
Notrufsäulen vor dem Aus?
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin. Das Bundesverkehrsministerium prüft offenbar, ob man das bewährte Notrufsäulen-System an deutschen Autobahnen abspecken oder gar weitgehend abschaffen kann – und das, obwohl es um elementare Verkehrssicherheit geht.
Die „Rheinische Post“ berichtet, dass Staatssekretär Christian Hirte (CDU) in einer parlamentarischen Antwort die stark rückläufigen Notrufzahlen als Begründung anführt. Weil „Mobilfunk weit verbreitet“ sei, würden die Säulen „kaum noch genutzt“.
Deshalb wolle man Kosten sparen, verspreche aber gleichzeitig, das Sicherheitsniveau zu halten – ein Versprechen, das in der Praxis oft hohl klingt. Ein Sprecher der Autobahn GmbH bestätigt die Prüfung und verweist auf das eCall-System und die omnipräsente Handynutzung.
Doch die Argumentation wirkt verkürzt: Was ist mit Streckenabschnitten ohne stabilen Empfang, mit leeren Akkus, mit Unfallopfern, die ihr Handy nicht mehr bedienen können, oder mit älteren Fahrzeugen ohne eCall?
Genau für solche Fälle waren die Notrufsäulen einst als zuverlässige Notfallinfrastruktur gedacht – unabhängig von privaten Geräten und Netzbetreibern. Bundesweit stehen noch rund 17.000 dieser Säulen.
Die Kosten für Betrieb, Wartung und die Notrufzentrale sanken laut Autobahn GmbH von 8,2 Millionen Euro (2024) auf geplante 4,5 Millionen Euro (2025). Angesichts eines Milliarden-Etats im Verkehrsressort wirken diese Beträge bescheiden.
Die Frage drängt sich auf: Ist hier wirklich eine sorgfältige Abwägung von Sicherheit und Effizienz im Gange – oder eher der typische Reflex, bei sichtbaren, aber nicht lautstarken Infrastrukturen zu sparen, während man gleichzeitig teure Prestigeprojekte vorantreibt? (dts Nachrichtenagentur/desa)
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