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Tragödie in Tai Po: Todesopfer nach Großbrand in Hongkonger Wohnkomplex steigen auf 55

Blick über Hongkong (Archiv)
Foto: via dts Nachrichtenagentur

Hongkong– Ein verheerender Brand in einem öffentlichen Wohnkomplex im Bezirk Tai Po hat sich zu der schlimmsten Feuersbrunst in Hongkong seit über 60 Jahren entwickelt.

Bis zum späten Abend stieg die Todeszahl auf mindestens 55 Menschen an, darunter ein Feuerwehrmann. Hunderte Bewohner gelten weiterhin als vermisst, während Rettungskräfte in den rauchenden Ruinen nach Überlebenden suchen.

Der Vorfall wirft schwere Fragen zur Brandsicherheit bei laufenden Renovierungsarbeiten auf.

Rasante Ausbreitung durch brennbare Materialien

Der Brand brach am Dienstagabend, dem 25. November, im Wang Fuk Court aus, einem Hochhauskomplex mit sieben Türmen, der über 4.000 Menschen beherbergt. Die Flammen breiteten sich in ungewöhnlicher Geschwindigkeit aus und umfassten schnell mehrere Gebäude.

Experten und Ermittler vermuten, dass Renovierungsarbeiten am Komplex eine fatale Rolle spielten: Bambusgerüste, Styroporplatten an Fenstern, schützende Netze und Plastikabdeckungen – allesamt potenziell brennbar – haben das Feuer angefacht. Die Gebäude aus den 1980er Jahren verfügen zudem über einfache Verglasungen, die nicht feuerresistent sind.

Bewohner berichteten, dass die Feueralarme während der Renovierung deaktiviert waren und Bauarbeiter Notausgänge blockierten. Einige Zeugen fanden Zigarettenkippen in der Nähe der Fenster, was auf Fahrlässigkeit hindeutet. Der Wind soll die Ausbreitung weiter begünstigt haben. Bis Donnerstagnachmittag konnten Feuerwehrleute die Flammen in vier der sieben Türme unter Kontrolle bringen, doch in den verbleibenden Gebäuden lodern noch vereinzelte Brände. Die Einsatzkräfte kämpfen mit extremen Temperaturen, einstürzenden Gerüsten und giftigem Rauch.

Hohe Zahl an Opfern und Vermissten

Von den 55 Toten starben 51 vor Ort, vier weitere erlagen ihren Verletzungen in Krankenhäusern. Mindestens 123 Personen wurden verletzt, darunter acht Feuerwehrleute; 17 befinden sich in kritischem Zustand. Unter den Opfern sind mindestens zwei indonesische Haushaltshilfen, weitere ausländische Arbeiter könnten betroffen sein.

Über 270 Menschen – frühere Schätzungen sprachen von 279 – bleiben unauffindbar. Familienangehörige warten verzweifelt in provisorischen Unterkünften auf Nachrichten. Rund 900 Bewohner wurden evakuiert und erhalten nun Unterstützung durch Sozialarbeiter und Freiwillige.

Schnelle Reaktion der Behörden und internationale Solidarität

Hongkongs Regierungschef John Lee eilte persönlich zum Schauplatz und ordnete umgehend Inspektionen aller Wohnanlagen mit laufenden Großen Renovierungen an. Ziel ist es, die Sicherheit von Gerüsten und Baumaterialien zu prüfen. Eine Taskforce soll die Ursachen klären, und die Kampagne für die Legislativwahlen am 7. Dezember wurde ausgesetzt, um den Fokus auf Hilfsmaßnahmen zu legen. Chinas Präsident Xi Jinping forderte „alle Anstrengungen“, um weitere Opfer zu vermeiden, und schickte 2 Millionen Yuan (ca. 280.000 US-Dollar) über das Rote Kreuz.

Internationale Stimmen solidarisieren sich: Das US-Konsulat, die britische Außenministerin Yvette Cooper, das japanische Konsulat und Taiwans Präsident Lai Ching-te drückten ihr Beileid aus. Spenden fließen reichlich, darunter 30 Millionen Hongkonger Dollar von der Jack-Ma-Stiftung. Tierrettungskräfte bargen zudem über ein Dutzend Haustiere, darunter Katzen, Hunde und Schildkröten.

Ermittlungen und Festnahmen

Die Polizei hat eine Strafuntersuchung eingeleitet und drei Vertreter der Baufirma – zwei Direktoren und einen Ingenieurberater – wegen fahrlässiger Tötung und grober Fahrlässigkeit festgenommen.

Die Unabhängige Korruptionsbekämpfungskommission (ICAC) prüft zudem mögliche Korruption bei den Renovierungsarbeiten. Polizeichefin Eileen Chung warf der Firma vor, durch unsichere Materialien zu massiven Verlusten beigetragen zu haben. Die Untersuchung konzentriert sich auf die Einhaltung von Brandschutzvorschriften, einschließlich des Verbots brennbarer Netze und Platten.

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