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Vier Liter pro Minute: Was am Waschtisch wirklich Wasser spart – und was nur so aussieht

Foto: Clay Banks [1] / Unsplash [2]

Trockene Sommer, Niedrigwasser am Rhein, kommunale Aufrufe zum sparsamen Gießen: Wasser ist auch in der Pfalz vom selbstverständlichen Hintergrundthema zum wiederkehrenden Sommerthema geworden.

Wer daraufhin im eigenen Haushalt ansetzen will, landet fast automatisch beim Waschtisch – dem Ort, an dem am häufigsten am Tag Wasser läuft, meist für zehn oder zwanzig Sekunden. Genau diese Kürze macht ihn interessant. Bei kurzen Zapfvorgängen entscheidet nicht die Dauer über die Menge, sondern die Durchflussmenge der Armatur. Und die lässt sich in wenigen Minuten messen und in wenigen Minuten ändern.

Der Rest dieses Textes sortiert, welche Maßnahmen am Waschplatz tatsächlich etwas bewegen – und welche nur ein gutes Gefühl erzeugen.

Wohin die 120 Liter am Tag gehen

Zunächst die Größenordnung. Nach Angaben des Umweltbundesamts verwendete jede Person in Deutschland im Jahr 2022 durchschnittlich rund 126 Liter Trinkwasser pro Tag; der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft nennt für 2023 einen Wert von 121 Litern. Der langfristige Trend zeigt nach unten: 1990 lag der Wert noch bei 147 Litern. Aufgeteilt nach Verwendung entfällt der größte Anteil mit rund 36 Prozent auf Baden, Duschen und Körperpflege, gefolgt von der Toilettenspülung mit etwa 27 Prozent.

Auf Essen und Trinken gehen lediglich rund vier Prozent. Der Waschtisch steckt in diesem größten Block mit drin – und zwar nicht als ein großer Verbrauch, sondern als sehr viele kleine. Händewaschen, Zähneputzen, Rasieren, Gesicht abspülen: Ein Haushalt bringt es leicht auf zwanzig bis dreißig Zapfvorgänge am Tag.

Der Test mit dem Messbecher

Wie viel Wasser eine Armatur liefert, steht selten im Bad, lässt sich aber in einer Minute herausfinden. Man hält einen Messbecher unter den geöffneten Hahn, stoppt 15 Sekunden und multipliziert die abgelesene Menge mit vier – das Ergebnis ist der Durchfluss in Litern pro Minute. Ältere Armaturen liefern oft zehn Liter pro Minute und mehr, weil sie aus einer Zeit stammen, in der Menge als Komfortmerkmal galt.

Sparsame Strahlregler kommen mit rund vier bis sechs Litern pro Minute aus, ohne dass der Strahl schwächer wirkt: Sie mischen Luft bei und verteilen den Strahl breiter. Der Austausch eines Strahlreglers kostet wenige Euro, dauert mit einem Maulschlüssel ein paar Minuten und ist damit die günstigste Wassersparmaßnahme im ganzen Haus. Wer den Becher schon in der Hand hat, prüft am besten alle Hähne – die Unterschiede zwischen Küche, Bad und Gäste-WC sind oft überraschend groß.

Zu beachten ist nur eines: An der Küchenspüle ist ein hoher Durchfluss manchmal gewollt, weil dort Töpfe und Eimer gefüllt werden. Am Waschtisch dagegen gibt es keinen Anwendungsfall, für den zehn Liter pro Minute nötig wären.

Warum die Mittelstellung des Hebels Geld kostet

Ein zweiter Punkt betrifft nicht Wasser, sondern Energie – und wird fast immer übersehen. Steht der Hebel einer Einhebelmischbatterie in der Mittelstellung, wird Warmwasser angefordert, auch wenn niemand warmes Wasser braucht. Bei zwanzig Sekunden Händewaschen erreicht das erwärmte Wasser den Hahn gar nicht mehr; es bleibt in der Leitung stehen, kühlt dort ungenutzt ab, und die Heizung oder der Durchlauferhitzer hat trotzdem gearbeitet. Je länger der Weg zwischen Wärmeerzeuger und Waschtisch, desto größer dieser Leerlauf.

