
Symbolbild: Pfalz-Express
Vier Wochen auf einen Arzttermin warten, um ein Folgerezept zu bekommen, das der Hausarzt in zwei Minuten ausstellt. Wer das mal erlebt hat, versteht, warum immer mehr Patienten in Deutschland Medikamente online bestellen. Aber darf man das überhaupt? Und wie kommt man an ein Rezept, ohne in einer Praxis zu sitzen?
Die kurze Antwort: Ja, das ist legal. Die längere Antwort ist etwas komplizierter.
Seit wann gibt es den Online-Arzt in Deutschland?
Der Versandhandel mit Arzneimitteln ist seit 2004 erlaubt. Bis 2018 musste man für ein Rezept aber trotzdem persönlich beim Arzt gewesen sein. Dann hat die Bundesärztekammer auf ihrem 121. Ärztetag in Erfurt das sogenannte Fernbehandlungsverbot gelockert. Seitdem dürfen Ärzte auch per Telemedizin Diagnosen stellen und Rezepte ausstellen, wenn sie es medizinisch verantworten können.
In der Praxis heißt das: Ein zugelassener Arzt darf ein Privatrezept ausstellen, nachdem er einen Patienten per Videosprechstunde oder über einen medizinischen Fragebogen beurteilt hat. Der Patient muss dafür nicht in der Praxis gewesen sein. Das Rezept wird dann von einer Partnerapotheke eingelöst und das Medikament verschickt.
Seit Januar 2024 ist außerdem das E-Rezept Pflicht. Für gesetzlich Versicherte läuft der Großteil der Verschreibungen inzwischen digital über die elektronische Gesundheitskarte. Bei telemedizinischen Anbietern geht es in der Regel um Privatrezepte, die der Online-Arzt nach der Konsultation ausstellt.
Wie läuft so eine Online-Bestellung ab?
Der Ablauf ist bei den meisten telemedizinischen Plattformen ähnlich. Man wählt eine Behandlung, füllt einen medizinischen Fragebogen aus, und ein zugelassener Arzt prüft die Angaben. Wenn die Behandlung medizinisch vertretbar ist, wird ein Privatrezept ausgestellt. Eine Partnerapotheke verschickt das Medikament, meistens per DHL am nächsten Werktag.
Bei der Online-Apotheke Apo 365 [1]kommt vor dem Fragebogen noch eine Identitätsprüfung dazu. Die Lieferung geht in neutraler Verpackung raus, ohne Hinweis auf den Absender oder den Inhalt. Für Patienten, die Medikamente zum Beispiel gegen erektile Dysfunktion oder Antidepressiva bestellen, ist das ein Punkt, der den Unterschied macht zwischen „ich bestelle“ und „ich lasse es lieber.“
Woran erkennt man, ob eine Online-Apotheke legal arbeitet?
Nicht jeder Anbieter im Internet ist seriös. Die WHO schätzt, dass bis zu 50 Prozent der online verkauften Medikamente gefälscht sind, wenn sie aus nicht verifizierten Quellen stammen. In der EU gibt es aber klare Regeln.
Jede legale Online-Apotheke muss seit 2015 das EU-Sicherheitslogo auf ihrer Website tragen. Ein Klick darauf führt zum Versandapothekenregister beim BfArM (Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte). Dort kann man prüfen, ob der Anbieter tatsächlich zugelassen ist.
Ein paar Warnsignale, bei denen man den Tab schließen sollte: kein Impressum, keine Rezeptpflicht bei verschreibungspflichtigen Mitteln, Preise weit unter Marktniveau. Wer Antibiotika in den Warenkorb legen kann, ohne eine einzige Frage zu beantworten, ist auf der falschen Seite gelandet.
Bei Apo 365 etwa wird jede Bestellung von einem zugelassenen Arzt geprüft, und es gibt Fälle, in denen Rezepte abgelehnt werden. Auf Trusted Shops hat der Anbieter über 250 verifizierte Bewertungen mit einem Schnitt von 4,73 von 5 Sternen. Kunden erwähnen dort vor allem zwei Dinge: schnelle Lieferung, einfacher Ablauf. Vereinzelt gibt es Kritik am Kundenservice bei Rückfragen.
Für welche Behandlungen eignet sich der Online-Arzt?
Nicht für alles. Einen Fragebogen auszufüllen ist kein Ersatz für eine körperliche Untersuchung. Bei unklaren Symptomen, chronischen Erkrankungen oder Notfällen muss man weiterhin in die Praxis.
Wo telemedizinische Rezepte Sinn ergeben: Folgerezepte für Medikamente, die man bereits kennt. Behandlungen bei klar umrissenen Beschwerden. Und Themen, die man ungern im Wartezimmer bespricht. Bei erektiler Dysfunktion oder psychischen Beschwerden gehen viele Betroffene lieber gar nicht zum Arzt, als das Thema anzusprechen. Ein Online-Fragebogen ist vielleicht nicht perfekt. Aber er ist besser als gar keine Behandlung.
In Rheinland-Pfalz, wo in ländlichen Gemeinden die nächste offene Praxis manchmal eine halbe Stunde Autofahrt entfernt liegt, ist das keine abstrakte Überlegung.
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