
Kapitol in Washington.
Foto: dts Nachrichtenagentur
Bei den US-Zwischenwahlen 2026, bei denen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus, 35 der 100 Senatssitze sowie 39 Gouverneure in 36 Bundesstaaten und drei Territorien (neben zahlreichen regionalen und lokalen Wahlen) zur Abstimmung standen, haben die Demokraten laut Prognosen von CNN, Fox News und dem Analysedienst Decision Desk die Mehrheit in beiden Kammern des Kongresses übernommen.
Im Repräsentantenhaus, wo die Republikaner zuvor nur fünf Sitze Vorsprung hatten, sichern sich die Demokraten die Kontrolle. Im Senat, den die Republikaner bislang mit 53 zu 47 Sitzen dominierten, erreichen die Demokraten mindestens 51 Sitze und damit die Mehrheit (ein Nettogewinn von mindestens vier Sitzen war nötig; bei 50:50 hätte Vizepräsident JD Vance den Ausschlag gegeben).
Zu den Erfolgen zählt unter anderem der Gewinn des Senatssitzes in North Carolina durch den früheren Gouverneur Roy Cooper. Die Demokraten setzten sich auch in traditionell republikanischen Hochburgen durch, darunter South Carolina (das Trump 2024 mit 18 Punkten Vorsprung gewonnen hatte), Texas (mit James Talarico – dort seit 1994 kein demokratischer Erfolg) und Kansas (seit 1932 ohne demokratischen Senator).
Der Wahlkampf war vor allem von der Inflation geprägt (steigende Preise für Benzin, Lebensmittel und Gesundheitsversorgung) sowie von Themen wie Korruption, sozialer Ungleichheit, der Entwicklung der Demokratie, staatlicher Überwachung, der Außenpolitik der Trump-Regierung und den Auswirkungen künstlicher Intelligenz (Arbeitsplatzverluste, Rechenzentren und Umweltfolgen). Viele Wähler zeigten sich unzufrieden, insbesondere wegen hoher Energiepreise.
Die Midterms gelten als wichtige Zwischenbilanz von Donald Trumps zweiter Präsidentschaft. Trump hatte im Vorfeld versucht, durch eine Neuziehung von Wahlkreisgrenzen die Chancen der Republikaner zu verbessern – dies scheiterte vielerorts. Zudem versprach er jedem erwachsenen Amerikaner 5.000 US-Dollar, falls die Republikaner beide Kammern gewinnen würden (geschätzte Kosten rund 1,25 Billionen US-Dollar).
Die Niederlage wies er von sich: „Ich stand nicht auf dem Wahlzettel – und wäre ich darauf gestanden, hätten wir mit einem Erdrutschsieg gewonnen.“ Historisch verlieren die Parteien amtierender Präsidenten bei Zwischenwahlen meist Sitze; Ausnahmen waren 1998 unter Bill Clinton und 2002 unter George W. Bush.
Ab Januar dürfte die demokratische Mehrheit erhebliche Auswirkungen haben: Die Demokraten könnten Trumps Justiznominierungen und Kabinettsbesetzungen blockieren, Untersuchungen einleiten, Vorladungen aussprechen und einen Großteil seiner Gesetzesvorhaben verhindern. Chuck Schumer wird voraussichtlich John Thune als Mehrheitsführer im Senat ablösen.