
Foto: dts Nachrichtenagentur
Berlin – In mehr als 30 deutschen Städten haben am Samstagnachmittag (31. Oktober 2026) die sogenannten GenZ-Proteste begonnen. Die Initiative „Gen Z regelt“ fordert bessere Bildung, bezahlbare Lebensbedingungen und mehr politische Mitsprache für junge Menschen.In Livestreams aus mehreren Städten waren daneben kommunistische Fahnen, Palästina-Parolen und Beschimpfungen gegen Polizisten und Bundeskanzler Friedrich Merz zu sehen und zu hören.
Vor dem Brandenburger Tor in Berlin versammelten sich innerhalb der ersten Stunde nach dem offiziellen Beginn um 14 Uhr knapp 4.500 Demonstranten. Das sagte ein Polizeisprecher einem Reporter der dts Nachrichtenagentur vor Ort. Bis dahin habe es keine nennenswerten Vorfälle gegeben, die Lage sei insgesamt ruhig gewesen. (Stand 15.50 Uhr)
Bessere Schulen, bezahlbares Leben und keine Wehrpflicht
Die Organisatoren erwarten in Berlin im Tagesverlauf mehr als 10.000 Teilnehmer. Bundesweit hoffen sie auf über 100.000 Demonstranten.
Die „offiziellen“ Forderungen umfassen ein breites Spektrum: Die Initiative wendet sich gegen marode Schulen und steigende Lebenshaltungskosten. Mit einer „ungerechten Lastenverteilung“ meint sie, dass die junge Generation aus ihrer Sicht zu stark belastet wird. Hinzu kommen Forderungen nach Klimaschutz, die Ablehnung der Wehrpflicht und Kritik an einer zunehmenden staatlichen Überwachung („Überwachungsapparat“, wie es hieß).
Ein umfangreiches Programm also. Wie „Alle Bullen sind Schweine“ oder „Free Palestine“ bei der Sanierung maroder Schulen helfen soll, blieb allerdings offen.
Kommunistische Fahnen und „Free Palestine“
Die bisherigen Eindrücke aus Livestreams zeigten nämlich viele andere Schwerpunkte. In Bremen tanzten Teilnehmer unter dem Namen „Rote Jugend Deutschland“ und riefen „Alle Bullen sind Schweine“. Außerdem waren Fahnen mit Hammer und Sichel zu sehen.
In Stuttgart begleiteten „Tierquäler“-Rufe den Einsatz von Polizeipferden. Daneben waren „Free Palestine“ und die gegen den Bundeskanzler gerichtete Beschimpfung „Merz, leck Eier“ zu hören. Am Nachmittag brachen Demonstranten durch, verließen die vorgegebene Demo-Route und rannten durch die Stadt. Polizisten verfolgt nach wie vor die Gruppen. Die Demonstranten riefen: „Wir sind bereit.“
In Berlin riefen Demonstranten „Hoch die internationale Solidarität“. Auf Plakaten standen „Zeit für Widerstand“ und „Bildung statt Bomben“. Während die letztgenannte Forderung einen Bezug zu den angekündigten Bildungsthemen herstellte, blieben andere Parolen allgemein oder richteten sich gegen Polizei und Regierung.
Geschäfte schützten Schaufenster
Mit ähnlichen Forderungen hatten in den vergangenen Wochen Proteste in Frankreich, Italien und weiteren Ländern begonnen. Teilweise folgten heftige Ausschreitungen [1]. Die offiziellen Veranstalter in Deutschland erklärten dagegen, ihre Proteste sollten friedlich bleiben.
Aus Sorge vor Beschädigungen hatten sich zahlreiche Geschäfte und andere Einrichtungen auf den Protesttag vorbereitet. Am Berliner Kurfürstendamm wurden insbesondere die Schaufenster von Luxusgeschäften mit Sperrholzplatten geschützt. Auch im Regierungsviertel kündigten Vermieter manchen Gewerbemietern an, am Wochenende Außenjalousien zum Schutz vor möglichen Steinwürfen herunterzulassen.
Zu besonderen Sicherheitsvorkehrungen machte die Bundesregierung am Freitag keine konkreten Angaben. „Die Gefährdungsbewertungen werden natürlich laufend vorgenommen“, sagte eine Sprecherin des Bundesinnenministeriums.
Der stellvertretende Regierungssprecher Sebastian Hille ließ auf Anfrage der dts Nachrichtenagentur offen, wo sich Merz am Samstag aufhalten werde und ob die Proteste bei dessen Tagesplanung eine Rolle spielten. (red/ dts Nachrichtenagentur)