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Elsass: Schwere Ausschreitungen in Straßburg und Mulhouse

Der Place Kléber im Herzen von Straßburg. Bei den schweren Ausschreitungen am 17. Oktober 2026 wurde auch das Denkmal des französischen Generals Jean-Baptiste Kléber mit Parolen beschmiert. Das Foto zeigt den Platz vor den Ausschreitungen.
Foto: Paolo Berretta [1] / Pixabay [2]

Straßburg/Wissembourg/Mulhouse – Eingeschlagene Schaufenster, geplünderte Geschäfte, brennende Müllcontainer und Angriffe auf Polizisten: Die Protestwelle in Frankreich hat am Samstag, 17. Oktober 2026, auch im Elsass zu schweren Ausschreitungen geführt.

Besonders heftig traf es Straßburg und Mulhouse. Mindestens 38 Menschen wurden festgenommen, zahlreiche Personen verletzt. Auch in der bei Südpfälzern beliebten Stadt Colmar gab es Zwischenfälle.

In den unmittelbar an die Südpfalz angrenzenden Städten Wissembourg (Weißenburg) und Lauterbourg (Lauterburg) wurden dagegen bislang keine vergleichbaren Ausschreitungen bekannt. Eine offizielle Bestätigung der zuständigen französischen Behörden steht allerdings noch aus und ist vom Pfalz-Express angefragt.

Aus Schülerprotesten wurden landesweite Ausschreitungen

Begonnen hatte die Bewegung Ende August mit Protesten französischer Schüler. Sie kritisierten schlechte Lernbedingungen, marode Schulgebäude, fehlende Lehrer, überfüllte Klassen und eine unzureichende Ausstattung der Schulen. Studenten schlossen sich an und beklagten unter anderem hohe Lebenshaltungskosten und mangelnde finanzielle Unterstützung.

Inzwischen ist daraus eine wesentlich breitere Protestbewegung geworden. Gewerkschaften, Beschäftigte, Rentner und Anhänger der Gelbwesten-Bewegung beteiligen sich ebenfalls. Die ursprünglichen Forderungen der Schüler sind längst nicht mehr das einzige Thema. Es geht auch um hohe Lebenshaltungskosten und eine generelle Wut auf die Regierung. 

Zugleich nutzen gewaltbereite Gruppen die großen Menschenansammlungen für massive Sachbeschädigungen, Angriffe auf Sicherheitskräfte und Plünderungen [3]. Mit den ursprünglichen Anliegen der Schüler und Studenten haben diese kriminellen Gewalttaten nichts mehr zu tun.

Linksradikale und Jugendgruppen aus den Vorstädten

Bei den Ausschreitungen traten unterschiedliche Tätergruppen in Erscheinung. Neben militanten Linksextremisten aus dem sogenannten Black-Bloc-Milieu nutzten auch organisierte Gruppen junger Männer die Proteste gezielt für Plünderungen.

Berichten zufolge reisten zahlreiche Randalierer aus den französischen Vorstädten, den sogenannten Banlieues, in die Innenstädte. Die Pariser Polizeipräfektur sprach von Jugendlichen, die ausschließlich zur Begehung von Straftaten gekommen seien.

Der Extremismusexperte Ahmad Mansour sieht in den Ausschreitungen auch eine Instrumentalisierung der ursprünglichen Schülerproteste durch linksradikale und migrantisch geprägte Jugendgruppen. Bei vielen Beteiligten stehe nicht politischer Protest im Vordergrund, sondern die Lust an Gewalt und Zerstörung.

Straßburg: Plünderungen mitten in der Innenstadt

In Straßburg versammelten sich am Samstag nach Angaben der Präfektur rund 15.000 Menschen. Die zunächst friedlichen Proteste eskalierten, als sich gewaltbereite Gruppen abspalteten und durch die Innenstadt zogen.

Geschäfte wurden geplündert, Schaufenster eingeschlagen und öffentliche Einrichtungen verwüstet. Zu den angegriffenen Geschäften gehörten Primark, Jott und McDonald’s. Auch die Verkaufsstelle der Straßburger Verkehrsbetriebe CTS wurde schwer beschädigt.

