Kreis Germersheim – Gewalt wird in Deutschland nur selten angezeigt. Das geht aus der aktuellen Dunkelfeldstudie „Lebenssituation, Sicherheit und Belastung im Alltag (LeSuBiA)“ hervor, die vom Bundeskriminalamt gemeinsam mit dem Innenministerium und dem Familienministerium vorgelegt wurde.
Demnach werden weniger als zehn Prozent der Gewalterfahrungen zur Anzeige gebracht. Besonders niedrig sind die Quoten bei partnerschaftlicher Gewalt: Psychische und körperliche Übergriffe werden in weniger als fünf Prozent der Fälle angezeigt.
Die Studie zeigt zudem, dass vor allem Frauen, junge Menschen und Personen mit Migrationshintergrund überdurchschnittlich häufig betroffen sind. Auch Angehörige der LSBTIQ-Community berichten vermehrt von Gewalterfahrungen.
Fast jede sechste Person erlebt der Untersuchung zufolge körperliche Gewalt in der Partnerschaft. Sexuelle Belästigung hat beinahe jeder Zweite im Laufe seines Lebens erfahren. Digitale Gewalt trifft insbesondere junge Menschen in alarmierendem Ausmaß.
„Gewalt ist kein privates Problem“
Im Landkreis Germersheim sieht man die Ergebnisse als deutlichen Handlungsauftrag. „Es ist wichtig, über das Thema Gewalt zu sprechen, aufmerksam zu sein und Betroffene zu unterstützen, besonders dann, wenn sie den Mut fassen, sich Hilfe zu suchen“, sagt die Gleichstellungsbeauftragte Lisa-Marie Trog. „Gewalt ist kein privates Problem, sondern eine gesellschaftliche Aufgabe. Niemand muss damit allein bleiben.“
Die Gleichstellungsstelle des Landkreises bietet vertrauliche Gespräche für Betroffene, Angehörige und Menschen aus dem sozialen Umfeld an. Wer unsicher ist, wie er helfen kann, erhält ebenfalls Unterstützung. Auf Wunsch vermittelt die Gleichstellungsbeauftragte auch Kontakte zu spezialisierten Fachberatungsstellen.
Regionale Hilfsangebote
Zu den regionalen Anlaufstellen zählen unter anderem Aradia e.V., das Interventionszentrum gegen häusliche Gewalt, WEISSER RING e.V., SOLWODI e.V. sowie das Frauenhaus Südpfalz und die Polizei.
„Wichtig ist: Es ist nie zu spät, sich Hilfe zu suchen. Jede Form von Gewalt ist ernst zu nehmen und Aufmerksamkeit, Solidarität und niedrigschwellige Unterstützungsangebote sind entscheidend, um Betroffene zu stärken und Gewalt wirksam zu begegnen“, so Trog.

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