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Leserbrief: Stop! Hört sofort auf! Ein Appell.

Bild von Reiner Kombüchen [1] auf Pixabay [2]

„Was man in nur wenigen Minuten so an Böswilligem und Verletzendem in den sozialen Netzwerken liest, in Corona-Zeiten scheinbar mit exponentiellem Wachstum, das ist doch nicht mehr normal!

Besinnen wir uns auf das, was unsere Großeltern und Eltern uns mit auf den Weg gegeben haben, und da ist es egal ob als kindertauglichen Spruch „Was Du nicht willst, das man Dir tu, das füg auch keinem anderen zu!“ oder dem Vergleich zur Hausarbeit „jeder kehre vor seiner eigenen Tür!“ oder natürlich dem Bibelspruch aus der Bergpredigt vom „Splitter im Auge des Anderen, den man sieht, während man den Balken im eigenen Auge nicht wahrnimmt“.

In all diesen „Weisheiten“ steckt etwas Wahres drin, etwas Hilfreiches. Aber vor allem etwas, das uns Innehalten lassen sollte.

Ich kann keines der beiden Lager in der Schärfe verstehen, die angeschlagen wird. Und wie selten zuvor in gesellschaftlichen Debatten, geht es kaum mehr um echte Argumente.

Glauben denn die „Impfbefürworter“ wirklich, dass es hilfreich ist, alle bisher Ungeimpften zu beschimpfen, zu beschuldigen und verantwortlich zu machen, wenn es doch das Ziel ist, möglichst Viele vom Impfen zu überzeugen?

Glauben denn wiederum die „Impfgegner“ tatsächlich, dass sie alleine „selbst denken“ (dann aber gefühlt ALLE exakt die selben Screenshots, Schaubilder und Beiträge teilen?!) und alle anderen „schlafen“ oder „zu dumm“ sind?

Jegliche Vergleiche mit der Zeit des Nationalsozialismus, egal ob man sich in der Opferrolle gefällt oder andere zum Täter deklarieren möchte, sind geschmacklos, geschichtsvergessen und gehören sich einfach nicht. Ohne weitere Diskussion.

Wir steuern – bei allen Unkenrufen – eben nicht auf das Ende der Welt zu. Es werden weder alle Ungeimpften noch alle Geimpften sterben und nur die jeweils anderen überleben. Wir müssen auch nach dieser Corona-Pandemie diesen Planeten teilen, die selbe Luft atmen usw.

Wer die Impfungen als Allheilmittel sieht, der muss zur Kenntnis nehmen, dass sie durch mutierte Virusvarianten an Schutzwirkung verliert. Kennen wir doch von Grippeschutzimpfungen. Also muss „nachgelegt“ werden.

Wer sich vor Spätfolgen der Impfung fürchtet, aber gleichzeitig scheinbar hämische Freude empfindet, dass „die Brühe gar nicht wirkt“, der hat diese der Impfablehnung innewohnende Ambivalenz noch gar nicht erfasst.

Wir sind dabei, ins dritte Jahr einer Pandemie zu kommen, deren Auslöser „Covid19“ sogar noch aus dem Jahr davor stammt.

Natürlich können wir über wirtschaftliche Folgen, den Zustand des Gesundheitssystems, kommunikativ unfähige Politiker und viele andere Themen diskutieren und trefflich streiten.
Aber wir müssen als Gesellschaft auch wieder den Weg heraus aus dieser Krise finden. Oder will sich dann ausgerechnet dabei jemand auf die große Politik verlassen?

Was kann jede/r von uns tun?

NIEMAND erwartet von DIR, dass DU diese Krise löst oder auf ALLE Fragen eine Antwort hast. Dann erwarte DU das auch nicht von ANDEREN.
Was DU tun kannst:

– erfreue Dich nicht am Unheil oder am Scheitern eines/einer Anderen
– mach kein „wir gegen euch“ daraus
– sag/schreib es nicht so verletzend, wenn es überhaupt sein muss
– reduziere den Hass, „absolutes Unverständnis“ reicht völlig
– tu einem/einer Anderen einfach mal was Gutes – völlig unabhängig vom 3G-Status
– denke über die Zeit nach Corona nach“

Steffen Weiß
Wörth am Rhein

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