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Müll in Zeiskam und Lustadt: Anhaltende Probleme bei der Abfuhr sorgen für Ärger

Müll am Kirwesonntag in Zeiskam
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Kreis Germersheim. Der Pfalz-Express recherchiert derzeit zu den anhaltenden Problemen bei der Müllabfuhr in Zeiskam und anderen Orten im Landkreis Germersheim.

Besonders betroffen sind die regulären Freitags-Touren in Zeiskam, bei denen Restmüll, gelbe Säcke und Papier eigentlich abgeholt werden sollen. In der Praxis bleibt der Müll jedoch immer wieder über das gesamte Wochenende am Straßenrand liegen.

Besonders auffällig und belastend war die Situation während der diesjährigen Kerwe vom 28. bis 31. August 2026. Viele Anwohner regten sich öffentlich darüber auf, dass der Müll trotz des Festbetriebs mit Hausflohmärkten und zahlreichen Gästen tagelang stehen blieb und erst am Montag abgeholt wurde.

Ortsbürgermeisterin Susanne  Lechner sprach das Thema sogar bei der Kerweeröffnung am Freitag von der Bühne herunter gegenüber der anwesenden Kreisbeigeordneten Anette Kloos an. Auch aktuell und in den vergangenen Monaten kommt es weiterhin regelmäßig zu Ausfällen bzw. deutlichen Verzögerungen – unter anderem dokumentiert bei Biotonnen und gelben Säcken.

Das Problem beschränkt sich nicht nur auf Zeiskam. Auch in Lustadt lagen am Sonntag, dem 20. September 2026, stapelweise gelbe Säcke am Straßenrand und waren nicht abgeholt worden.

Viele Bewohner empfinden dies als Verschandelung der Orte. Besucher wundern sich, zumal sich Orte gerade am Wochenende von ihrer besten Seite zeigen sollten.

Gelbe Säcke am Sonntag, 20. September in der Lustadter Hauptstraße.
Foto: Pfalz-Express/Ahme

Die Kreisverwaltung Germersheim beantwortete auf Anfrage einige Fragen zu den Vorgängen:

Warum fallen die Freitags-Touren in Zeiskam so häufig aus?

Insgesamt gab es über das Jahr einige Verzögerungen im Kreisgebiet. Eine Häufung der Ausfälle speziell in Zeiskam sei nicht bekannt. Als Ursachen benennt der Auftragnehmer PreZero Personalengpässe und technische Defekte an Fahrzeugen.

Die Kreisverwaltung nehme diese Störungen ernst und arbeite mit PreZero an Verbesserungen.

Welche Maßnahmen ergreifen Sie bzw. der Auftragnehmer PreZero, um die Zuverlässigkeit der Abholung nachhaltig zu verbessern?

Die Verwaltung stehe in engem Austausch mit PreZero, um die Abläufe zu stabilisieren. PreZero sei vertraglich zur Leistungserbringung verpflichtet und arbeite intern daran, personelle und technische Ausfälle künftig besser zu kompensieren.

Die Kreisverwaltung prüfe ihre vertraglichen Optionen, bevorzuge aber eine einvernehmliche Lösung und gebe dem Entsorger im Rahmen der Verhältnismäßigkeit Raum zur Nachsteuerung.

Wie bewerten Sie die Situation während der Kerwe und die Beschwerden der Anwohner?

Der Kreisverwaltung lägen keine konkreten Beschwerden zur Kerwe in Zeiskam vor. PreZero sei angewiesen worden, bei absehbaren Verzögerungen Kommunen mit Festwochenende vorrangig zu berücksichtigen. Ziel sei es, solche Situationen von vornherein zu vermeiden.

Statement Susanne Lechner, Bürgermeisterin Zeiskam:

„Dass der Kreisverwaltung keine konkreten Beschwerden vorliegen, bedeutet keineswegs, dass es keine gab. An die Gemeindevertreter wurden bereits etliche Beschwerden herangetragen. Wir hatten in diesem Jahr schon etliche Male eine Verzögerte Abholung ( egal ob Glas, Gelbe Säcke, Restmüll oder Biomüll) und hier kann man durchaus von Häufung sprechen. Gerade weil wir Freitagsleerung haben, fällt eine Verzögerung gleich drei Tage ins Auge. Speziell am Kirwewochenende war der Unmut in Zeiskam groß, weil es einfach kein schöner Anblick war und zwei Wochen später schon wieder keine Abholung erfolgte ( Gelbe Säcke statt Freitag , Abholung am Montag und Biotonne erst wieder eine Woche später und leider nicht in allen Straßen). Eine bevorzugte Berücksichtigung von Kommunen mit Festwochenende gab es leider in unserem Fall hier nicht. Die Bürger und die Gemeinde würden es sehr begrüßen, wenn die Abholung wieder regelmäßig und ohne Verzögerung erfolgt.“

Frage an unsere Leser im Kreis Germersheim: Welche Erfahrungen haben Sie mit der Müllentsorgung gemacht? Berichten Sie uns – wir setzen die Recherche fort (redaktion@pfalz-express.de)

Anwohnerin aus Lustadt meldet sich

Eine Anwohnerin aus Lustadt hat sich am 21. September bei uns mit ihren Erfahrungen bezüglich Müll gemeldet. Hier ihr ungekürzter Kommentar: „Wir wohnen seit etwa 1 1/2 Jahren in Lustadt, um genau zu sein im Unterdorf. Ich beobachte die Situation mit der unpünktlichen Abholung des Mülls jetzt schätzungsweise schon ein halbes Jahr und ich muss sagen, ich habe bisher in keinem Ort, in dem ich gewohnt habe, ein solches Chaos mit der Müllabfuhr erlebt, wie hier.

