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Martin Oswald warnt: „Wenn die Brennereien verschwinden, verlieren auch unsere Streuobstwiesen“

Martin Oswald
Foto: Privat

Freckenfeld/Koblenz –  Streuobstwiesen, kleine Brennereien und Mostereien gehören seit Generationen zum Bild der Pfalz. Doch genau diese Verbindung aus Landwirtschaft, Artenvielfalt und traditionellem Handwerk sieht Martin Oswald durch steigende bürokratische und steuerliche Belastungen unter Druck.

Der selbstständige Landwirt und Winzer aus Freckenfeld fordert deshalb Rahmenbedingungen, die Nutzung und Naturschutz miteinander verbinden. Oswald weiß dabei aus eigener Erfahrung, wovon er spricht. Seit 2003 führt er einen landwirtschaftlichen Familienbetrieb mit Schwerpunkt Wein- und Ackerbau. Politisch ist er Beigeordneter der Verbandsgemeinde Kandel mit dem Geschäftsbereich Umwelt und Landwirtschaft, Mitglied des Gemeinderats Freckenfeld und des Verbandsgemeinderats Kandel.

Darüber hinaus ist er weinbau- und agrarpolitischer Sprecher der FREIEN WÄHLER Kreisvereinigung Germersheim und wirtschaftspolitischer Sprecher der FREIEN WÄHLER Rheinland-Pfalz.

Damit verbindet Oswald berufliche Praxis und mehrere politische Funktionen und rückt beim Thema Streuobstwiesen einen Punkt in den Mittelpunkt, der aus seiner Sicht häufig zu kurz kommt: Eine Kulturlandschaft bleibt nicht allein dadurch erhalten, dass Bäume gepflanzt werden. Sie müsse gepflegt, geerntet und wirtschaftlich genutzt werden, so Oswald.

„Streuobstwiese, Brennerei und Landwirtschaft gehören zusammen“

Ausgangspunkt ist ein Antrag der FREIEN WÄHLER im Kreistag Bernkastel-Wittlich. Gefordert werden bessere Rahmenbedingungen für Klein- und Obstbrennereien und damit zugleich für den dauerhaften Erhalt regionaler Streuobstwiesen.

Die Partei wendet sich gegen zusätzliche Belastungen für Abfindungsbrennereien und Stoffbesitzer sowie gegen eine Erhöhung des ermäßigten Alkoholsteuersatzes. Kritisch sieht sie außerdem die ab Januar 2027 vorgesehene verpflichtende digitale Abfindungsanmeldung, wenn diese insbesondere ältere Obstbesitzer vor zusätzliche Hürden stellt.

Für Oswald ist das keineswegs nur eine Diskussion über Spirituosen oder Steuern. Es gehe um die Frage, ob sich die Bewirtschaftung von Streuobstwiesen auch künftig noch lohnt. „Streuobstwiesen sind ein Schatz der Artenvielfalt – Brennereien helfen, sie zu erhalten. Deshalb müssen wir die Brennkunst als regionales Kulturgut schützen“, erklärt Oswald in der Mitteilung der FREIEN WÄHLER.

Seine Sorge: Werden Verarbeitung und Vermarktung des Obstes immer schwieriger, könne auch der wirtschaftliche Anreiz sinken, alte Bestände dauerhaft zu pflegen und zu bewirtschaften.

Oswald: Es geht um mehr als Bürokratie

Für den Landwirt und Kommunalpolitiker berührt die Diskussion deshalb gleich mehrere Bereiche: Artenvielfalt, regionale Wertschöpfung, Landwirtschaft, Mittelstand und den Erhalt traditionellen Handwerks. Die handwerkliche Brennkunst ist zudem als immaterielles Kulturerbe anerkannt. Das Wissen über Obstanbau, Reife, Gärung und Destillation wird vielfach über Generationen weitergegeben.

Oswald warnt deshalb davor, kleine Betriebe mit immer neuen Vorgaben wirtschaftlich an ihre Grenzen zu bringen. Seine Forderung ist, politische Entscheidungen stärker an den praktischen Folgen für die Menschen und Betriebe im ländlichen Raum auszurichten. „Wir dürfen nicht zulassen, dass bürokratische und steuerliche Belastungen am Ende dazu führen, dass Brennereien und Mostereien schließen und unsere Streuobstwiesen verschwinden“, so Oswald. Für ihn gehe es dabei um „Artenvielfalt, Kulturlandschaft und ein jahrhundertealtes Handwerk“.

Damit macht der Freckenfelder Landwirt das Thema zu einer grundsätzlichen Frage für den ländlichen Raum: Wer Kulturlandschaft erhalten will, müsse auch den Menschen und Betrieben eine Perspektive geben, die diese Landschaft bewirtschaften und erhalten.

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