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VG Kandel: Herzlicher Abschied, feierlicher Neubeginn – Volker Poß übergibt Bürgermeisteramt an Mike Schönlaub

Volker Poß (li.) hat das Amt an seinen Nachfolger Mike Schönlaub übergeben.
Foto: Pfalz-Express/Licht – Fotostrecke und Video am Textende

Kandel – Mit wuchtigen Klängen aus „Star Wars“ eröffneten Musiker der Musikschule Kandel-Wörth die feierliche Sitzung des Verbandsgemeinderats Kandel am 27. März 2025 – und das war nur der Auftakt eines denkwürdigen Abends.

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Bienwaldhalle versammelten sich geschätzt 300 bis 400 Gäste aus Politik, Verwaltung und Gesellschaft, um die Amtsübergabe von Bürgermeister Volker Poß (SPD) an seinen Nachfolger Mike Schönlaub (SPD) zu erleben. Die Veranstaltung war ein Höhepunkt für die politische Landschaft im Kreis Germersheim.

Unter den Gästen befanden sich unter anderem Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD), Ex-Ministerpräsident Kurt Beck (SPD), Landrat Martin Brandl, Ex-Landrat Dr. Fritz Brechtel und nahezu alle Bürgermeister aus der Region – ein Zeichen für den großen Respekt und die Wertschätzung, die Poß über Parteigrenzen hinweg entgegengebracht wird.

Poß, der 44 Jahre im Dienst der Verbandsgemeinde Kandel war, davon 16 Jahre als Bürgermeister, blickte auf eine ereignisreiche Amtszeit zurück. „Sitzungen des Verbandsgemeinderats sind normalerweise nicht so voll“, scherzte Poß in seiner Rede. Auch die musikalische Untermalung sei natürlich keine Selbstverständlichkeit.

„Alles hat seine Zeit“

„Alles hat seine Zeit“, lautete das Motto des Abends, das Poß selbst gewählt hatte, um die Lebensphasen und den Übergang von seiner aktiven Zeit als Bürgermeister in den Ruhestand zu benennen – Zeit für Arbeit, Zeit für den Ruhestand, aber auch Zeit für Neues.

Die Amtsübergabe selbst war der einzige Tagesordnungspunkt der „Sitzung“, und die nahm über drei Stunden in Anspruch. Poß erinnerte an die Entwicklung der Region. Besonders dankte er den vier Bürgermeisterkollegen, bei denen er in seiner Karriere lernen konnte: „Ich habe vier Bürgermeistern viel zu verdanken“, sagte Poß. „Oskar Böhm, Günther Tielebörger, der mich nach bestandenem Examen in die Bauabteilung einsetzte, Willi Langfinger, der nach Otterberg ging, und Reiner Hör, der später Bürgermeister in der VG Rülzheim wurde.“ Poß selbst war zunächst Büroleiter, bis Tielebörger ihn fragte, ob er nicht als sein Nachfolger kandidieren wolle.

In seiner Rede stellte Poß auch bescheiden infrage, ob sein Ruhestand – wie man so sagt – „verdient“ sei. „Das kann ich selbst nicht beurteilen“, so Poß. Und in nachdenklichen Worten hinterfragte er weiter, eine so lange Arbeitszeit bei einem einzigen Arbeitgeber nicht auch zu einer gewissen Betriebsblindheit führen könne. „Nach meinem dualen Studium an der Hochschule in Mayen in den 80er Jahren war es nicht mein Ziel, bei nur einem Arbeitgeber zu bleiben. Aber immer wieder hat sich eine Tür in der Verwaltung aufgetan – und es war gut so“, reflektierte er.

„Ich habe nie mich als Politiker gesehen, sondern immer als Dienstleister für die Bürger“, erzählte Poß. Für ihn war es stets wichtig, über Parteigrenzen hinweg zu denken und pragmatisch zu handeln. Unter seiner Führung wurden wichtige Projekte wie das Flächennutzungskonzept fortgeschrieben, ein Starkregenschutzkonzept eingeführt und Maßnahmen zur Klimaanpassung sowie zur Feuerwehrentwicklung vorangetrieben.

