Mittwoch, 16. Oktober 2019

Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen: Stechmücken freut der Klimawandel

Neue Arten in Rheinland-Pfalz könnten tropische Krankheiten übertragen

23. Juli 2019 | 9 Kommentare | Kategorie: Kreis Bad Dürkheim, Kreis Germersheim, Kreis Südliche Weinstraße, Landau, Ludwigshafen, Neustadt a.d. Weinstraße und Speyer, Rhein-Pfalz-Kreis, Rheinland-Pfalz, Südwestpfalz und Westpfalz

Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus japonicus).
Foto: Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen/Astrid Kleber

RLP – Der Klimawandel ist auch in Rheinland-Pfalz längst durch viele Zahlen belegbar, sagt das rheinland-pfälzische Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen.

So ist die jährliche Durchschnittstemperatur im Zeitraum von 1870 bis 2018 um 1,6° C gestiegen. Das hat auch Auswirkungen auf die Stechmückenpopulation.

„Ein Temperaturanstieg von rund einem Grad mag zwar wenig klingen, ist aber für die Physiologie von Insekten von großer Bedeutung“, erklärt Astrid Kleber vom Kompetenzzentrum. Wie die Biologin ausführt, werde die Entwicklungszeit durch höhere Temperaturen beschleunigt. Das heißt, von der Eiablage über das Larvenstadium bis hin zur erwachsenen Mücke vergeht weniger Zeit, dadurch können schneller neue Generationen und dadurch eine größere Population entstehen.

Die steigenden Temperaturen haben aber auch zur Folge, dass lokale Starkregenereignisse zunehmen. Dadurch können, so Kleber, trotz längerer Trockenphasen auch in den Sommermonaten genügend Wasseransammlungen entstehen, um den Schlupf und die Larvenentwicklung der Stechmücken zu ermöglichen.

„Gerade die neuen asiatischen Stechmückenarten sind bekannt dafür, dass sie ihre Eier gerne auch in künstliche Gefäße wie Blumenvasen und Autoreifen ablegen, sie sind also nicht auf natürliche Bruthabitate angewiesen“, erklärt Kleber. Seit einigen Jahren werden in Deutschland vermehrt wärmeliebende Mückenarten beobachtet, die sich immer weiter ausbreiten. Das wird auch durch die zunehmend milden Winter begünstigt, die das Überleben der Eier kälteempfindlicher Arten ermöglichen.

In Rheinland-Pfalz kommt die Asiatische Buschmücke (Aedes japonicus japonicus) schon seit einigen Jahren vor. Kleber: „Viele Untersuchungen beweisen stabile Populationen in den nördlichen Regionen von Rheinland-Pfalz, aber auch im Pfälzerwald und der Vorderpfalz wurden bereits Exemplare gefangen.“

Im Sommer 2017 habe man erstmals Eier der Asiatischen Tigermücke (Aedes albopictus) entlang der A61 bei Speyer nachgewiesen – zuvor war diese Mückenart vor allem aus der Oberrheinregion Baden-Württembergs bekannt. Beide Mückenarten kommen ursprünglich aus Japan beziehungsweise Südostasien und breiten sich weltweit derzeit stark aus.

Diese beiden Arten sind bekannte Überträger gefährlicher tropischer Krankheiten. Eine besonders hohe Übertragungsfähigkeit hat die Asiatische Tigermücke: Sie kann Gelbfieber-, West-Nil-, Dengue- und Chikungunya-Viren in sich tragen. Mit den Eiern gelangen diese Viren normalerweise nicht nach Deutschland. Hat sich die Mückenart aber erstmal fest etabliert, können infizierte Reiserückkehrer die Viren in die regionale Mückenpopulation einbringen – dadurch kann es auch bei in Rheinland-Pfalz zu Ausbrüchen dieser gefährlichen Krankheiten kommen.

Weltweit melden zunehmend mehr Länder Ausbrüche von Dengue und Chikungunya. Autochthone – also vor Ort übertragene – Dengue-Fälle wurden 2018 sogar erstmalig in Frankreich und Spanien gemeldet. Damit steigt die Gefahr, dass diese Krankheiten zum Beispiel durch Reiserückkehrer auch nach Deutschland gelangen.

Mückenatlas

Die Ausbreitung der neuen Arten wissenschaftlich zu erfassen, ist also von großer Bedeutung. Bürger können die Forscher in ihrer Arbeit unterstützen. Wer eine Stechmücke gefangen hat, kann diese an den sogenannten „Mückenatlas“ (https://mueckenatlas.com/) schicken. Bei dem vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft geförderten Projekt werden die Mücken bestimmt und in die Verbreitungskarte eingetragen.

Als „eingetragener Mückenjäger“ kann man sich dann auch auf der Karte wiederfinden und bekommt eine Rückmeldung, um welche Mückenart es sich gehandelt hat.

