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Karfreitag im Speyerer Dom: „Wer ist schuld am Tod Jesu?“

Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann leitete den Gottesdienst. Foto: Klaus Landry

Speyer – „Wer ist schuld am Tod Jesu?“ diese Frage stellte Weihbischof em. Otto Georgens in seiner Predigt am Karfreitag im Speyerer Dom in den Mittelpunkt und warnte dabei eindringlich vor den Folgen von Schuldzuweisungen.

Gemeinsam mit Bischof Dr. Karl-Heinz Wiesemann feierte er den traditionellen Karfreitagsgottesdienst, der zu den zentralen Feiern im Kirchenjahr zählt. Musikalisch gestaltet wurde die Liturgie vom Domchor und dem KathedralJugendChor mit Werken unter anderem von Anton Bruckner und Johann Sebastian Bach.

Predigt gegen einfache Schuldzuweisungen

In seiner Ansprache setzte sich Georgens kritisch mit der Geschichte religiöser Deutungen auseinander. „Der Karfreitag und das, was Menschen aus ihm und mit ihm gemacht haben, hat Kinderseelen verletzt und schwer traumatisiert“, sagte er.

Auch biblische Texte hätten in der Vergangenheit problematische Wirkungen entfaltet. So verwies er auf Formulierungen wie „Sein Blut – über uns und unsere Kinder“. „Die Wirkungsgeschichte dieser und ähnlicher Texte gegen die ‚Juden‘ war verheerend“, betonte Georgens. Kirchen und staatliche Institutionen hätten sich darauf berufen, um Diskriminierung und Verfolgung zu rechtfertigen. Diese „fatalen Folgen“ dürfe man „nicht ausblenden, nicht vergessen, nicht kleinreden“.

Der Weihbischof machte deutlich, dass Karfreitag Anlass sei, „radikal Abschied zu nehmen von allen Sündenbockmechanismen“. Schuld dürfe nicht verdrängt oder anderen zugeschoben werden. „Wenn Unrecht mit Hass bekämpft wird, wird das Unrecht erst recht gesteigert“, warnte er.

Weihbischof em. Otto Georgens hielt die Predigt am Karfreitag. Foto: Klaus Landry

Leid ernst nehmen und Verantwortung übernehmen

Zugleich betonte Georgens die Verbindung von Leiden und Auferstehung. Der Karfreitag gehöre untrennbar zum christlichen Glauben. Daraus ergebe sich auch ein Auftrag für den Umgang mit Leid in der Gegenwart: „Sensibilität, Empfindsamkeit, Empathie führen zu einer gefühlten Solidarität mit dem Leid.“

Die Gläubigen rief er dazu auf, aufmerksam zu bleiben: „Nehmen wir sie wahr, schauen wir nicht weg, vergessen wir sie nicht.“ Ziel sei eine „Com-passion mit den leidenden Mitmenschen“.

Dabei stellte er klar: „Das Leiden und das Kreuz beten wir als Christen nicht an. Wir schauen auf den Gekreuzigten.“ Das Kreuz erinnere daran, nicht gleichgültig am Leid anderer vorbeizugehen.

Zum Abschluss ging Georgens auf den Umgang mit Leid ein. Neben dem Einsatz gegen vermeidbares Leid brauche es auch die Bereitschaft, Unvermeidbares anzunehmen. Mit einem Zitat von Teresa von Avila fasste er dies zusammen: „Das Kreuz fehlt nie im Leben. Man braucht es nicht zu wählen, es ist auch nicht notwendig, Gott um das Kreuz zu bitten. Wenn es aber da ist, dann soll man es umfassen und entschlossen tragen. Das Kreuz quält besonders den, der es nicht tragen will.“

Zahlreiche Gläubige feierten miteinander an Karfreitag im vollbesetzten Speyerer Dom den Gottesdienst – die musikalische Gestaltung übernahmen der Domchor und der KathedralJugendChor. Foto: Klaus Landry

 

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