbildfunktion. Die meisten Clubs sind umso erfolgreicher, je vielfältiger und internationaler ihre Mannschaft ist. Das gilt für Trainer aus dem Ausland genauso wie für Spieler. Der bisher erfolgreichste Coach in der Bundesliga ist der Spanier Pep Guardiola, der den FC Bayern München für 102 Spiele führte. Das Ergebnis waren im Schnitt 2,52 Punkte pro Spiel.

Der Engländer Harry Kane, der seit Juli 2023 beim FC Bayern kickt, wurde gleich in seiner ersten Saison mit hohem Abstand Torschützenkönig in der Bundesliga.

Fußball mag nicht unser Leben sein, aber er gehört zum Leben dazu und verbindet weit über Vereins- und Landesgrenzen hinaus.

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