Als symbolisches Geschenk für seinen Nachfolger Schönlaub überreichte Poß ein Gemälde des Kandeler Künstlers Armin Hott (davon wurden einige verschenkt an diesem Abend), das einen Raben auf einem Papierhaufen zeigt – ein humorvolles Symbol für die anstehenden Herausforderungen, die Schönlaub in seiner neuen Rolle als Bürgermeister erwarten. „Es gibt noch viel zu tun – Mike, auf dich wartet jede Menge Arbeit!“ Und scherzte: „Vielleicht werde ich ja zu der ein oder anderen Einweihung eingeladen.“

Der Erste Beigeordnete der Verbandsgemeinde, Josef Vollmer, würdigte Poß in seiner Ansprache für sein Engagement und seine Zuverlässigkeit während der gesamten Amtszeit. „Du hast die Verbandsgemeinde durch deine Weitsicht und dein Engagement weiterentwickelt und bleibende Spuren hinterlassen“, sagte Vollmer. Auch Poß‘ Ehefrau Heike wurde für ihre unermüdliche Unterstützung gewürdigt. Abschließend verlas Vollmer die Urkunde, die Poß in den Ruhestand versetzt, gültig ab dem 1. April 2025. Und er bekam (ganz verwaltungstechnisch korrekt) die Einweisungsverfügung B2 überreicht.

In seiner eigenen Ansprache betonte Poß, dass „alles seine Zeit hat“. Er sehe seinen Ruhestand jedoch nicht als „Nichtstun“, sondern eher als „Unruhestand“ – eine neue Lebensphase, die er mit weiteren Aktivitäten füllen werde. „Ab kommendem Dienstag bin ich dann zuhause“, scherzte Poß. „Auch das wird Veränderungen bringen.“ Gelächter im Saal und humorvolle Blicke auf Heike Poß, die nun ihren Ehemann viel um sich haben wird.  „Du hast mir immer den Rücken frei gehalten, und wir sind gemeinsam durch dick und dünn gegangen“, richtete Poß ein Dankeschön an seine Ehefrau.

Zusammenarbeit mit anderen Kommunen stark ausgebaut

Poß betonte, dass nicht immer das Rad neu erfunden werden musste, sondern dass man auch von Nachbarkommunen profitieren konnte. Das Programm „Starke Kommunen, Starkes Land“ wurde mit Hagenbach ins Leben gerufen und in der zweiten Runde mit Wörth unter Bürgermeister Dr. Dennis Nitsche (SPD) und später mit Bürgermeister Steffen Weiß (FWG) fortgesetzt.

Standing Ovations für Volker Poß.
Foto: Pfalz-Express/Licht

Ein weiteres Highlight war das Dienstleistungs- und Servicezentrum bei der Feuerwehr, das als Leuchtturmprojekt auch den umliegenden Gemeinden zugutekommt. Dort werden nicht nur die Feuerwehrgeräte der Verbandsgemeinde Kandel gewartet, sondern auch die der umliegenden Gemeinden.

Poß berichtete, dass die interkommunale Zusammenarbeit auch kreisüberschreitend gestärkt wurde – mit Herxheim und Landau-Land im Rahmen der Leader-Region und nun auch mit der VG Offenbach, die die Geschäftsführung übernommen hat.

In Zukunft wird die interkommunale Zusammenarbeit auch im Bereich des fließenden Verkehrs weiter ausgebaut. Ab April wird tatsächlich kommunal geblitzt – gemeinsam mit den „Blitzergemeinden“ VG Lingenfeld, VG Herxheim und der Stadt Wörth (mehr dazu demnächst).

Die „Blitzerbürgermeister“ (v.li.): Mike Schönlaub (VG Kandel), Steffen Weiß (Wörth), Frank Leibeck (VG Lingenfeld) und Christian Sommer (VG Herxheim).
Foto: Pfalz-Express/Licht

Schwere Zeiten: Demos, Hass und der Verlust eines Kollegen

Poß blickte auch auf zwei besonders prägende und schwere Ereignisse zurück, die ihn, die Stadt und die Verbandsgemeinde Kandel tief erschüttert haben. Da war zum einen der tragische Tod von Mia (15), die nach Weihnachten 2017 von einem jungen afghanischen Asylbewerber erstochen wurde. Die darauf folgenden Demos [1] und die massiven, aggressiven „Poß muss weg“-Rufe und Bedrohungen aus der rechtsradikalen Szene hätten ihn sehr zum Nachdenken gebracht.