Zwei Konsequenzen folgen daraus: Erstens gehört der Hebel beim kurzen Händewaschen konsequent nach rechts, also auf kalt. Zweitens gibt es Armaturen mit Kaltstart-Funktion, bei denen die Mittelstellung reines Kaltwasser liefert und Warmwasser erst nach bewusstem Ausschlag kommt. Bei einem weit entfernten Gäste-WC kann außerdem ein kleiner dezentraler Erhitzer sinnvoller sein als eine lange Warmwasserleitung, die nach jedem Zapfen wieder auskühlt.

Beckenform: wo tatsächlich Wasser gespart wird

Am Becken selbst lässt sich kein Wasser sparen – dort läuft schließlich nur durch, was die Armatur freigibt. Wohl aber beim Reinigen, und das ist ein unterschätzter Posten. Eine flache, breite Schale verteilt Spritzwasser über die ganze Platte und wird häufiger unter laufendem Wasser nachgespült; eine tiefere Mulde mit höherem Rand hält das Wasser dort, wo es hingehört.

Bei Aufsatzwaschbecken [3] kommt ein zweiter Effekt dazu: Weil sie auf der Platte stehen statt in ihr zu sitzen, gibt es keine umlaufende Fuge, in der sich Ablagerungen sammeln – gewischt wird eine glatte Fläche statt einer Kante. Auch das Material spielt mit: Matte, versiegelte Oberflächen lassen sich in der Regel mit einem feuchten Tuch abnehmen, während stark verkalkte Glanzflächen zum Nachspülen verleiten.

Wer das Becken zusätzlich mit einer Ablagefläche daneben plant, stellt Seife und Zahnputzbecher trocken ab und muss beides seltener abspülen. Und weil Kalk sich nur mit Säure lösen lässt, die vielen Oberflächen schadet, ist das kurze Trockenwischen nach der Nutzung ohnehin die sinnvollste Routine – sie spart Reinigungswasser und Reinigungsmittel gleichzeitig.

Die Reihenfolge im Bestand

Wer im vorhandenen Bad ansetzt, sollte in dieser Folge vorgehen – vom größten Effekt pro Aufwand zum kleinsten:

  • Strahlregler an allen Armaturen prüfen und gegen sparsame Modelle tauschen
  • Tropfende Hähne reparieren – die Dichtung kostet Cent, der unbemerkte Verlust läuft rund um die Uhr
  • Hebelstellung umstellen oder eine Armatur mit Kaltstart nachrüsten
  • Spartaste beziehungsweise Zwei-Mengen-Spülung am WC kontrollieren, denn dort liegt der zweitgrößte Block
  • Warmwasserleitungen zu selten genutzten Zapfstellen hinterfragen, bevor über neue Armaturen nachgedacht wird

Was das regional bewirkt – und was nicht

Ehrlich bleiben lohnt sich an dieser Stelle. Der Trinkwassergebrauch privater Haushalte ist nur ein Teil der gesamten Wassernutzung; Landwirtschaft, Industrie und Energieerzeugung entnehmen bundesweit erheblich mehr. Ein sparsamer Strahlregler in Landau rettet also keinen Grundwasserspiegel. Was er beeinflusst, ist etwas anderes: die Spitzenlast.

Genau in den heißen Wochen, in denen ohnehin gegossen und geduscht wird, kommen kommunale Netze und Wasserwerke an ihre Grenzen – und Verbrauchsspitzen, nicht Jahresmittelwerte, sind der Grund für Aufrufe zum Sparen und für örtliche Entnahmeverbote. Kleine technische Änderungen wirken dort zuverlässiger als gute Vorsätze, weil sie jeden Tag automatisch greifen, ohne dass jemand daran denken muss.

Das ist letztlich das Argument für die Technik statt für die Disziplin: Ein getauschter Strahlregler arbeitet zwanzig Jahre unauffällig weiter. Ein Vorsatz hält bis zum nächsten hektischen Morgen.

Grundlagen dieses Beitrags: Umweltbundesamt, »Wassernutzung privater Haushalte«; Angaben des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) zum personenbezogenen Wassergebrauch. Angaben zu Durchflussmengen sind typische Werte und können je nach Armatur und Leitungsdruck abweichen.

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