
Foto: Sascha Epple
Haßloch. Im Rahmen des 65-jährigen Partnerschaftsjubiläums zwischen Haßloch und der französischen Stadt Viroflay wurde in der St. Gallus-Kirche eine Ausstellung über das Leben von Abbé Franz Stock (1904–1948) eröffnet.
Der feierliche Eröffnungsgottesdienst, geleitet vom emeritierten Weihbischof Otto Georgens, stand ganz im Zeichen der deutsch-französischen Versöhnung und des europäischen Friedensgedankens.
In seiner Predigt würdigte Weihbischof Georgens das aufopferungsvolle Wirken des deutschen Priesters, der während der deutschen Besatzung in Paris als Seelsorger in Gefängnissen wirkte und rund 2.000 zum Tode Verurteilte auf ihrem letzten Weg begleitete. Georgens beschrieb, wie Stock mitten im grausamen System der Besatzung ein helles Zeichen setzte: „Mitten im anonymen Gefängnisbetrieb, der keine Individuen mehr kennt, suchte Stock gerade dem Einzelnen zu helfen.
Er prägte sich unermüdlich Gesichter und Namen ein, notierte Bitten und Wünsche.“ Stocks Vermächtnis sei ein bleibendes Programm für Europa: „Auf dem Mont Valérien begab sich ein deutscher Priester mit den zum Tod Verurteilten auf den Weg der Versöhnung – Versöhnung durch Menschlichkeit, Versöhnung durch Nächstenliebe.“
Bürgermeister Tobias Meyer schlug in seiner Ansprache eine Brücke in die Gegenwart: Angesichts weltweiter Konflikte sei Stocks Botschaft aktueller denn je. „Wo Politik und Waffen versagen, schlägt die Stunde der Menschlichkeit“, so Meyer. Als offizieller Vertreter der Partnergemeinde war der Stadtrat aus Viroflay, Gabriel Kauffmann, angereist. Er betonte in seinem Grußwort die bleibende Verantwortung, die europäische Freundschaft lebendig zu halten und aktiv an die Jugend weiterzugeben.
Die Wanderausstellung „Versöhnung durch Menschlichkeit“ ist der Auftakt zu weiteren Jubiläumsaktivitäten. Sie wird in den kommenden Wochen auch im Rathaus sowie an den weiterführenden Haßlocher Schulen (aktuell: Siebenpfeiffer Realschule Plus) gezeigt. (Jürgen Vogt)