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9 Kommentare auf "Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen: Stechmücken freut der Klimawandel"

  1. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „Nach den Tuberkulose-Erkrankungen an zwei Schulen in Bad Schönborn (Landkreis Karlsruhe) sollen die Untersuchungen ausgeweitet werden. An der Michael-Ende-Gemeinschaftsschule werden seit Montag alle Schüler und Lehrer untersucht.“ Quelle: SWR

    Hinweis: Tuberkulose wird nicht von Stechmücken übertragen

  2. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „Die Präsenz der Tigermücke in den Medien und vor allem die Angstgefühle, die diese Mücke auslösen, zeigen wie unsere Gesellschaft tickt. Wir leben in einer stark verunsicherten Gesellschaft. Das sagt der Präsident der Tessiner Gesellschaft für Angststörungen, Michele Mattia. Dass gerade ein Psychiater aus dem Tessin diese Aussage macht, ist kein Zufall. Die Tigermücke gehört im Tessin zum Sommeralltag.

    Die Tigermücken stechen anders als gewöhnliche Stechmücken auch am Tag und das mehrere Male. Zudem treten sie oft in Schwärmen auf. Sie sind also extrem lästig. Und sie können gefährliche Krankheiten wie das Denguefieber übertragen. Aber nicht in der Schweiz: Denn es gibt hierzulande kaum Menschen mit diesen Krankheiten, welche die Tigermücke weiterverbreiten könnte.“ – Quelle: SRF

  3. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    Bereits vor 20 Jahren ist mir bei Mäharbeiten die gestreifte Mücke, etwas größer als eine herkömmliche Schnacke, aufgefallen. Gut, dass es das „Kompetenzzentrum“ erst seit 2010 gibt. Jahre der Angst sind mir erspart geblieben.

    Im übrigen leistet die Tigermücke einen wichtigen Beitrag zur Biodiversität, bremst das Insektensterben bereichert somit unsere Natur!

  4. Helmut Hebeisen sagt:

    „sagt das rheinland-pfälzische Kompetenzzentrum für Klimawandelfolgen.“

    Nun warten wir doch mal auf das hetzende Kompetenzzentrum der Klimawandel-Leugner und AfD-Schreiberlinge !
    Wer macht den Anfang ? Else, Geeeke… haut rein, schreibt euch den Frust von der Seele !

  5. Helmut Hebeisen sagt:

    …Überschwemmungen, Waldbrände, Hitzerekorde, das Abschmelzen der Gletscher, alles Fake-News. Ich glaube wer heute noch AfD wählt, der würde wohl auch Trump wählen……

    • Alter Schwede sagt:

      Endlich jemand der Ursachen und Wirkung richtig zusammenfügt.
      „Überschwemmungen, Waldbrände, Hitzerekorde, das Abschmelzen der Gletscher“
      völlig richtig Hr. Hebeeisen, die Tigermücke ist daran nicht schuld. Trump ? Naja bei dem weiss man alles nicht so recht. Ich habe da mal nachgesehen, Fake News gibt es schon seit Jahrzehntenn ganz ohne Internet, habe ich festgestellt und auch in meiner Kindheit habe ich selbst schon Fake News erlebt .. dazu gehören Überschwemmungen, Waldbrände, Hilterekorde und das Abschmelzen von Eis. Jetzt bin ich endlich schlauer. Unverschämt dass man dazu noch so alt werden muss wie ich jetzt (64).

    • Peter Patriot sagt:

      Die Jünger der Church-of-global-warming:
      Klimaschützer von zu viel Eis überrascht
      Ein Forschungsschiff, welches den Klimawandel in der Arktis beobachten sollte, bleibt im unerwartet dicken Eis stecken.
      „Wir hatten mehr Schmelze erwartet“
      – Dickes arktisches Eis zwingt norwegisches Forschungsschiff und Eisbrecher, auf Spitzbergen zurückzukehren.
      17. Juli 2019 Cap Allon
      Das norwegische Forschungsschiff und Eisbrecher Kronprins Haakon (Kronprinz Haakon) musste nördlich von Spitzbergen zurückkehren, nachdem es auf wesentlich dickeres Eis traf als erwartet.

      Dickes einjähriges Eis kombiniert mit großen Mengen an mehrjährigem Eis sind zu mächtigen Helmen verschmolzen, und einige davon sind für uns undurchdringlich, sagte Captain Johnny Peder Hansen.

      Das Eis ist immer noch 3m dick, Mitte Juli!

  6. Helmut Hebeisen sagt:

    Wie vermutet, das geballte Kometenzzenrum an Klimawandel-Leugnern ist wieder versammel, das Ganze ? Halt nein eine fehlt noch !
    Aber egal, hoch lebe Greta Thunberg ! Für die AfD und ihre Schreiberlinge wohl die Reinkarnation des Antichristen.

  7. GGGGGGKKKKKEEEE sagt:

    „Für die AfD und ihre Schreiberlinge wohl die Reinkarnation des Antichristen.“

    Nein, nein, wir sehen sie argumentativ ungefähr auf Augenhöhe mit Aktivist Hebeisen.

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