Mit Entsetzen muss ich lesen, der Kreisverwaltung lägen keine konkrete Beschwerden vor, dies kann ich so nicht bestätigen. Ich selbst habe bestimmt schon 2 oder 3 mal mit entsprechender Stelle telefoniert um zu fragen, wann der Müll denn letztendlich abgeholt werden soll. Mir wurde gesagt es muss mit dem Unternehmen telefoniert werden und man ruft mich zurück. Das ist tatsächlich auch geschehen, kann aber auch nicht die Lösung des Problems sein.

Witzig finde ich, dass man durch eine Kommunikation der Einwohner des Kreises Germersheim via Facebook dann erfährt, dass die Tonnen im Oberdorf wie angekündigt abgeholt werden, der Müll im Unterdorf aber noch Tage länger stehen bleibt, bis eine Abholung erfolgt. Ebenso witzig finde ich die Anweisung, man solle Müll doch in Kartons oder Papiertüten sammeln und bei stellen, das würde mitgenommen werden.

Darüber denkt aber niemand nach. Faktisch ist es so, dass Kartons oder Tüten einfach früher oder später durch weichen. Dieser „Siff“, welcher dann auch lecker riecht, verteilt sich dann auf dem eigenen Grundstück oder sogar dem Gehweg. Über eine eventuelle Reinigung wird sich keine Gedanken gemacht. Wer trägt die Kosten hierfür? Wer trägt die Kosten für die Papiertüten? Wer trägt die Kosten für Fliegenfänger? Richtig, die Anwohner.

Wenn wir dann beim Thema Kosten sind: Eine Abbuchung der Gebühr erfolgt fristgerecht, die Abrechnung, die am Ende des Wirtschaftsjahres kommt, ist fristgerecht zu zahlen. Ist es aber nicht so, dass wir eine Dienstleistung bezahlen? Eine Dienstleistung, die ständig verschoben werden muss und langsam in einen Bereich der Unzumutbarkeit fällt? 

Ich habe allein über das vergangene Wochenende mehrere Fußgänger und Fahrradfahrer, welche mit Kindern unterwegs waren, beobachten können, die sich darüber beschweren, dass die Tonnen auf dem Gehweg stehen. Laut Anweisung sollte das aber so gemacht werden.

Die Push Benachrichtigung der App besagte: „Lassen Sie die Tonne draußen stehen“. Andernfalls wäre man täglich damit beschäftigt, die Tonne von A nach B zu fahren. Das mag ein Aufwand von wenigen Minuten sein, die mir aber auch niemand bezahlt. Es wird erwartet, dass das gemacht wird, so erwarte ich aber auch, dass die Dienstleistung pünktlich erbracht wird.

Bei Facebook habe ich auch gelesen, dass sich Wildtiere, wie Marder, über die Plastiksäcke her gemacht haben. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das für Natur und Umwelt so gut ist.

Wenn ich als Unternehmen doch so einen massiven Personalmangel habe, dann gebe ich entweder Aufträge ab, oder sollte mal ganz dringend und grundlegend darüber nachdenken, warum mir das Personal (angeblich, man kann es nach so langer Zeit einfach nicht mehr glauben, das Unternehmen macht sich nur noch lächerlich) fehlt und kein neues Personal nach kommt. 

Stellen Sie sich folgende Situation vor: Es ist Sommer, es herrschen draußen annähernd 40 Grad. Unter Ihrem Wohnzimmerfenster sammeln sich insgesamt 5 Biotonnen, deren Abholung sich verzögert. Klingt nicht nur übel, riecht dann auch so. Das sind beinahe mittelalterliche Verhältnisse, fehlt nur noch, dass der Müll im Straßengraben abgelegt wird.

Gestern habe ich in der Biotonne noch etwas entsorgen müssen, nachdem diese dann 2 1/2 Wochen nicht abgeholt worden ist, hat es absolut keinen Spaß mehr gemacht die Tonne überhaupt öffnen zu müssen. Der Geruch heute morgen, der nach der Abholung dann durch die Straße zog, das möchten Sie sich nicht ausmalen.“ 

Es wird Zeit, dass sich was ändert. Wie lange soll den noch auf eine Änderung der Unternehmensstruktur gewartet werden, bis man sich nach einem anderen Unternehmen umschaut? Wie lange sollen noch die vollen Kosten von den Bürgern getragen werden? Muss es soweit kommen, dass der Müll noch selbst zur Deponie gefahren werden muss? Fragen über Fragen, die niemand beantworten kann und möchte. Ich denke ein Entgegenkommen der Gemeindeverwaltung wäre hier durchaus mal angebracht, man wird sonst immer nur vertröstet und unterm Strich tut sich nichts.“