
Symbolbild: Pfalz-Express
Die Hausärzte haben die Vorhaben der schwarz-roten Koalition scharf kritisiert, die telefonische Krankschreibung abzuschaffen und eine verpflichtende Vorlage der Krankschreibung ab dem ersten Tag einzuführen.
Die Beschlüsse [1] seien „absolut katastrophal“, sagte der Vorsitzende des Hausärzteverbands, Markus Blumenthal-Beier, dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“. „Auf unsere Praxen kommt damit eine riesige Bürokratiewelle zu, die kaum zu bewältigen sein wird.“
Die Koalition mache sich mit diesen vollkommen faktenfreien Beschlüssen nicht nur unglaubwürdig, sie nehme auch die komplette Überlastung der Praxen billigend in Kauf, beklagte der Mediziner.
Alle Statistiken und Untersuchungen belegten zweifelsfrei, dass die telefonische Krankschreibung nicht zu mehr Krankschreibungen geführt habe. Es handele sich nur um einen statistischen Effekt, weil durch die elektronische Erfassung mehr Krankschreibungen in der Statistik auftauchten, so der Verbandschef.
Die Krankschreibungspflicht ab Tag eins werde dazu führen, dass Millionen zusätzliche Menschen in die Arztpraxen kommen müssten, nur um sich eine Krankschreibung abzuholen, „ohne dass das medizinisch irgendeinen Sinn ergibt“. Die Folgen seien längere Wartezeiten für die Patienten, die wirklich medizinische Hilfe brauchten, so Blumenthal-Beier.
„Trifft Kinder mit voller Härte“
Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte hat die geplante Abschaffung der telefonischen Krankschreibung scharf kritisiert. „Das trifft Kinder mit voller Härte“, sagte Jakob Maske, Bundessprecher des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte der „Frankfurter Rundschau“.
Ein fieberndes Kind könne nicht mehr im Bett bleiben und sich auskurieren, sondern müsse im schlimmsten Zustand in überfüllte Wartezimmer geschleppt werden. „Das ist medizinischer Unsinn und eine enorme Belastung für die Familien“, sagte Maske. „Es ist ein massiver gesundheitspolitischer Rückschritt.“
Seit Dezember 2023 konnten sich Eltern vom Arzt telefonisch „kindkrank“ schreiben lassen. Dies war „eine unglaubliche Erleichterung für alle Beteiligten“, so Maske. Viele Mitglieder des Berufsverbands hätten diese Möglichkeit genutzt, denn Kinder- und Jugendärzte könnten am Telefon sehr wohl abwägen, ob ein Kind wegen eines Infekts zu Hause bleiben muss oder ob es mit einem harmlosen Hautausschlag in die Kita kann.
„Die Pläne von Union und SPD werden die ohnehin chronisch überlasteten Kinderarztpraxen schwer treffen“, kritisiert Maske. „Statt die telefonische Krankschreibung abzuschaffen, sollte lieber eine digitale Kindkrank-AU eingeführt werden“, fordert der Bundessprecher.
(dts Nachrichtenagentur)
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen [7]