
Quelle: Claudia Weissert
Worms. Als vor 500 Jahren die erste Übersetzung des Neuen Testaments ins Englische die Wormser Druckerei Peter Schöffers des Jüngeren verließ, sollte dieses unscheinbare Büchlein „made in Worms“ der englischen Reformation einen entscheidenden Impuls geben.
Das Museum der Stadt Worms im Andreasstift widmet dem Übersetzer des Testaments, William Tyndale, vom 26. September 2026 bis 10. Januar 2027 eine Sonderausstellung und zeichnet nach, wie Worms zur Ideenschmiede reformatorischer Vorstellungen wurde.
Im Fokus der Sonderausstellung stehen neben der weltweit einzigartigen vollständigen Erstausgabe auch weitere zeitgenössische Exponate, die Tyndales Weg nach Worms bis zu seinem Ende als Opfer der englischen Zensur beleuchten. Aufgrund der internationalen Relevanz des Themas wird die Ausstellung auch in englischer Sprache erschlossen.
„Made in Worms“ steht nicht auf dem unscheinbaren gedruckten Büchlein, das 1526 die Druckwerkstatt von Peter Schöffer dem Jüngeren verlässt – weder sein Verfasser William Tyndale noch der Entstehungsort werden genannt.
Erst als in Stuttgart 1996 ein vollständiges Exemplar entdeckt wurde, konnte zweifelsfrei nachgewiesen werden, dass Worms als Ideenschmiede und Wegbereiter der „Tyndale“-Bibel gilt, welche die Reformation der englischen Kirche und die englische Sprache maßgeblich beeinflussen sollte.
Für die Verbreitung der Vision einer allgemeinverständlichen Bibel gingen William Tyndale und auch der Wormser Drucker Peter Schöffer erhebliche Risiken ein, denn der Einflussbereich der englischen Zensurbehörden reichte bis auf das europäische Festland. Die Untergebenen König Heinrichs VIII. ließen Tyndale schließlich öffentlich hinrichten, konnten der Verbreitung seiner Ideen über seinen Tod hinaus jedoch nichts entgegensetzen: Seine Gedanken und seine Übersetzung, die zahlreiche Wortneuschöpfungen im Sprachgebrauch etablierte, hallen bis heute, auch noch 500 Jahre später, im englischen Kollektivgedächtnis nach.
Die einzigartige Geschichte Tyndales nahm dabei nicht zufällig ihren Anfang in Worms, wie Dr. Olaf Mückain, wissenschaftlicher Leiter des Museums Andreasstift betont: „Worms galt als Sammelpunkt reformatorischer Gedanken und wurde nicht zuletzt der Schauplatz einschneidender Ereignisse wie etwa dem Auftritt Martin Luthers vor dem Wormser Reichstag fünf Jahre vor dem Druck der Tyndale-Bibel.
Die Reformation ist daher eng mit der Stadtgeschichte verknüpft und durch Denkmäler bis heute im öffentlichen Raum sichtbar. Die neue Sonderausstellung gewährt Einblicke in diese prägende Zeit und verdeutlicht die Verflechtungen der Wormser Stadtgeschichte mit der „Weltgeschichte“: Besucher erleben die Geschichte des idealistischen Theologen Tyndale und des Druckmeisters Peter Schöffer, die ein Buch verbreiteten, dessen unscheinbares Äußeres nichts über die Brisanz des Inhalts vermuten lässt, aber dennoch den Zorn englischer Zensurbehörden und eines skrupellosen Königs auf sich zog.“
Geschichte „Made in Worms“
Im Fokus der Ausstellung steht die weltweit einzige vollständig erhaltene Erstausgabe der Tyndale-Bibel, die nach 500 Jahren an ihren Entstehungsort Worms zurückkehrt und Eindrücke aus der prägenden Zeit der Reformation gewährt. Weitere Exponate aus dieser Zeit führen durch das Leben Tyndales – von seiner Zeit in Worms bis zu seinem Ende als Opfer der englischen Zensur.
Mit der neuen Sonderausstellung erhält erneut ein reformatorisches Thema Einzug in das Museum Andreasstift, wie Oberbürgermeister Adolf Kessel ausführt: „Nach der Landesausstellung 2021, die an Luthers Auftritt in Worms erinnerte, beleuchtet die neue Sonderausstellung mit dem Thema Druck und Verbreitung der Tyndale-Bibel wiederum ein wichtiges Ereignis der Reformation in Worms, welches sich nun zum fünfhundertsten Mal jährt.
Es ist wichtig, dass die Reformation in Worms auch museal erlebbar wird – denn Worms ist eben nicht nur „Nibelungenstadt“, sondern auch „Lutherstadt“ sowie „Stadt der Religionen“ und damit Wirkungsstätte bedeutender freiheitlicher Denker, wie es auch William Tyndale war. Daher freue ich mich, dass durch die neue Sonderausstellung sein Leben und seine Ideen in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gelangen.“
Rahmenprogramm Made in Worms [1]
Begleitend zur Ausstellung führt ein Veranstaltungs-, Vermittlungs- und Vortragsprogramm durch die bewegende Zeit der Reformation und Tyndales Leben.
Öffnungszeiten und Eintritt
Die Ausstellung „Made in Worms – William Tyndale’s New Testament 1526“ kann ab dem 26. September 2026 bis 10. Januar 2027 im Andreasstift (dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr) besichtigt werden. Die Besichtigung ist im regulären Eintrittspreis enthalten. Auf Anfrage werden für Gruppen Workshops und Führungen angeboten.
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