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Germersheim: Junge Leute fordern faire Chancen beim Austausch mit Freie Wähler-Politikern Streit, Kloos und Oswald

Foto: Pfalz-Express

Germersheim – Im Haus der Finanzen war es kein klassischer Wahlkampftermin, sondern ein offenes Gespräch auf Augenhöhe: Auszubildende und junge Berufstätige trafen dort auf Politiker der Freien Wähler und nutzten die Gelegenheit, ihre Erwartungen, Sorgen und Hoffnungen deutlich zu formulieren.

Eingeladen hatte die Versicherungsservice 24 GmbH. Geschäftsführer Armin Lutzke hatte den Austausch bewusst ohne feste Agenda angelegt. Zu Gast waren unter anderem Joachim Streit, Mitglied des Europäischen Parlaments und Spitzenkandidat der Freien Wähler Rheinland-Pfalz, und die Direktkandidaten Anette Kloos und Martin Oswald.

Statt vorbereiteter Reden bestimmten persönliche Erfahrungen die Diskussion. Es ging um Arbeit, Gerechtigkeit, Sicherheit und die Zukunftsperspektiven junger Menschen.

Arbeiten und dennoch kaum Perspektive

Mehrere Teilnehmer beschrieben eine wachsende Diskrepanz zwischen Leistung und dem, was am Ende davon übrig bleibt. Ein Auszubildender sagte: „Ich gehe arbeiten, gebe einen großen Teil meines Einkommens ab und frage mich trotzdem, wie ich mir jemals etwas aufbauen soll.“

Ein anderer ergänzte: „Arbeit wird härter besteuert als Kapital – das fühlt sich einfach nicht gerecht an.“

Hohe Abgaben seien schwer nachvollziehbar, wenn sich der Gegenwert im Alltag kaum bemerkbar mache, lautete der Tenor in der Runde.

Der Start in die Selbstständigkeit wird zur Belastung

Besonders eindringlich schilderten die jungen Teilnehmer die Hürden beim Auszug aus dem Elternhaus. Hohe Mieten, Kautionen, Kosten für die Erstausstattung und befristete Arbeitsverträge erschwerten den Schritt in ein eigenständiges Leben. „Die erste Wohnung ist heute kein Neuanfang mehr, sondern ein Kraftakt“, sagte ein Teilnehmer. Selbst bei regelmäßigem Einkommen winkten Banken oft ab.

Die Forderung aus der Runde: gezielte Starthilfen statt dauerhafter Transferleistungen. „Wir wollen keine Geschenke, sondern eine faire Startchance“, hieß es.

Sorgen um die nächste Generation

Neben finanziellen Fragen spielte das Thema Sicherheit eine Rolle, weniger mit Blick auf die eigene Situation als mit Sorge um jüngere Geschwister und kommende Generationen. „Ich komme heute klar. Aber wie sieht das in zehn Jahren für meinen kleinen Bruder aus?“, fragte ein Teilnehmer.

Kritisch diskutiert wurde auch der Einfluss sozialer Medien. Ungefilterte Inhalte erschwerten Orientierung und Wertevermittlung. Aus der Runde hieß es, elf- oder zwölfjährige Kinder würden zwar Internet-Idole kennen, aber keine demokratischen Institutionen.

Integration als Praxisfrage

Einigkeit bestand darin, dass Deutschland ohne Migranten – etwa im Gesundheitswesen oder im Handwerk – kaum funktionieren würde. Entscheidend sei jedoch eine gelingende Integration.

Gastgeber Lutzke verwies auf sein eigenes Unternehmen, dessen Team international aufgestellt sei. „Entscheidend ist für uns nicht die Herkunft, sondern ob jemand Verantwortung übernimmt, lernbereit ist und konsequent kundenorientiert arbeitet. Wer diese Eigenschaften mitbringt, bekommt bei uns eine echte Chance“, sagte er. Diese Haltung stärke den Teamgeist und sei ein Erfolgsfaktor.

Politik im Dialog

Die politischen Gäste nahmen die Wortmeldungen nach eigenen Angaben aufmerksam auf. Kloos betonte, die Gespräche zeigten, wie reflektiert junge Menschen über Politik und Gesellschaft nachdächten. Man müsse ihnen zuhören.

Streit erklärte, Politik dürfe nicht über junge Menschen reden, sondern müsse mit ihnen sprechen, damit tragfähige Lösungen entstünden. Oswald verwies darauf, dass die geschilderten Punkte kein „Wunschzettel“, sondern Alltagserfahrungen seien, die Grundlage politischer Entscheidungen sein müssten.

Am Ende stand kein Forderungskatalog, sondern ein Stimmungsbild. Die jungen Teilnehmer beschrieben sich als leistungsbereit und engagiert, erwarten jedoch verlässliche Rahmenbedingungen.  „Wir wollen unseren Weg gehen. Aber wir wollen das Gefühl haben, dass sich Leistung in diesem Land wieder lohnt“, so ein Teilnehmer.

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