Zum anderen berührte ihn der Freitod „eines lieben Kollegen und Mitarbeiters.“ Der Gedanke, vielleicht Hilferufe übersehen zu haben, beschäftige ihn bis heute. „Das geht unter die Haut.“

Mike Schönlaub: Werde mich nicht verändern

Nach Volker Poß ergriff Mike Schönlaub, der im November die Wahl zum Verbandsbürgermeister [2] für sich entschieden hatte,  das Wort. „Für mich ist das ein besonderer Tag“, sagte er, „und ich bin dankbar für das Vertrauen, das mir entgegengebracht wird. Es ist ein großes Gefühl, aber auch eine Aufgabe, der ich mit Respekt begegne.“

Schönlaub sprach darüber, wie viel er von seinen Vorgängern und Kollegen gelernt hatte. Besonders viel habe er auch in seiner Zeit als Brand- und Katastrophenschutzinspekteur (BKI) des Kreises von Dr. Fritz Brechtel, dem ehemaligen Landrat, mitgenommen.

„In den letzten Monaten habe ich viele Gespräche geführt und viele Ideen gehört“, fuhr er fort. Themen wie Sicherheit, moderne Infrastruktur, Katastrophenschutz und die Förderung des Ehrenamts seien ihm besonders wichtig. „Wir wissen alle, wie hoch die Anforderungen sind. Aber ich kann Ihnen versichern, wir arbeiten weiter mit viel Herzblut daran. Ich will immer ein offenes Ohr für Sie haben – und der Ton bleibt ehrlich.“

Schönlaub machte auch klar, was er von sich selbst erwartet: „Ich habe nicht vor, mich zu verändern. Ich bleibe bodenständig und ansprechbar. Sprechen Sie mich an, wenn Ihnen etwas auf dem Herzen liegt. Ich möchte nah bei den Menschen bleiben.“

Alexander Schweitzer: „Verdienter Ruhestand für Volker Poß“

Ministerpräsident Alexander Schweitzer bezeichnete den heutigen Tag als einen „neuen Meilenstein für die Verbandsgemeinde Kandel“. In seiner Rede würdigte er Volker Poß als Bürgermeister, der „mit seiner ruhigen und überlegten Art stets eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit den Bürgern gefördert hat“. Schweitzer betonte, dass Poß als Politiker und Verwaltungschef auch parteiübergreifend das Wohl der Gemeinde immer in den Vordergrund stellte. „Es gibt nur wenige, die das so gut verstanden haben wie du.“

Ministerpräsident Alexander Schweitzer.
Foto: Pfalz-Express/Licht

Auch er erinnerte an die Zeiten der Demonstrationen in Kandel und Umgebung. Schweitzer schilderte, wie sich Bürger und auch er vor das Privathaus von Poß stellten, um die Familie zu schützen. „Solche Angriffe gehören nicht zur politischen Kultur“, sagte Schweitzer und wiederholte wie stets nachdrücklich, wie wichtig es sei, sich immer für die Demokratie einzusetzen.

Zum neuen Bürgermeister Mike Schönlaub äußerte Schweitzer: „Du passt bestens in diese Region. Ich bin überzeugt, dass du die richtigen Schritte gehen wirst.“

Landrat Brandl: „Vorbild in Verwaltung und interkommunaler Zusammenarbeit“

Landrat Martin Brandl machte deutlich, wie wichtig es ihm und seinen drei Beigeordneten (Christoph Buttweiler, Annette Kloos, Christian Völker) war, an diesem besonderen Tag teilzunehmen. Er lobte Volker Poß nicht nur als Vorbild in der Verwaltung, sondern auch als „Frisurvorreiter“ – ein humorvoller Hinweis auf Brandls eigene neue Glatze, die er seit einigen Monaten trägt. „Du warst ein Pionier in der interkommunalen Zusammenarbeit“, sagte Brandl und fügte hinzu, dass Poß immer ein zuverlässiger Partner gewesen sei – „und das sage ich als CDUler zu einem SPDler“.

