
Podiumsrunde: Marcus Schaile, Katalin Kolin-Sabján, Tibor Szabó, József Baracskai (v. li.).
Foto: SNelles | Stadt Germersheim
Germersheim / Zalaszentgrót – Geschichte entdecken, Kunst erleben, über Politik diskutieren und gemeinsam feiern: Für eine 33-köpfige Delegation aus Germersheimbot die Reise in die ungarische Partnerstadt Zalaszentgrót vom 8. bis 11. Oktober 2026 ein rundes Programm.
Neben Ausflügen in die Region standen vor allem persönliche Begegnungen im Mittelpunkt. Und eines ist bereits sicher: Im Mai 2027 gibt es ein Wiedersehen in Germersheim.
Ungarische Geschichte zwischen Mittelalter und kommunistischer Diktatur
Der Freitag begann mit einem Ausflug nach Zalaegerszeg, dem westlich des Plattensees gelegenen Hauptort des Komitats Zala. Dort besuchte die Delegation das Mindszentyneum, ein modernes Besucherzentrum, das sich dem Leben des ungarischen Kardinals József Mindszenty und der Geschichte des Landes widmet.

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Mindszenty war 25 Jahre lang Pfarrer in Zalaegerszeg, bevor er zum Bischof von Veszprém, später zum Erzbischof von Esztergom und schließlich zum Kardinal ernannt wurde. Die Ausstellung zeichnet seinen Lebensweg nach und beleuchtet die Verfolgung der Kirchen während der kommunistischen Diktatur von 1945 bis 1990.
Eine weitere Ausstellung beschäftigt sich mit mittelalterlichen Baudenkmälern und archäologischen Funden aus dem Komitat Zala. Damit spannte der Besuch einen Bogen von den mittelalterlichen Anfängen der Region bis zu den politischen Umbrüchen des 20. Jahrhunderts.
Kunst und Gespräche bei Vernissage
Am Freitagabend wechselte das Programm von der Geschichte zur zeitgenössischen Kunst. Gemeinsam mit ihren ungarischen Gastgebern besuchten die Germersheimer eine Vernissage des Künstlers István Krepsz aus Zalaszentgrót.
Der Maler ist für seine farbenfrohen Werke bekannt, in denen abstrakte Formen, lyrische Elemente und spirituelle Motive zusammenfinden. Seine Bilder lassen viel Raum für eigene Interpretationen. Die Ausstellung bot den Gästen Gelegenheit, den Künstler und seine Arbeiten kennenzulernen und sich mit ihren Gastgebern darüber auszutauschen.

