
Foto: dts Nachrichtenagentur
Wieder eine Klimawarnung, wieder eine alarmierende Zahl: Die Erde könnte sich bis zum Ende dieses Jahrhunderts um 2,8 Grad erwärmen. Das geht aus einem neuen Bericht des UN-Umweltprogramms UNEP hervor.
Die Zahl beschreibt allerdings keine feststehende Zukunft. Sie gilt für eine Entwicklung, die eintreten könnte, falls die Staaten ihre derzeitige Klimapolitik fortsetzen.
Der am Mittwoch (21. Oktober 2026) veröffentlichte Bericht rechnet verschiedene Möglichkeiten durch. Dabei geht es um die weltweite Durchschnittstemperatur im Vergleich zur Zeit vor der Industrialisierung. Wie hoch sie tatsächlich steigt, hängt unter anderem vom künftigen Ausstoß an Treibhausgasen ab.
Was die Zahlen bedeuten
Die wichtigste Unterscheidung im Bericht lautet: Was tun die Staaten bereits, und was haben sie bisher nur versprochen?
Bleibt es bei den bestehenden Maßnahmen, errechnet UNEP eine Erwärmung von 2,8 Grad. Werden alle zugesagten Klimaschutzpläne umgesetzt und die Anstrengungen danach fortgeführt, wären es 2,6 Grad. Mit zusätzlichen Maßnahmen zur Klimaneutralität könnte der Anstieg laut Bericht auf 2,1 Grad begrenzt werden.
Das sind Modellrechnungen unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Keine dieser Zahlen ist eine Garantie. Politische Entscheidungen können sich ändern, neue Technik kann hinzukommen. Auch die Berechnung, wie stark das Klima auf die Treibhausgase reagiert, enthält Unsicherheiten. Eine einzelne Zahl hinter dem Komma kann diese nicht vollständig abbilden.
Warum Forscher vor Übertreibungen warnen
Kritik gibt es auch aus der Wissenschaft. Die Klimaforscher Zeke Hausfather und Glen Peters warnten bereits 2020 in der Fachzeitschrift „Nature“ davor, besonders ungünstige Entwicklungen als wahrscheinlichste Zukunft darzustellen. Ihre Forderung: Das ungünstigste Szenario dürfe nicht einfach zum Normalfall erklärt werden.
Professor Nicola Scafetta von der Universität Neapel stellt darüber hinaus die berechnete Stärke der Erwärmung infrage. Er argumentierte 2024 in „Geoscience Frontiers“, dass zahlreiche Klimamodelle zu hohe Temperaturanstiege lieferten. Mit anderen Modellansätzen kam er bei einer mittleren Entwicklung der Emissionen auf durchschnittlich weniger als zwei Grad bis zum Ende des Jahrhunderts.
Vorgeschlagener Ausweg ebenfalls unsicher
UNEP beschreibt außerdem, wie die Erwärmung nach einem zwischenzeitlichen Anstieg bis 2100 wieder auf höchstens 1,5 Grad sinken könnte. Dafür müsste der weltweite Treibhausgasausstoß bis 2035 um 45 Prozent gegenüber 2025 zurückgehen. Die bisherigen Zusagen der Staaten reichen dafür nicht aus.
Doch Einsparungen allein würden nach dieser Rechnung nicht genügen. Zusätzlich müssten rund 320 Milliarden Tonnen Kohlendioxid aus der Luft entfernt und dauerhaft gespeichert werden. Ob das im nötigen Umfang gelingt, ist auch laut UNEP unsicher. Selbst wenn die Voraussetzungen erfüllt würden, gibt der Bericht die Chance auf eine Rückkehr zur 1,5-Grad-Marke mit etwa 50 Prozent an.
Es gibt auch Fortschritte
Bei allen Warnungen nennt der Bericht positive Entwicklungen: Erneuerbare Energien wurden seit dem Pariser Klimaabkommen schneller ausgebaut als erwartet. Besonders die Solarenergie legte kräftig zu. Klimaschutzmaßnahmen haben zudem in verschiedenen Ländern und Branchen den Ausstoß gesenkt.
Der Bericht zeigt Risiken und auch mögliche Wege, sie zu begrenzen. Wie die Welt im Jahr 2100 tatsächlich aussieht, steht heute nicht fest. Für die öffentliche Debatte ist deshalb entscheidend, welche Annahmen hinter den Zahlen stehen und wie realistisch die vorgeschlagenen Maßnahmen sind. (red /dts Nachrichtenagentur)
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