Poß sei ein „guter, immer fairer Verhandler“ gewesen. Mit seiner persönlichen Art habe er die Kreispolitik erheblich mitgeprägt. „Herzlichen Dank dafür“, so Brandl.

Zu Mike Schönlaub sagte er: „Ich habe dich als BKI schon verabschiedet und schätze deine direkte, offene Art. Wir passen gut zusammen, und ich bin sicher, auch du wirst die Verbandsgemeinde prägen.“ Als Geschenk überreichte er ihm ein Schoppenglas aus dem Kreis Germersheim mit den Worten: „Wenn wir was zu besprechen haben, dann nehmen wir das mit.“ (mit Schorle gefüllt, versteht sich). Volker Poß erhielt drei Hüttengutscheine als Dankeschön.

Die Fraktionsvorsitzenden des Verbandsgemeinderats würdigten danach Volker Poß in kurzen, persönlichen Worten.

Ortsbürgermeister legen zusammen: Eine Kreuzfahrt im Norden 

Die Ortsbürgermeister der VG Kandel. Foto: Pfalz-Express/Licht

Der Bürgermeister der Ortsgemeinde Steinweiler, Michael Detzel (CDU) erinnerte mit einem Bildvortrag an die vielen gemeinsamen Projekte der letzten 16 Jahre und scherzte: „Du warst ein richtiger Puscher bei der Glasfaserverlegung.“ Poß habe immer den richtigen Paragrafen parat gehabt, was bei der Umsetzung zahlreicher Vorhaben sehr hilfreich gewesen sei.

Zusammen mit den anderen Ortsbürgermeistern der Verbandsgemeinde hatte Detzel ein besonderes Geschenk für Poß und seine Frau organisiert: eine Kreuzfahrt, um die nordischen Länder zu bereisen – ein langgehegter Wunsch von Poß. Dafür wurde in den Gemeindekassen ein Kassensturz gemacht und zusammengekratzt, was eben noch ging. Außerdem gab es ein selbstgebasteltes 3D-Bild, auf dem ein  Schiffchen und Muscheln abgebildet waren, als weiteres Erinnerungsstück.

Marcus Schaile (CDU), Bürgermeister von Germersheim und Vorsitzender der Kreisgruppe des Gemeinde- und Städtebunds, hielt seine Rede kurz und knackig: „Wir werden dich sehr vermissen“, sagte er zu Poß. Dann wünschte er ihm eine spektakuläre Reise mit den Hurtigruten: „Viel Spaß auf deiner Reise, genieße deinen Traumurlaub in vollen Zügen.“

Zu Alexander Schweitzer, dem Ministerpräsidenten, sagte Schaile augenzwinkernd: „Ein Sozialdemokrat geht, der nächste kommt. Das müsste dir doch gefallen!“

An Mike Schönlaub richtete er warme Worte: „Du bist ein geselliger, offener Mensch und ein hervorragender Netzwerker, der sich als Feuerwehrmann bereits durch Einsatzbereitschaft und Führungsqualitäten ausgezeichnet hat.“

Feuerwehr VG Kandel übernimmt Bewirtung und bedankt sich

Zum Abschluss des Abends betrat die Feuerwehr der Verbandsgemeinde Kandel mit ihrem Leiter Alexander Dietz die Bühne. Dietz sprach im Namen der rund 280 Feuerwehrleute der VG und bedankte sich bei Poß für dessen Unterstützung und Engagement in der Vergangenheit.

Er bedauerte, dass das geplante Bauprojekt der Feuerwehr während Poß‘ Amtszeit nicht abgeschlossen werden konnte, was vor allem dem unvorstellbaren Wust an Bürokratie und Vorschriften  in Behörden geschuldet sei. „Für mich als Geschäftsführer in der Privatwirtschaft unvorstellbar. Trotzdem haben wir vieles erreicht, und wir sind dankbar für die stets gute Zusammenarbeit“, so Ditz.

Zudem übernahm die Feuerwehr die Bewirtung des Abends und sorgte dafür, dass die Gäste bestens versorgt waren.

Zum Abschluss gabs noch eine Arie aus der Musikschule und ein Dankeschön von Volker Poß für die Hauptorganisatorinnen des Abends, Gabi Dries-Wüst, Sabine Bock und Christina Zeis. (cli) 

 

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