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Politik und Städtepartnerschaften
Am Samstagvormittag wurde es politisch. Zalaszentgróts Bürgermeister József Baracskai hatte zu einer Gesprächsrunde eingeladen, bei der es um aktuelle Entwicklungen in Ungarn, die Zusammenarbeit europäischer Städte und kommunale Zukunftsfragen ging.
Zu den Referenten gehörte Tibor Szabó, Mitglied des ungarischen Parlaments und Vorsitzender des Ausschusses für ländliche Entwicklung und Gemeindeentwicklung. Er war bei der Parlamentswahl am 12. April 2026 über die landesweite Liste der erfolgreichen Tisza-Partei ins Parlament eingezogen und berichtete über die politischen Veränderungen in Ungarn.
Für die Germersheimer war Szabó allerdings kein Unbekannter. Schon 2005, zu Beginn der Städtepartnerschaft, gehörte er zur ungarischen Delegation beim Germersheimer Festungsfest. Damals allerdings nicht als Politiker, sondern als Folkloretänzer.
Anschließend sprach Katalin Kolin-Sabján, Sekretärin für internationale Beziehungen beim ungarischen Kommunalverband TÖOSZ, über Städtepartnerschaften in Europa und mögliche Förderprogramme. Dabei ging es auch um finanzielle Unterstützung für gemeinsame Projekte der beiden Partnerstädte.
Germersheimer Vereinsleben als Vorbild
Germersheims Bürgermeister Marcus Schaile stellte in seinem Vortrag die Bedeutung der Vereine für das gesellschaftliche Leben einer Stadt heraus. Er schilderte, wie vielfältig die Vereinslandschaft in der Festungsstadt ist, welchen Beitrag die Vereine zum städtischen Leben leisten und wie die Stadt deren Arbeit unterstützt.
Sein ungarischer Amtskollege hatte bereits im Vorfeld großes Interesse an diesem Thema gezeigt. Baracskai erhofft sich von den Germersheimer Erfahrungen Anregungen, die sich möglicherweise auch in Zalaszentgrót [1] umsetzen lassen.
In seinem eigenen Vortrag widmete sich Baracskai der nachhaltigen Stadtentwicklung. Besonders die Einschränkungen bei der Wassernutzung im vergangenen Sommer hätten gezeigt, wie wichtig ein sparsamer Umgang mit Wasser, Energie und anderen natürlichen Ressourcen sei. Dabei müsse auch die Bevölkerung einbezogen werden, um den Verbrauch langfristig zu senken.
Dass sich beide Städte gegenseitig etwas abschauen können, machte Baracskai mit einem Beispiel deutlich: „In Germersheim haben wir mehrere gute Beispiele gesehen, insbesondere bei der Erhaltung der biologischen Vielfalt.“
Mit dem Boot unter die Erde und zum Plattensee
Nach den Vorträgen übernahmen die ungarischen Gastgeber das Programm. Trotz des einsetzenden Regens ging es hinaus in die Region rund um Zalaszentgrót.
Ein Ausflugsziel war Keszthely, eine traditionsreiche Stadt am Westufer des Plattensees. Der größte See Mitteleuropas prägt mit seinen Uferorten, seiner Landschaft und seinen Freizeitmöglichkeiten die gesamte Region.
Ein weiteres Ziel war die Seehöhle von Tapolca. Unter den Straßen und Häusern der Stadt erstreckt sich ein Höhlensystem, das vor mehr als hundert Jahren entdeckt wurde. Entstanden ist es durch geologische Prozesse im Kalkstein. Besonders eindrucksvoll ist das klare, grün-bläulich schimmernde Wasser, das Teile der Höhle füllt.

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Ein Abschnitt des unterirdischen Sees lässt sich mit kleinen Booten erkunden. Für die Besucher bot sich damit die ungewöhnliche Gelegenheit, die Stadt einmal aus einer ganz anderen Perspektive kennenzulernen: von tief unter der Erde.
Die Ausflüge boten reichlich Gelegenheit für Gespräche und gemeinsame Erlebnisse. Gleichzeitig konnten die Germersheimer ihre ungarischen Gastgeber und deren Heimat abseits des offiziellen Programms besser kennenlernen.
Stimmung im Batthyány-Schloss
Am Samstagabend wurde schließlich gefeiert. Im Batthyány-Schloss in Zalaszentgrót trafen sich die deutschen Gäste und ihre ungarischen Freunde zu einem gemeinsamen Abschlussabend.
Bei Musik, Tanz und vielen Gesprächen ließen sie die vergangenen Tage Revue passieren. Dabei zeigte sich einmal mehr, dass die Städtepartnerschaft längst über offizielle Besuche und gegenseitige Einladungen hinausgeht. Über die Jahre sind zahlreiche persönliche Kontakte und Freundschaften entstanden, die auch zwischen den Begegnungsfahrten gepflegt werden.

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„Viszontlátásra Germersheimben“ – „Auf Wiedersehen in Germersheim“
Nach drei abwechslungsreichen Tagen hieß es Abschied nehmen. Die Germersheimer traten mit vielen neuen Eindrücken, interessanten Gesprächen und schönen Erinnerungen die Heimreise an.
Allzu lange müssen die Freunde aus beiden Städten allerdings nicht auf das nächste Treffen warten. Vom 26. bis 29. Mai 2027 wird eine größere Delegation aus Zalaszentgrót zum Gegenbesuch in Germersheim erwartet.
Dann heißt es für die Germersheimer, ihren ungarischen Freunden die eigene Heimat zu zeigen und sich für die Gastfreundschaft zu revanchieren. Und natürlich wird es auch wieder reichlich Gelegenheit geben, alte Freundschaften zu pflegen und neue Kontakte zu knüpfen.

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