Randalierer rissen Pflastersteine aus dem Boden, setzten Müllcontainer in Brand und attackierten Polizisten. Selbst die historische Innenstadt blieb nicht verschont. Die Kléber-Statue wurde beschmiert, weitere Gebäude mit Parolen besprüht.

Die Gewalt zog sich bis in die Abendstunden. Noch gegen 20 Uhr waren rund 1.500 Menschen auf den Straßen unterwegs.

Straßburgs Bürgermeisterin Catherine Trautmann (Parti socialiste (PS)) berief am Sonntag eine Krisensitzung ein. Die Stadt kündigte Unterstützung für geschädigte Geschäftsleute an.

Mulhouse: Hunderte Vermummte auf Zerstörungstour

Noch heftiger ging es in Mulhouse zu. Dort mischten sich nach Recherchen der französischen Regionalzeitung Dernières Nouvelles d’Alsace (DNA) zwischen 300 und 400 gewaltbereite Personen unter die Demonstranten. Viele waren schwarz gekleidet und vermummt.

Die Gruppen zogen durch die Innenstadt, schlugen Schaufenster ein, plünderten Geschäfte und verwüsteten öffentliche Einrichtungen. Vier Läden wurden geplündert, zahlreiche weitere beschädigt.

Auch das Rathaus wurde angegriffen. Rund zehn Randalierer drangen in den Eingangsbereich ein und verwüsteten die Halle. Einen Angriff auf die Dienststelle der Stadtpolizei konnten Sicherheitskräfte abwehren.

Die Feuerwehr musste rund 40 Brände löschen. Noch nach 20 Uhr waren Explosionen von Feuerwerkskörpern und der Einsatz von Tränengas zu hören.

Schwere Verletzungen und 38 Festnahmen

Die Bilanz der Ausschreitungen ist erschreckend. In Straßburg wurden 27 Menschen festgenommen, in Mulhouse zehn und in Colmar eine weitere Person.

Allein in Straßburg erlitten 27 Polizeibeamte Verletzungen. Einer zog sich durch einen Feuerwerkskörper ein Schädeltrauma zu, ein anderer wurde von einem Pflasterstein getroffen. Auch 17 Teilnehmer der Proteste wurden verletzt.

Besonders schwer traf es eine 17-Jährige in Mulhouse. Sie verlor durch ein bislang nicht identifiziertes Projektil ihr linkes Auge. Die französische Polizeiaufsicht IGPN untersucht den Vorfall. Auch ein 27-jähriger Mann wurde in Straßburg schwer am Auge verletzt. In beiden Fällen wird der genaue Hergang untersucht.

Colmar vergleichsweise ruhig – Wissembourg ohne bekannte Ausschreitungen

In Colmar verlief die Demonstration mit rund 400 Teilnehmern zunächst friedlich. Später kam es zu kleineren Auseinandersetzungen, bei denen die Polizei Tränengas einsetzte. Eine Person wurde festgenommen.

Aus Wissembourg und Lauterbourg liegen dagegen bislang keine Meldungen über vergleichbare Gewalttaten vor. Bereits Anfang Oktober hatte sich gezeigt, dass die Protestbewegung dort deutlich weniger Zulauf fand als in den elsässischen Großstädten.

Kriminelle nutzen Proteste für Plünderungen

Die Dimension der Gewalt geht inzwischen weit über die ursprünglichen Schülerproteste hinaus. In Straßburg und Mulhouse nutzten Gruppen von Randalierern die Demonstrationen offenbar gezielt, um Geschäfte zu plündern, Eigentum zu zerstören und Polizisten anzugreifen.

Die französischen Sicherheitsbehörden rechnen mit weiteren Protesten und befürchten erneute Ausschreitungen. Nach den Verwüstungen vom Wochenende stehen in den betroffenen Innenstädten zunächst Aufräumarbeiten, Reparaturen und die Ermittlungen gegen die Gewalttäter im Vordergrund.

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