
© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe, Foto: Chiara Bellamoli
Karlsruhe – Raumanzüge, eine geschlossene Kuppel und drei Menschen, die ihren Alltag wie auf dem Mars verbringen: Mitten auf dem Karlsruher Marktplatz startet im Oktober ein ungewöhnliches Experiment des Zentrums für Kunst und Medien (ZKM).
Vom 15. bis 27. Oktober wird der Marktplatz zum „MARS!platz“. Dort steht das 75 Quadratmeter große Habitat „Red Dust City“. Drei ZKM-Astronauten ziehen ein und simulieren für zehn Tage das Leben auf dem roten Planeten.
Dabei geht es nicht nur darum, auf engem Raum miteinander auszukommen. Die Besatzung muss mit begrenzten Ressourcen haushalten, ihre Versorgung organisieren und verschiedene Experimente durchführen. Auch Ernährung, psychische Belastungen und die Gruppendynamik unter der geschlossenen Kuppel spielen eine Rolle.

© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien, Foto: Felix Grünschloß
Im Raumanzug auf den Karlsruher Marktplatz
Einmal am Tag dürfen die drei nach draußen. Um 16 Uhr ziehen sie ihre Raumanzüge an und starten zu einer Außenmission auf dem „MARS!platz“. Im Raumfahrtjargon heißen solche Einsätze EVA, kurz für „Extra Vehicular Activity“.

MARS!platz: Red Dust City
© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Draußen werden Experimente durchgeführt und zuvor entwickelte Ideen praktisch erprobt. Das ZKM beschreibt die geplanten Missionen mit einem Augenzwinkern: Die „Karlstronauten“, wie sie dort genannt werden, sollen unter anderem „seltene Erden“ sammeln und sogar „Aliens“ begegnen. Was genau an den einzelnen Tagen auf dem Programm steht, richtet sich nach dem Missionsplan.
Besucher können Kontakt zur Besatzung aufnehmen
Wer wissen möchte, wie es den drei Bewohnern ihrer kleinen Marsstation geht, kann das Experiment auch von außen verfolgen. Jeden Abend um 19 Uhr gibt es eine Kommunikationsstunde, in der die Besatzung Fragen von Besuchern beantwortet.
Auch online lässt sich die Mission verfolgen. Auf der Projektseite sind aktuelle Daten, tägliche Berichte, Blogbeiträge, Fotos und Videobotschaften vorgesehen. Besucher können außerdem Nachrichten an die Astronauten schicken.
Im ZKM selbst wird eine „Bodenstation“ eingerichtet. Im Panoramalabor wird das Geschehen aus dem Habitat live übertragen.
Ideen aus Karlsruhe kommen in die Marsstation
Hinter der Aktion steckt das Projekt „MARS! Mobilizing Awareness for Resilient Societies“. In den vergangenen Monaten haben Einwohner aus Karlsruhe gemeinsam mit internationalen Künstlern und Experten Ideen dafür entwickelt, wie Menschen unter schwierigen Bedingungen zusammenleben könnten.
Dabei beschäftigten sie sich unter anderem mit Wohnraum, Ernährung, psychischer Gesundheit, Regierungsformen und dem Umgang mit knappen Ressourcen. Die entstandenen Konzepte und Prototypen waren zunächst im ZKM zu sehen. Während der Marsmission sollen sie nun auf ihre Alltagstauglichkeit getestet werden.
Beim Mars-Experiment geht es eigentlich um die Erde
Eine echte Marskolonie will das ZKM damit nicht vorbereiten. Der fremde Planet dient vielmehr als Versuchsfeld für Probleme, die auch auf der Erde eine immer größere Rolle spielen.
Wie organisieren Menschen ihr Zusammenleben, wenn Ressourcen knapp werden? Wie lassen sich Nahrung und Wohnraum unter schwierigen Bedingungen organisieren? Und was braucht eine Gruppe, um auch psychisch mit solchen Belastungen zurechtzukommen?
Die Erkenntnisse sollen deshalb vor allem dabei helfen, über ein nachhaltiges Zusammenleben auf einer vom Klimawandel veränderten Erde nachzudenken.
Start der Mission am 15. Oktober
Eröffnet wird „Red Dust City“ am Donnerstag, 15. Oktober. Um 16 Uhr beginnt das Programm mit einer öffentlichen Pressekonferenz. Neben ZKM-Vertretern ist auch Karlsruhes Oberbürgermeister Frank Mentrup dabei.
Um 17 Uhr wird es dann ernst: Die drei „Astronauten“ ziehen in ihr Habitat auf dem Karlsruher Marktplatz ein. Bis zum 27. Oktober kann das Experiment vor Ort, im ZKM und online verfolgt werden.

© ZKM | Zentrum für Kunst und Medien Karlsruhe
Gefällt Ihnen unsere Zeitung?
Fügen Sie den Pfalz-Express als bevorzugte Quelle bei Google hinzu. So verpassen Sie keine wichtigen Nachrichten aus der Region.
⭐ Bei Google als bevorzugte Quelle hinzufügen [6]