
Quelle: Hekma Verlag
Neustadt. Wer als Pfälzer schon mal versucht hat, Goethes Faust im Original zu lesen, kennt das Gefühl: Respekt, Ehrfurcht – und manchmal ein leises Grausen vor der Sprachgewalt und der Länge des Klassikers.
Der Neustadter Autor Klaus Gröschel hat genau dieses Problem auf pfälzische Art gelöst: Er hat den Faust nicht nur übersetzt, sondern ihn kurz, knackig und herzerwärmend in die Muttersprache der Pfalz gebracht.„De Fauscht uff Pälzisch“ ist keine wörtliche, trockene Übertragung, sondern eine liebevolle, witzige und sehr lebendige Adaption, die den Geist des Originals bewahrt – nur dass sie plötzlich klingt, als würde ein pfiffiger Neustadter oder Maikammerer am Stammtisch oder in der Schulstunde davon erzählen.
Die berühmten Zeilen wie „Hennerich, mer grauts vor deer“ (statt des klassischen „Heinrich, mir grauts vor dir“) oder andere markante Stellen bekommen durch den pfälzischen Ton eine ganz eigene, erdige Wärme und oft einen zusätzlichen Schuss Humor.
Der Hekma Verlag schreibt in seiner Presseinfo treffend: „Die Bibel auf Pfälzisch schätzt man schon lange. Mit dem ‚Fauscht uff Pälzisch‘ will der Autor Klaus Gröschel nun auch den bedeutendsten Klassiker der deutschen Literatur den Lesern näherbringen – denen, die ‚de Fauscht‘ bisher immer nur respektiert, aber nie richtig ins Herz geschlossen haben.“
Genau das gelingt dem Buch hervorragend. Es macht den Faust zugänglich, ohne ihn zu verharmlosen oder zu verfälschen. Die philosophischen Tiefen, die Tragik und das Menschliche bleiben erhalten, nur dass sie plötzlich nicht mehr über einem schweben, sondern direkt neben einem am Tisch sitzen.
Besonders charmant sind die Illustrationen, die Gröschel selbst mit Unterstützung von KI erstellt hat. Sie geben dem Ganzen eine zusätzliche, leicht skurrile und sehr pfälzische Note.
Zur Vita des Autors
Klaus Gröschel ist kein klassischer „Literat“ im Elfenbeinturm, sondern ein Mann der Praxis: Gut 30 Jahre lang war er Deutschlehrer am Käthe-Kollwitz-Gymnasium in Neustadt an der Weinstraße. Generationen von Schülern haben bei ihm Goethe, Schiller und vor allem den Faust kennengelernt – nicht als Pflichtstoff, sondern als etwas, das man wirklich „ans Herz gelegt“ bekommt.
Gröschel hat es immer verstanden, die großen Texte der deutschen Literatur lebendig und relevant zu machen. Viele seiner ehemaligen Schüler werden bestätigen: Wer bei ihm Faust hatte, hat ihn nie wieder ganz vergessen. Neben seiner Lehrtätigkeit hat Gröschel schon früher Bücher veröffentlicht, darunter Erinnerungen an seine eigene Schulzeit und das pfälzische Schulwesen („Prüfungen und andere Verhängnisse“).
Mit De Fauscht krönt er gewissermaßen sein Lebenswerk: Er bringt den größten deutschen Klassiker dorthin zurück, wo er für viele Pfälzer eigentlich hingehört – in die eigene Sprache, in die eigene Lebenswelt.
Fazit
De Fauscht – uff Pälzisch-korz unn knackich ist ein kleines Juwel für alle, die die Pfalz und ihre Sprache lieben, für Goethe-Fans, die mal eine erfrischende Perspektive suchen, und besonders für alle, die den Faust bisher „schon immer mal lesen wollten“, aber nie richtig reingekommen sind.
Klaus Gröschel hat nicht nur übersetzt – er hat den Faust heimgeholt. Und das mit so viel Witz, Herz und pfälzischem Charme, dass man am Ende fast denkt: So oder so ähnlich hätte Goethe selbst vielleicht erzählt, wenn er in Neustadt oder Maikammer aufgewachsen wäre.
Info
Klaus Gröschel
De Fauscht uff Pälzisch – korz unn knackich
ISBN: 978-3-946024-06-4
Hekma Verlag
14,95 Euro
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