- Pfalz-Express - https://www.pfalz-express.de -

Katastrophale Zuckerrübenernte 2026: Und dann noch eine Zuckersteuer?

Acker mit kranken Rüben
Quelle: Verband der Hessisch-Pfälzischen
Zuckerrübenanbauer e.V.

Rheinland-Pfalz. Nirgendwo in Deutschland ist die Zuckerrübenernte in diesem Jahr so schlecht wie zwischen Pfalz, Rheinhessen und Südhessen.

Eine Insektenplage, die von ihr übertragenen Krankheiten und extreme Trockenheit haben die Erträge auf den tiefsten Stand seit Beginn der Aufzeichnungen 1991 gedrückt. Der Verband der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer sieht damit die Zuckerfabrik Offstein und den Rübenanbau in der Region in Gefahr. Er appelliert an die Politik, den Betrieben jetzt zur Seite zu stehen.

In Rheinland-Pfalz werden derzeit nur rund 41 Tonnen Rüben je Hektar geerntet, mit kaum mehr als 7,5 Tonnen Zucker. Das ist der niedrigste Wert seit 1991 und in diesem Jahr der schlechteste in ganz Deutschland. Viele Felder bringen nur 20 bis 30 Tonnen, und manche ergeben gar keine Ernte. Da von Woche zu Woche mehr Rüben auf den Feldern faulen, verschlechtert sich die Lage weiter. Nach einer ersten Schätzung verlieren die Anbauer in der Region 10 bis 13 Millionen Euro an Erlösen.

Zikade, Fäulnis, Dürre: eine toxische Mischung

Die Hauptursache ist die Schilf-Glasflügelzikade. Das kleine Insekt überträgt mehrere Krankheitserreger zugleich, den sogenannten SBR-Komplex. Befallene Rüben bilden wenig Zucker, werden gummiartig und faulen. In diesem Jahr flog die Zikade so früh und so stark wie noch nie. Dazu kamen die Rübenmotte, deren Larven sich in die Rübe fressen, und eine extreme Trockenheit.

In Südhessen konnten Landwirte mit teurer Beregnung mehr Masse retten, doch auch dort sind die Rüben oft so krank, dass sie kaum zu lagern und nur schwer zu verarbeiten sind. Selbst die Rübenschnitzel, die sonst als wertvolles Futtermittel für Rinder dienen, sind in diesem Jahr aufgrund der Pilzbelastung kaum zu gebrauchen.

Trockenheit allein ist nicht die Ursache

„Trockenheit allein erklärt dieses Jahr nicht“, sagt Dr. Christian Lang, Geschäftsführer des Verbandes. „Das sind versäumte Anpassung, abgebaute Forschung und fehlender Pflanzenschutz. Seit 2019 ist in der EU kein einziger neuer chemisch-synthetischer Pflanzenschutzwirkstoff mehr genehmigt worden, im selben Zeitraum sind über 80 weggefallen. Auf unseren Feldern haben wir aber nicht weniger Schädlinge, sondern deutlich mehr. Uns fehlen Werkzeuge, keine Steuern auf Grundnahrungsmittel!“

Es geht um die einzige Zuckerfabrik in Rheinland-Pfalz

In Offstein werden sämtliche Rüben aus der Pfalz, Rheinhessen, Südhessen und der Wetterau verarbeitet. Über 550 Menschen arbeiten dort. Der Zuckerrübenanbau ist die Basis für diesen Standort. „Wenn Anbau und Verarbeitung hier einmal weg sind, kommen sie nicht wieder“, so Verbandsgeschäftsführer Lang. „Dann hängt unsere Versorgung mit Zucker vom Ausland ab.“

„Unsere Betriebe haben in diesem Jahr alles getan, was sie konnten“, sagt Walter Manz, Vorsitzender des Verbandes. „Jetzt brauchen sie das Signal, dass Bund und Länder an ihrer Seite stehen: mit wirksamen Mitteln gegen die Zikade, die rechtzeitig vor der nächsten Saison verfügbar sind, und mit Praxisforschung, die schnell auf dem Feld ankommt.“

Und dann noch eine Zuckersteuer?

Die geplante Abgabe auf zuckerhaltige Getränke zeigt aus Sicht der Anbauer, wie weit die Politik von der Lage auf dem Land entfernt ist. Ein Hektar Zuckerrüben brachte im vergangenen Jahr fast 15 Tonnen Zucker. Ginge dieser Zucker komplett in Getränke, nähme der Staat dafür rechnerisch über 66.000 Euro Steuer ein.

Der Landwirt muss dagegen mit 2.000 bis 3.000 Euro je Hektar alle seine Kosten decken. Der Staat würde sich also an jedem Hektar Zuckerproduktion, der in Getränke geht, mehr als das Zwanzigfache dessen nehmen, was der Bauer daran für seine gesamte Arbeit einnimmt.

„In diesem Jahr verdienen die meisten Landwirte am Rübenanbau nichts. Der Staat würde trotzdem verdienen, und zwar ohne Ende“, so Lang. Der Verband begrüßt daher ausdrücklich, dass sich eine Reihe von Agrarministern gegen die Steuer ausgesprochen hat: „Sie gehört endgültig vom Tisch!“

Einladung an Politik: Jetzt noch die Schäden vor Ort besichtigen!

Spätestens am 12. November wird die Rodung in der Anbauregion Hessen-Pfalz beendet sein. Danach ist von den Schäden auf den Feldern nichts mehr zu sehen. Der Verband lädt Vertreter aus der Politik daher ein, sich bis dahin vor Ort selbst ein Bild zu machen. Wer kommen möchte, kann sich jederzeit an den Verband wenden, der gern einen Termin organisiert. 

Rübenrodung im Staub
Quelle: Verband der Hessisch-Pfälzischen
Zuckerrübenanbauer e.V.

Gefällt Ihnen unsere Zeitung?

Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.

⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen [6]