
Schafherde
Archivfoto: Pfalz-Express/Ahme
Lebensretter während des Osterspaziergangs: Wer jetzt die Feiertage nutzt, um durch die Natur zu streifen, kann bei Schafen tierischen Heldenstatus erlangen.
Denn gerade bei schwangeren Tieren besteht im Frühjahr durch das Wälzen auf den Wiesen echte Lebensgefahr: Einmal in Rückenlage, kommen einige Tiere nicht mehr zurück auf die Beine, was unter Umständen zu einem qualvollen Tod führt. Spaziergänger können hier einen Schubs in Richtung Leben geben.
Jeder kann zum Lebensretter werden und die Tiere mit einem kleinen Schubs wieder aufrichten. Hintergrund für das Wälzen ist, dass schwangere Schafe im Frühjahr gleich mit zwei schwergewichtigen Problemen zu kämpfen haben: Zum einen bringen sie durch ihren Nachwuchs im Körper mehr Gewicht auf die Waage, zum anderen sind sie zuchtbedingt durch große Mengen an Wolle um ihren Körper schwerer.
„Die Tiere werden erst nach der ,Schafskälte` Anfang Juni geschoren und von ihrer schweren Wolle befreit. Dadurch wird das dicke Fell besonders im nassen Zustand zur Last. Zudem können sich juckende Parasiten einnisten. Deswegen wälzen sich die Tiere im Gras, um die lästigen Plagegeister loszuwerden“, sagt Ina Müller-Arnke, Expertin für Tiere in der Landwirtschaft bei VIER PFOTEN.
Augen auf beim Oster-Spaziergang
VIER PFOTEN bittet alle Spaziergänger, im Frühjahr besonders aufmerksam zu sein. Denn die Körperform der Tiere macht es insbesondere trächtigen Schafen beim Versuch des Aufstehens nicht leicht. „Verstärkend wirkt dabei, dass der Nachwuchs den Bauch der Muttertiere nach unten drückt. Schaffen es die Schafe nicht innerhalb kürzester Zeit aufzustehen, sammeln sich Verdauungsgase im Bauch, was zu schmerzhaften und tödlichen Blähungskoliken führt. Zusätzlich drücken die inneren Organe auf die Lunge. Die Tiere können ersticken“, sagt Müller-Arnke.
Schafe schubsen – so geht’s
„Nähern Sie sich ruhig dem auf dem Rücken liegenden Schaf und reden Sie beruhigend auf das Tier ein. Da Schafe Fluchttiere sind, werden diese Sie niemals attackieren. Fassen Sie mit beiden Händen in die Wolle auf Höhe der Rippen und drehen Sie das Schaf mit einem beherzten Schubs wieder in die Bauchlage. Das Tier wird versuchen, sobald es in Bauchlage kommt, aufzustehen und wegzulaufen.
Es kann allerdings vorkommen, dass das Schaf nach dem rettenden Schubs noch wackelig auf den Beinen ist und sofort wieder umfällt. In diesem Fall braucht es erneut Ihre Hilfe. Versuchen Sie, das Tier noch etwa eine Minute lang zu halten, wenn Sie es das zweite Mal in Bauchlage gedreht haben. Wer sich nicht selbst traut, kann auch einen benachbarten Bauern um Hilfe bitten oder die Polizei rufen. Jedoch ist jede Sekunde kostbar“, so die Agraringenieurin.
Hilfe ist von Schäfern erwünscht
„Helfen ist erlaubt, Schäfer zählen sogar auf aufmerksame Passanten und rufen dazu auf, ihre Schafe zu ,schubsen` und so Muttertiere und ihre ungeborenen Lämmer vor dem sicheren Tod zu bewahren. Ist ein Schaf erst einmal in Rückenlage, geht es meist um Sekunden, in denen man das Leben der Tiere retten kann. Falsch machen kann man nicht viel“, erklärt die VIER PFOTEN Expertin.
Überzüchtung verstärkt das Problem
Das Problem des hohen Gewichts und der damit verbundenen Probleme beim Aufstehen ist auch das Resultat jahrelanger Überzüchtung, die auf immer höhere Fleisch- und Woll-Erträge abzielt. Die meisten Schafrassen müssen deshalb einmal im Jahr geschoren werden. Es gibt auch alte Schafrassen, bei denen eine solche Schur nicht notwendig ist, diese werden jedoch von Berufsschäfern aufgrund etwas geringerer Fleisch- und Wollerträge leider eher selten gehalten.
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