- Pfalz-Express - https://www.pfalz-express.de -

Leichtbau im Nutzfahrzeug: Moderne Kunststoffverfahren bringen die Branche in Bewegung

Foto: Thomas [1] /Pixabay [2]

Die Nutzfahrzeugindustrie steht unter doppeltem Druck: Stärkere CO₂-Vorgaben und steigende Energiekosten zwingen Hersteller und Zulieferer, jedes Gramm Fahrzeuggewicht auf den Prüfstand zu stellen. Kunststoffe stehen bei notwendigen Anpassungen im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Mit einem Anteil von rund 15 Prozent am Gesamtgewicht moderner Fahrzeuge haben technische Polymere längst tragende Funktionen übernommen. Das Spektrum reicht hier von Strukturbauteilen über Batteriegehäuse bis hin zu aerodynamisch optimierten Verkleidungen. Betrachtet man den Zusammenhang zwischen Nutzlast und Reichweite für die Wirtschaftlichkeit eines Nutzfahrzeugs, eröffnen innovative Spritzgussverfahren neue Möglichkeiten zur Gewichtsreduktion bei gleichbleibender oder sogar verbesserter Bauteilleistung.

Kunststoff als Werkstoff: Weniger Gewicht bei erhöhter Effizienz

Im modernen Fahrzeugbau haben sich die Anforderungen an die genutzten Werkstoffe grundlegend verschoben. Wo früher Stahl und Aluminium alternativlos waren, übernehmen heute stärker stärkte Thermoplaste und Hochleistungspolymere zunehmend strukturelle Aufgaben. Der Vorteil ist messbar: Gewichtsoptimierte Kunststoffbauteile sind im Vergleich zu metallischen Lösungen bis zu 50 Prozent leichter – und das bei vergleichbarer mechanischer Belastbarkeit. Und jedes eingesparte Kilogramm in Bereichen wie Chassis oder Verkleidung erhöht die verfügbare Nutzlast und damit die Wirtschaftlichkeit des Fahrzeugs.

Parallel sinkt außerdem der Energieeinsatz in der Fertigung, denn Kunststoffe erfordern niedrigere Verarbeitungstemperaturen und reduzieren den Zerspanungsaufwand.

Der thermoplastische Schaumguss als Inbegriff der Materialeffizienz

Verfahren wie der TSG-Spritzguss [3] treiben die beschriebene Effizienz auf die Spitze: Durch das gezielte physikalische Aufschäumen der Kunststoffschmelze während des Spritzgießprozesses entstehen mit Bauteilen mikrozellulärer Kernstruktur und geschlossener, dichter Außenhaut. Das Ergebnis ist eine signifikante Gewichtsreduktion gegenüber kompakt gespritzten Teilen – jedoch ohne Einbußen bei der Oberflächenqualität oder der mechanischen Grundstabilität.

Gerade im Nutzfahrzeugbau, wo täglich großflächige Verkleidungsteile, Abdeckungen und Strukturkomponenten verbaut werden, bietet das Verfahren wirtschaftliche und technische Vorteile:

  • Materialersparnis durch reduzierten Polymereinsatz bei gleichem Bauteilvolumen
  • Kürzere Zykluszeiten durch geringeren Nachdruck und schnellere Abkühlung
  • Verzugsarme Bauteile auch bei komplexen Geometrien und großen Wandstärkenunterschieden
  • Geringere Schließkraft der Maschine, was den Energieverbrauch im Fertigungsprozess senkte
  • Kombinierbarkeit mit faserverstärkten Compounds für erhöhte Steifigkeit bei minimalem Gewicht

Ein einziges Verfahren steht somit für  Leichtbau, Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit [4] und ist damit ein bereits fertiger Baustein für die Wirtschaft von morgen.

Auch in der Zukunft steht die Pfalz für innovative Nutzfahrzeuge

Die Pfalz und der Raum Rhein-Neckar gehören für den europäischen Nutzfahrzeugbau zu den industriellen Kernregionen. Zu den prägnantesten Beispielen dafür gehört natürlich das Mercedes-Benz-Werk Wörth als größtes Lkw-Montagewerk Europas. Längst dient es als Anker für ein dichtes Netzwerk an Zulieferern von der Kunststoffverarbeitung über Metallbau bis zur Elektronik.

Letztgenannter Bereich kann sich über volle Auftragsbücher freuen, denn aktuell treibt der Lkw-Bauer die Elektrifizierung voran: Seit 2024 läuft dort die Serienfertigung des batterieelektrischen eActros 600, die von Investitionen in energieeffiziente Fertigungsprozesse begleitet wird. Doch auch Zulieferer aus dem Kunststoffbereich haben dadurch viel zu tun: Die Nachfrage nach leichten, funktionsintegrierten Kunststoffbauteilen [5] steigt, etwa für Batteriegehäuse, Komponenten für das Interieur oder aerodynamische Außenverkleidungen.

Und was heute gut ist, soll bald noch besser werden

Regionale Netzwerke wie der Commercial Vehicle Cluster Südwest (CVC) und das Leibniz-Institut für Verbundwerkstoffe in Kaiserslautern bündeln die Kompetenzen aus Forschung und Industrie, um Verfahrensinnovationen wie den thermoplastischen Schaumguss schneller in die Serienanwendung zu führen.

Damit ist die Transformation der Nutzfahrzeugindustrie kein Zukunftsszenario, sondern auch und gerade in der Pfalz längsten industriellen Realität. Wer Leichtbau, Energieeffizienz und Wirtschaftlichkeit zusammendenkt, findet in modernen Kunststoffverfahren wie dem thermoplastischen Schaumguss einen Hebel, der vom Material über den Prozess bis zum fertigen Fahrzeug wirkt. Die Region bringt alles dafür mit: starke Leitbetriebe, spezialisierte Zulieferer und das erforderliche Forschungsumfeld

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen [11]